Mittwoch, 10. Februar 2010

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25.06.2009
 

Solarenergie aus der Wüste

"Die Sahara-Sonne ist terrorresistent"

Stromkonzerne wollen massiv Kraftwerke in der Sahara bauen und Solarenergie nach Europa exportieren - doch Lobbyisten behaupten, die Wüste sei terrorgefährdet. Unsinn, sagt Nordafrika-Experte Wolfram Lacher: Im SPIEGEL-ONLINE-Interview spricht er über die wahren Risiken des Milliardenprojekts.

SPIEGEL ONLINE: Mindestens 15 Großunternehmen und Institutionen, darunter auch deutsche Energiekonzerne, wollen riesige Solarkraftwerke in der Sahara bauen und so Strom für Europa produzieren. Was halten Sie von der Idee?

ZUR PERSON

Wolfram Lacher ist seit Februar 2007 Analyst beim internationalen Beratungsunternehmen Control Risks. Sein Spezialgebiet sind die sicherheits- und wirtschaftspolitischen Entwicklungen Nordafrikas. Zu diesen Themenkomplexen verfasste er zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze. Control Risks ist nach eigenen Angaben nicht in das Projekt Desertec involviert.
Lacher: Eine neue Quelle für Europas Energieversorgung erschließen zu wollen, ergibt im Sinne der Diversifizierung der Energiequellen strategisch sehr viel Sinn. Das Vorhaben halte ich für äußerst ambitioniert. Vieles daran ist unwägbar - aber nicht unmöglich.

SPIEGEL ONLINE: Energie-Lobbyisten sehen das anders. Vattenfall-Chef Lars Josefsson zum Beispiel warnt davor, dass die Solarkraftwerke und Stromleitungen in Nordafrika zur Zielscheibe von Terroristen werden könnten.

Lacher: Das halte ich für nicht wahrscheinlich. Schon weil noch gar nicht geklärt ist, in welchen Sahara-Ländern Kraftwerke und Stromleitungen gebaut würden. Geeignet wären zum Beispiel Marokko und Tunesien - dort ist die Terrorgefahr vergleichsweise gering.

SPIEGEL ONLINE: Anders als in Algerien. Dort wird vor allem der Norden des Landes regelmäßig von Terroranschlägen erschüttert ...

Lacher: ... im Süden des Landes ist das Risiko von Terroranschlägen aber geringer. Viele führende Energieunternehmen fördern dort im großen Stil Öl und Gas ...

Vision eines afro-europäischen Super-Stromnetzes: Energie aus der Wüste
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DESERTEC

Vision eines afro-europäischen Super-Stromnetzes: Energie aus der Wüste

SPIEGEL ONLINE: ... Konzerne wie Total, ENI, StatoilHydro, Repsol, Cepsa, Gaz de France, BHP Billiton, BP und Anadarko ...

Lacher: Für einige europäische Länder spielt diese Energieförderung eine große Rolle. Etwa 40 Prozent des in Italien verbrauchten Erdgases ist algerischer Herkunft, in Spanien und Portugal sind es sogar 60 Prozent. Anschläge auf Förderstätten oder Pipelines gab es dennoch nicht.

SPIEGEL ONLINE: Gegen ausländische Unternehmen aber schon.

Lacher: Ja, aber nicht auf den Ölsektor im Süden des Landes. Hinzu kommt, dass die Infrastruktur des Landes kaum Ziel terroristischer Anschläge war - und ich glaube nicht, dass es bei Solarkraftwerken anders wäre. Ich halte das Projekt Sahara-Sonne für ziemlich terrorresistent.

SPIEGEL ONLINE: Also ab in die Wüste?

Lacher: Ich sehe für die Unternehmen schon Risiken, wenn auch andere. Zum Beispiel, dass die nordafrikanischen Regierungen die Bedingungen für ausländische Investoren verschärfen. In Algerien etwa dürfen Ausländer seit einer Weile nur bis zu knapp 50 Prozent der Anteile an Projekten im Land halten.

SPIEGEL ONLINE: Inwieweit stärkt das Projekt Desertec die afrikanische Verhandlungsposition gegenüber der EU?

Lacher : Das Projekt dürfte Gegenstand langwieriger Verhandlungen der Regierungen mit den Investoren und der EU werden. Nordafrikanische Regierungen könnten die Bedingungen für das Projekt als Druckmittel einsetzen, um eigene Interessen in anderen Themenbereichen durchzusetzen. Etwa bei der Migrations- oder Exportpolitik.

SPIEGEL ONLINE: Wissenschaftler taxieren die Gesamtkosten von Projekt Desertec bis 2050 auf mehr als 400 Milliarden Dollar. Im Konsortium hofft man darauf, dass die EU die Förderung von Solarstrom in der Wüste subventioniert. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angedeutet, dass dies denkbar sei. Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso lobt das Projekt. Wie stehen die Chancen für Fördergelder?

Lacher : Eher schlecht. Zwar hat die EU ein strategisches Interesse daran, Energie aus möglichst vielen Quellen zu gewinnen. Die Förderung von Solarstrom dürfte sie allerdings zunächst in Europa erhöhen. In Südspanien und vor allem in Griechenland liegen noch viele Kapazitäten brach. Es liegt nahe, dass die EU erstmal die eigenen Sonnenäcker bestellt.

STROM AUS DER WÜSTE

Sonnenkraft

Die Energie der Sonne bietet ein riesiges Potential: Pro Jahr gehen 630.000 Terawattstunden an ungenutzter Sonnenstrahlen-Energie auf die Wüsten in Nahost und Nordafrika nieder. Zum Vergleich: Ganz Europa verbraucht pro Jahr etwa 4000 Terawattstunden.

Desertec-Konzept

Solarthermie

Versorgungssicherheit

Leitungsnetz

Kosten

Vorteile

Nachteile

Das Interview führte Stefan Schultz

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