Montag, 23. November 2009

Wirtschaft



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01.07.2009
 

Ungebremster Auftragseinbruch

Maschinenbau verliert Hoffnung auf schnellen Krisenstopp

Die deutsche Industrie ersehnt sich ein Ende des Abschwungs, doch danach sieht es keineswegs aus. Der Auftragseingang bei den Maschinenbauern brach im Mai um 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein - der Branchenverband warnt: "Bei den Auswirkungen der Krise haben wir das Schlimmste wohl noch nicht gesehen."

Siemens-Werk in Görlitz: Branche ist am stärksten von Krise betroffen
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AP

Siemens-Werk in Görlitz: Branche ist am stärksten von Krise betroffen

Frankfurt am Main - Die Zahlen suggerieren eine leichte Erholung gegenüber dem Jahresanfang - doch Grund für Optimismus geben sie nicht. Die Auftragseingänge bei den deutschen Maschinenbauern sind im Mai um 48 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau zurückgegangen. Das teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Mittwoch mit.

Verfrühte Hoffnungen

Die Minusrate liegt zwar deutlich unter der vom April, als 58 Prozent verzeichnet wurden. VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers führte dies aber allein auf den Basiseffekt aus dem Vorjahr zurück, als der Mai schlechter lief als der April. Im Mai vor einem Jahr waren die Bestellungen nach fünf Boomjahren erstmals merklich zurückgegangen. Seitdem geht es im deutschen Maschinenbau kontinuierlich bergab, vor allem seit die Auftragsbestände aus der guten Zeit aufgebraucht sind. Selbst in dem von Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatszeitraum März bis Mai fielen die Bestellungen um 47 Prozent.

Auf der Hannover Messe im Frühjahr hatte der Verband noch die Hoffnung geweckt, dass sich die Lage ab Mai bessern würde - doch tatsächlich habe die positive Stimmung mit wieder anziehenden Geschäftserwartungen im Auftragseingang des Maschinenbaus noch keinen Widerhall gefunden, sagte Wiechers. Es war wieder einmal das Auslandsgeschäft, das mit 51 Prozent besonders stark nachgab. Bei inländischen Bestellungen waren es 42 Prozent.

Die Maschinenbauer sehen in der zögerlichen Kreditvergabe durch die Banken die Hauptursache für die seit einem Jahr anhaltende Auftragsflaute. "Der Maschinenbau hängt am Boden wie ein Flugzeug ohne Sprit", sagte der VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse. Es könne nicht angehen, dass die Staaten die Märkte mit Geld fluteten, und die Banken bunkerten die Liquidität. "Man muss die Banken zwingen, das Geld rauszugeben." Und: "Bei den Banken sind die Kunden keine Könige." Sie wollten ständig neue Sicherheiten für Darlehen, die Unternehmen hechelten den Anforderungen hinterher. Das milliardenschwere Kreditprogramm der staatlichen Förderbank KfW sei keine wirkliche Alternative: "Die KfW ist personell unterbesetzt. Es dauert zu lange, bis ein Antrag durchgeht."

Dramatische Folgen für den Arbeitsmarkt

"Ich hoffe immer noch, dass sich die Lage Mitte des Jahres entspannt", sagte Hesse. Der Bedarf für neue Maschinen sei vorhanden, die Lager leer, und die Frühindikatoren hellten sich laufend auf. "Der Knoten muss irgendwann platzen." Man höre von vielen Verhandlungen, "aber es schlägt sich noch nicht im Auftragseingang nieder". Erst im kommenden Jahr sieht er die Branche wieder im Aufwärtstrend, aber "bis wir das Niveau von 2008 wieder erreichen werden, wird es noch einige Zeit dauern".

Der Verbandsgeschäftsführer warnte vor Folgen für den Arbeitsmarkt. Nach letztem Stand seien 158.000 der knapp eine Million Beschäftigten in Kurzarbeit, doch so werde das Problem bald nicht mehr aufzufangen sein: "Irgendwann geht den Unternehmen das Geld aus." Von Entlassungen hätten die meist familiengeführten Maschinenbauer weitgehend abgesehen, aber "betriebswirtschaftlich ist das schon heute kaum mehr zu rechtfertigen". Nach Hesses Schätzung wird sich die Beschäftigungslage in den kommenden Monaten zuspitzen: "Wenn die Produktion im laufenden Jahr zwischen 15 und 20 Prozent schrumpft, gehen zwischen 50.000 und 60.000 Arbeitsplätze verloren." Einen Rückgang um 15 Prozent oder mehr halte er mittlerweile für die wahrscheinlichste Variante. Schlimmer als 20 Prozent werde es allerdings nicht. "Wenn wir von den Auswirkungen der Krise reden, haben wir das Schlimmste wohl noch nicht gesehen."

Auch Verbandspräsident Manfred Wittenstein hatte jüngst vor weiteren schweren Monaten gewarnt. Er sieht die Produktion im laufenden Jahr um bis zu ein Fünftel schrumpfen. Der Maschinenbau ist mit am stärksten von der Wirtschaftskrise betroffen, unter anderem liefert sie in hohem Maße den angeschlagenen Autoherstellern zu.

sam/Reuters/dpa-AFX

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