Wirtschaft



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25.06.2009
 

Rezession

Pleitewelle bedroht eine halbe Million Arbeitsplätze

Insolvenzverwalter und Kreditexperten schlagen Alarm: Nach dem Kreditversicherer Euler Hermes warnen auch die Experten von Creditreform vor einer Kreditklemme. In der Folge der zwangsläufigen Pleitewelle könnten mehr als eine halbe Million Arbeitsplätze verloren gehen.

Düsseldorf - Hunderttausende Beschäftigte müssen in diesem Jahr um ihren Arbeitsplatz bangen. Angesichts der zunehmenden Firmenpleiten seien allein in diesem Jahr 540.000 Jobs gefährdet, schätzt Creditreform. Bislang war die Wirtschaftsauskunftei noch von 510.000 bedrohten Stellen ausgegangen.

Pleite-Konzern Qimonda: Große und kleine Unternehmen betroffenZur Großansicht
dpa

Pleite-Konzern Qimonda: Große und kleine Unternehmen betroffen

"Die schwere Wirtschaftskrise zieht immer mehr deutschen Unternehmen den Boden unter den Füßen weg", sagte Creditrefom-Vorstand Helmut Rödl am Donnerstag in Düsseldorf. "Falls die Konjunktur bis zum Herbst nicht anspringt, ist eine Entlassungswelle zu befürchten."

Die ersten Ausläufer seien bereits im ersten Halbjahr 2009 sichtbar geworden: 16.650 Firmen mussten bis heute einen Insolvenzantrag stellen - und damit gut 14 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Noch stärker nahm die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze zu: Mit 254.000 Stellen standen fast 55 Prozent mehr Stellen auf der Kippe als im ersten Halbjahr 2008. Dabei treffe es nicht nur Konzerne wie Arcandor und Qimonda, sondern auch viele Mittelständler.

Am Mittwoch hatte bereits die Kreditversicherung Euler Hermes vor einer dramatisch steigenden Zahl von Firmenpleiten gewarnt: Laut einer von dem Versicherer erhobenen Umfrage erwarten zwei von drei Insolvenzverwaltern, dass 2009 mehr Firmen in die Pleite rutschen als im bisherigen Rekordjahr 2003. Damals meldeten 39.320 Unternehmen Insolvenz an. Creditreform erwartet für das Gesamtjahr unverändert bis zu 35.000 Pleiten.

Für 2010 gebe es keine Entwarnung, sagte Rödl. Die Pleiten dürften dann um zehn Prozent zunehmen - was knapp unter 40.000 Insolvenzen entspreche.

Die größten Pleiten im ersten Halbjahr 2009

Insolvenzen und betroffene Mitarbeiter

Die größten Firmenpleiten im Deutschland im ersten Halbjahr 2009 nach einer Übersicht der Wirtschaftsauskunftei Creditreform mit der Zahl der betroffenen Mitarbeiter. Die Zahlen können von Unternehmensangaben abweichen. So sprach Arcandor bislang von rund 40.000 betroffenen Beschäftigten.

Arcandor

Woolworth

Qimonda

Wadan-Werften

Schiesser

Märklin

Rosenthal

Adessa

Kampa

Die Gründe für die Zunahme der Pleiten sind laut Creditreform vielfältig: Die Ertragslage der Firmen verschlechtere sich durch die Wirtschaftskrise, die Forderungsausfälle stiegen und die Eigenkapitaldecke vieler Firmen werde dünner, beklagte Rödl. Vor allem der Mittelstand sei betroffen. So leide bereits jeder dritte Mittelständler unter einer zu geringen Eigenkapitalquote. Und je weniger Eigenkapital eine Firma in den Büchern habe, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit einer Pleite.

Kritik übten die Wirtschaftsexperten zudem an den Banken: Für Firmen werde es immer schwerer, sich Kredite zu beschaffen. Trotz der deutlichen Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) hätten sich die Finanzierungsbedingungen nicht verbessert, sagte Rödl. Inzwischen beklage ein Sechstel der Unternehmen eine Kreditklemme - und damit doppelt so viele wie im Vorjahr.

yes/Reuters

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