Düsseldorf - Hunderttausende Beschäftigte müssen in diesem Jahr um ihren Arbeitsplatz bangen. Angesichts der zunehmenden Firmenpleiten seien allein in diesem Jahr 540.000 Jobs gefährdet, schätzt Creditreform. Bislang war die Wirtschaftsauskunftei noch von 510.000 bedrohten Stellen ausgegangen.
"Die schwere Wirtschaftskrise zieht immer mehr deutschen Unternehmen den Boden unter den Füßen weg", sagte Creditrefom-Vorstand Helmut Rödl am Donnerstag in Düsseldorf. "Falls die Konjunktur bis zum Herbst nicht anspringt, ist eine Entlassungswelle zu befürchten."
Die ersten Ausläufer seien bereits im ersten Halbjahr 2009 sichtbar geworden: 16.650 Firmen mussten bis heute einen Insolvenzantrag stellen - und damit gut 14 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Noch stärker nahm die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze zu: Mit 254.000 Stellen standen fast 55 Prozent mehr Stellen auf der Kippe als im ersten Halbjahr 2008. Dabei treffe es nicht nur Konzerne wie Arcandor und Qimonda, sondern auch viele Mittelständler.
Am Mittwoch hatte bereits die Kreditversicherung Euler Hermes vor einer dramatisch steigenden Zahl von Firmenpleiten gewarnt: Laut einer von dem Versicherer erhobenen Umfrage erwarten zwei von drei Insolvenzverwaltern, dass 2009 mehr Firmen in die Pleite rutschen als im bisherigen Rekordjahr 2003. Damals meldeten 39.320 Unternehmen Insolvenz an. Creditreform erwartet für das Gesamtjahr unverändert bis zu 35.000 Pleiten.
Für 2010 gebe es keine Entwarnung, sagte Rödl. Die Pleiten dürften dann um zehn Prozent zunehmen - was knapp unter 40.000 Insolvenzen entspreche.
Kritik übten die Wirtschaftsexperten zudem an den Banken: Für Firmen werde es immer schwerer, sich Kredite zu beschaffen. Trotz der deutlichen Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) hätten sich die Finanzierungsbedingungen nicht verbessert, sagte Rödl. Inzwischen beklage ein Sechstel der Unternehmen eine Kreditklemme - und damit doppelt so viele wie im Vorjahr.
yes/Reuters
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