Berlin - Die gesetzlichen Krankenkassen haben seit Einführung des Gesundheitsfonds ihre Werbeausgaben drastisch gesteigert. Das geht aus Zahlen des Marktforschungsinstituts TMC Thomson Media Control hervor, die die "Berliner Zeitung" jetzt veröffentlicht hat.
Versichertenkarte: Teures Marketing in der Krise
Den Vorwurf, mitten in der Krise teure Kampagnen zu starten, wiesen die Krankenkassen zurück. "Wir haben unsere Werbeaktivitäten auf den Jahresanfang fokussiert", sagte Thorsten Jakob, Sprecher der Barmer Ersatzkasse. "Die Ausgaben für das Gesamtjahr bleiben im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Dem Ausgabenschub im ersten Halbjahr begründete er damit, dass es nötig sei, sich unter den Bedingungen des Gesundheitsfonds als leistungsstarke Krankenkasse zu positionieren.
Die KKH-Allianz rechtfertigte den massiven Ausgabenanstieg zudem mit der Einführung eines neuen Unternehmensnamens. Eine Sprecherin sagte zudem, dass die Mehrkosten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von einem privaten Krankenversicherer getragen würden, mit dem die KKH-Allianz kooperiere. Die Marketing-Ausgaben der Betriebs- und Innungskrankenkassen waren im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rückläufig. Die Betriebskrankenkassen lancieren derzeit aber gerade eine Imagekampagne.
Leisten können sich die Krankenkassen die teure Werbung ohnehin. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat am Donnerstag Befürchtungen zurückgewiesen, dass die Beiträge für Versicherte bald erhöht werden könnten. Nach neuesten Zahlen hätten die Kassen im Jahr 2008 einen Überschuss von 1,4 Milliarden Euro erzielt, sagte Schmidt der "Passauer Neuen Presse". Damit haben sie fast doppelt so viel eingenommen wie noch im März angenommen. Damals waren sie davon ausgegangen, der Überschuss aus dem Jahr 2008 würde 760 Millionen Euro betragen.
Die Kassen verfügten über "einen gut gefüllten Sparstrumpf", sagte Schmidt. In diesem Jahr würden krisenbedingte Beitragsausfälle zudem durch ein Bundesdarlehen abgedeckt, welches wahrscheinlich erst Ende 2011 zurückzuzahlen ist.
ssu/AFP/ddp/dpa
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