Ein Kommentar von Friedbert Pflüger
Es ist ein fast unglaublicher Plan: Eine Gruppe von 20 Konzernen will sich im Juli zu einem Konsortium unter dem Namen Desertec zusammenschließen. Das Ziel: 400 Milliarden Euro in Solarkraftwerke in Nordafrika investieren, um damit 15 Prozent der Stromversorgung Europas zu decken.
Das Projekt ist die größte private Ökostrom-Initiative aller Zeiten und wertet die Solarenergie endlich auf. Das Vorhaben ist angesichts der steigenden Kosten für fossile Energieträger ökonomisch sinnvoll und angesichts des Klimawandels ökologisch geboten. Endlich haben zumindest zwei der Energieriesen in Deutschland (E.on und RWE) offenbar die enormen Potentiale der erneuerbaren Energien erkannt und steigen richtig ein.
Aber Desertec ist auch außen- und sicherheitspolitisch eine enorme Chance: Das Projekt bindet das instabile Nordafrika an Europa, es schafft dort Arbeitsplätze und Wohlstand. In diesem Sinne ist Desertec auch eine Art Anti-Terror-Programm.
Perspektivlosigkeit und Minderwertigkeitsgefühl vieler Menschen in Nordafrika - idealer Nährboden bei der Terrorrekrutierung - könnten sich durch die neue Zukunftschance verflüchtigen. Desertec kann europäische Nachbarschaftspolitik im besten Sinne des Wortes werden.
Das Projekt darf allerdings nicht als Form von Solarimperialismus für die nordafrikanischen Länder daherkommen. Diese Länder sind bisher in den notwendigen Dialog nicht oder nur sehr unzureichend eingebunden. Desertec ist nur dann eine Chance, wenn es von Beginn an politisch und diplomatisch flankiert wird. Nicht wir in Europa entscheiden darüber, ob die Wüste für Energiegewinnung genutzt wird, sondern souveräne Staaten in Nordafrika.
Das Vorhaben vermindert die einseitige Abhängigkeit von Öl und Gas. Den Lieferanten der fossilen Energien wird es erschwert, Preise zu diktieren oder ihre Ressourcen zur politischen Erpressung bei der Durchsetzung ihrer Interessen zu benutzen. Die Diversifizierung unserer Energieversorgung bringt uns in jedem Fall mehr Versorgungssicherheit.
In Nordafrika sind derzeit mehrere Atomkraftwerke geplant. Allein Ägypten will fünf davon bauen. Mit der Nutzung der Wüsten durch Solarthermie, Photovoltaik und durch die gewaltigen Windkraftpotentiale am Roten Meer oder in Marokko wird es möglich werden, den regionalen Bedarf ohne Kernkraft zu decken und so die Proliferation von Nukleartechnologie zu erschweren.
Terroristen wird außerdem die Option genommen, gegen atomare Anlagen Anschläge mit grauenhaften Folgen zu unternehmen. Es verwundert, wenn Vattenfall-Chef Josefsson das Projekt Desertec aufgrund möglicher Terroranschläge gegen Solaranlagen in Nordafrika ablehnt, aber die weitaus größeren Gefahren durch die geplanten Nuklearanlagen nicht thematisiert.
Entstehen neue Abhängigkeiten?
Wenn die Golfstaaten dazu bewegt werden könnten, sich an Desertec oder ähnlichen Projekten mit großflächiger regenerativer Energieerzeugung zu beteiligen, könnten auch diese Länder eine sichere Zukunft jenseits ihrer Gas- und Ölvorkommen haben. Auch Russland sollte für das Projekt gewonnen werden. Es kann neben der Ausbeutung seiner Öl- und Gasvorkommen seine Rubel gewinnträchtig und zukunftsfähig in erneuerbarer Energie anlegen. Es entstünde eine im wahrsten Sinne des Wortes vernetzte Sicherheit.
Aber schaffen wir nicht neue Abhängigkeiten? Was, wenn die Staaten Nordafrikas ihre neue Stellung nun ihrerseits zur Erpressung nutzen?
Diese Gefahr besteht, kann aber vermindert werden. Das neue "super-grid" - also die Stromleitungen durch das Mittelmeer - darf nicht nur über eine Verbindung nach Europa geführt werden, vielmehr bedarf es verschiedener Wege: über Ägypten, Jordanien (Israel?), Syrien und die Türkei, durch das Mittelmeer von Tunesien nach Italien und schließlich von Marokko nach Spanien. So hat man schon auf dem Weg große Stromabnehmer, kann aber umgekehrt auch dezentrale Energieerzeugung einspeisen, damit also zur Diversifizierung und Energiesicherheit beitragen. Schließlich will niemand in dem sich gerade bildenden Konsortium eine völlige Abhängigkeit vom Wüstenstrom.
Mittelfristig ohne Kernkraft
Die deutsche Wirtschaft - von Münchener Rück über RWE, E.on, Siemens bis zur Deutschen Bank - hat endlich die Weichen für die Zukunft gestellt. Der Vorwurf, die großen Energieversorger und die Industrie im ganzen würden die erneuerbaren Energien nur als Alibi fördern, um ansonsten "business as usual" zu betreiben, wird durch das Wüstenprojekt widerlegt.
Der Weg bis dahin ist noch weit. Ohne eindeutige Unterstützung aus der Politik - Bundesregierung, Regierungen der beteiligten Länder, EU - wird es nicht gehen. Aber es wäre ein wunderbares Projekt für die kommenden Jahre.
Vielleicht kann man über Desertec auch zu einem neuen Energiekonsens kommen: Man verlängert maßvoll die Laufzeiten der sicheren deutschen Kernkraftwerke und finanziert mit der Hälfte der Gewinne die Zukunft der regenerativen Energien - zentral und dezentral; ohne neue ideologische Hürden. Auch die Kernkraftskeptiker müssten damit einverstanden sein: Denn hier wird ein Weg gezeichnet, der es großen Teilen der Welt ermöglicht, den zukünftigen Energiebedarf mittelfristig ohne Kernkraft zu bauen.
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SIE wünschen sich das eher für Elektriker... (;>))) Dass E-Techniker mehr als Sie verstehen, daran zweifeln wenige. Und besonders viedl verstehen die Techniker, die an der Entwicklung und Steuerung von Zukunftslösungen [...] mehr...
Sehen Sie, mir genügt es wenn ich meine Wäsche waschen kann wenn ich es für angebracht erachte. Mir graust dabei vor den "intelligenten" Objekten (oder Subjekten?) die diese logistische Aufgabe dann selbstständig [...] mehr...
Es tut mir leid, ich kann Ihnen nicht weiterhelfen. Sie können sich also geregelte Systeme nicht vorstellen. Sie brauchen immer eine Zentrale (möglichst in einem Atommeiler), von der sie aus alles zentral steuern können. Ein [...] mehr...
Doch, und am längeren Hebel sitzt der, der den Regelkreis steuert - also das EVU! Freuen Sie sich schon, wenn ihr Verbrauch per "smart grid" ferngesteuert wird; das wird dann so richtig billig.... mehr...
Ist es möglich, dass Sie noch nie etwas von geregelten Systemen gehört haben und nur den Notschalter in Ihrem Schrottmeiler bedienen können? Oder stellen Sie sich nur so begriffsstutzig? mehr...
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