Samstag, 21. November 2009

Wirtschaft



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28.06.2009
 

Schmiergeld-Affäre

Griechischer Siemens-Manager soll Licht ins Dunkel bringen

Der in München festsitzende Chef des Athener Siemens-Ablegers will mit den Behörden kooperieren, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Damit will er eine drohende Auslieferung verhindern.

München - Am Donnerstag wurde Michael Christoforakis in München festgenommen und harrt nun seiner Auslieferung nach Griechenland. Doch der Chef des griechischen Firmenablegers Siemens-Hellas ist auch deutscher Staatsbürger, und darin liegt für ihn die Chance, sich den deutschen Behörden zu stellen, die ihm möglicherweise mehr entgegenkommen als die griechische Polizei. Wie die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") berichtet, soll Christoforakis noch in dieser Woche von der Münchner Staatsanwaltschaft vernommen werden.

Siemens-Zentrale in München: Korruptions-Affäre ungeahnten Ausmaßes
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ddp

Siemens-Zentrale in München: Korruptions-Affäre ungeahnten Ausmaßes

Er könne den Ermittlern wertvolle Hinweise darüber liefern, welche ehemaligen Siemens-Vorstände und welche Politiker in Athen in den Schmiergeldskandal verwickelt sind, schreibt das Blatt. "Christoforakis ist bereit, sich einem Verfahren in München zu stellen", sagt sein Münchner Anwalt Stefan Kursawe. "Da wird er kooperieren."

Die griechische Justiz wirft Christoforakos Korruption und Geldwäsche vor und hat die Auslieferung des Managers beantragt. Der 56-Jährige soll Mitarbeiter der griechischen Telefongesellschaft O.T.E. bestochen haben. Er und ein anderer griechischer Ex-Manager von Siemens, nach dem weiter gefahndet wird, hatten sich nach Deutschland abgesetzt. Das Verschwinden der beiden Männer hatte in Griechenland für großes Aufsehen gesorgt. Dort droht Christoforakis eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Für die deutschen Ermittler geht es darum, das ganze Ausmaß der Schmiergeld-Affäre zu enthüllen. Allein zwischen 2000 und 2006 soll Siemens fast 70 Millionen Euro an Geschäftspartner und Amtsträger in mehr als 60 Ländern verschoben haben, um die technologisch ins Hintertreffen geratene Kommunikationssparte mit Aufträgen zu versorgen. Um das System der schwarzen Kassen bei Siemens-Hellas aufzudecken, wäre eine umfangreiche Aussage Christoforakis' elementar.

Die Anwälte, die den Siemens-Manager in München vertreten, sehen laut "SZ" einen Ausweg. Ihr Mandant soll der Staatsanwaltschaft erzählen, was er über die Korruption weiß, dann könnte der Grieche in Deutschland vor Gericht kommen. In seiner Heimat dürfte er für dieselben Delikte nicht noch einmal bestraft werden.

Dem Zeitungsbericht zufolge soll Christoforakis bei zwei Münchner Notaren CDs mit Informationen über die Schmiergeldzahlungen in Athen hinterlegt haben. In den Daten soll akribisch notiert sein, wer bei Siemens und in Griechenland in den Skandal verwickelt ist. Nach Erkenntnissen der Ermittler hat der Konzern sowohl O.T.E-Direktoren als auch Politiker bestochen, um für Großaufträge von der Telefongesellschaft, der Armee und der Regierung zu bekommen.

Scheitern könnte der Plan der Anwälte durch die Verlockung, mit der griechischen Justiz einen Austausch vorzunehmen. In Griechenland hält sich nämlich ein ehemaliger Siemens-Vorstand auf, der, so spekulieren laut "SZ" griechische Medien, gegen Christoforakis nach Deutschland ausgeliefert werden könne. Gegen den Mann wurde wegen Korruptionsverdacht Anfang Juni ein Ausreiseverbot verhängt. Der Münchner weist aber alle Vorwürfe zurück.

Christoforakis' Anwalt Kursawe sprach sich strikt gegen ein solches Tauschgeschäft der Strafverfolger aus: "Das wäre rechtsstaatlich nicht in Ordnung. Es geht hier ja nicht um Geheimagenten, die ausgetauscht werden sollen", sagte Kursawe der "SZ". Auch der Anwalt des Deutschen, Wassilis Karkazis, mahnte: "Es sollte in der Europäischen Union möglich sein, diese Probleme anders zu lösen als durch einen Austausch von Beschuldigten."

bor

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