Von Benjamin Bidder
Hamburg - Bleiern liegt die Krise auf der deutschen Wirtschaft. Der Maschinenbau meldet einen erneuten Einbruch der Auftragszahlen, und aller Voraussicht nach wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um sechs Prozent sinken. Nur der Autoabsatz im Inland brummt. Ein Plus von 40,5 Prozent bei den Pkw-Neuzulassungen im Vergleich zum Juni des Vorjahres vermeldet der Verband der Automobilindustrie (VDA) triumphierend.
Volkswagen, Ford, ja sogar Krisenfall Opel profitieren mit Zuwachsraten von rund 30 Prozent oder mehr. Premium-Marken wie Daimler
oder BMW
müssen zwar im ersten Halbjahr 2009 Verluste von 15,9 bzw. 8,8 Prozent hinnehmen, tragen aber dennoch öffentlich Selbstvertrauen zur Schau. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte der "Welt", er peile schon wieder höhere Absatzzahlen an: "Nach derzeitigem Stand werden wir im Gesamtjahr keine negativen Überraschungen mehr erleben, sondern vielleicht die Chance haben, uns positiv zu entwickeln." Die Talsohle sei erreicht, deshalb solle die Kurzarbeit wieder reduziert werden.
Konkurrent BMW kündigt derweil an, in seinem Werk in Leipzig die Produktion auszuweiten. Der Grund sei die Markteinführung des neuen Geländewagens X1, berichtet die "Leipziger Volkszeitung".
Automobil-Experten sehen die Situation der Branche ungleich düsterer. Jürgen Pieper, Analyst des Bankhauses Metzler, attestiert den Autoriesen einen gewissen Hang, ihre Situation zu positiv darzustellen. "Das Bild ist derzeit stark verzerrt durch die Abwrackprämie, deren Effekt sogar noch verstärkt wird durch Anreize der Hersteller. Inzwischen werden teilweise Gesamtrabatte von 50 Prozent gewährt", erklärt Pieper.
Wie sehr die Branche von Abschlägen und der staatlichen Verschrottungszulage getrieben wird, zeigt ein genauer Blick in die Zulassungsstatistik. Die enormen Juni-Zuwächse entfallen sämtlich auf Klein- und Kleinstwagen. So weist das Kraftfahrt-Bundesamt für das "Mini-Segment" einen Zuwachs von 124 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus, bei den Kleinwagen sind es 79 Prozent. Noch im Plus liegen auch Kompaktwagen mit 29 Prozent. Dagegen verlieren Oberklasse- und Sportwagen 24 und 30 Prozent.
Was aber, wenn die Abwrackprämie ausläuft? Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen fürchtet einen sogenannten "Nachhall-Effekt" nach dem Abwrackfieber im kommenden Jahr. Der Autoabsatz werde dramatisch einbrechen, weil er in diesem Jahr nur künstlich gestützt worden sei.
Allein in Deutschland könnten 10 bis 15 Prozent der Arbeitsplätze bei Herstellern und Zulieferern wegfallen, fürchtet Stefan Bratzel von der FH Bergisch-Gladbach: "In Deutschland ist eine dringend notwendige Marktbereinigung hinausgezögert worden."
"Danach wird ein tiefes Loch kommen, das ist ziemlich klar", sagt auch Pieper. Fraglich sei aber, ob nach dem Auslaufen der Abwrackprämie die Hersteller die Preise anheben - oder die Kunden mit neuen Preisnachlässen locken. "Das Problem ist, dass man mit Rabatten die Marktpreise kaputt macht. Die Kunden gewöhnen sich daran - das ist wie bei einem Junkie auf Drogen", sagt der Bankanalyst. Nötig sei deshalb eine Art Entzug, eine Rückkehr auf das normale Preisniveau, auch wenn dann für einige Monate der Autoabsatz drastisch schrumpfen werde. Die Chancen dafür stehen jedoch schlecht: Die Konzerne lechzen in der Krise nach Liquidität, sie brauchen die Erlöse aus den Autoverkäufen. "Es gibt daher einen Hang, Rabatte zu gestatten", weiß Pieper.
"Die größten Probleme werden jene Hersteller bekommen, die stark auf Kreditfinanzierung gesetzt haben und jetzt keine Nettoliquidität haben", sagt auch Guido Reinking, Chefredakteur der "Automobilwoche". Unternehmen wie Fiat
und Opel hätten keine größeren Reserven und seien von der Krise überrascht worden.
Zudem kämpft die gesamte Branche mit massiven Überkapazitäten.
Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft AlixPartners, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, betrug die Auslastung branchenweit schon vor dem Konjunktureinbruch nur 80 Prozent. "Das Problem hat sich sogar noch weiter aufgebaut", mahnt Marc-René Tonn, Autoanalyst der Bank M. M. Warburg. Außer bei den schwer angeknockten US-Herstellern wie General Motors (GM)
und Chrysler habe es allerdings bislang noch keine strukturellen Kapazitätsanpassungen gegeben.
Doch kaum ein Autohersteller wagt, über Werksschließungen und Entlassungen zu sprechen. "Das ist ein ganz heißes Eisen", sagt Analyst Pieper. "Selbst bei Opel schafft man es ja nicht, eine überfällige Werksschließung vorzunehmen."
So werden die strukturellen Probleme der Autobranche verschleppt. Eine Konsolidierung wird kommen müssen, fraglich ist allein der Zeitpunkt. Dabei werden die Einschnitte umso schmerzhafter, je später sie erfolgen.
Volkswirtschaftlich wäre es deshalb am besten gewesen, die Abwrackprämie nicht zu verlängern und nicht auf sechs Milliarden Euro aufzustocken, glaubt Analyst Pieper: "Das war Wahnsinn. Hätte die Politik das nicht gemacht, dann hätten wir den Einbruch allerdings schon jetzt gehabt - kurz vor der Wahl."
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Nennt man osoleszens und ist ganz eindeutig in vielen Produkten bewußt einkalkuliert. Bei Druckern und den Patronen kann das jeder einfach selbst erkennen, auch wenn die Hersteller mitlerweile dazu übergegangen sind mehr Geld [...] mehr...
Absturz WEGEN Abwrackprämie. Wäre das nicht die richtige Titulierung der Misere. mehr...
In Europa würde der dann so viel kosten, dass der "Deutsche Michel" vorneweg und einige Andere hinterher die Subventionen für den US-Markterfolg zu bezahlen hätten! Darüberhinaus müsste der Billigpassat mit Autos wie [...] mehr...
Na, aber das war doch klar! Ein Großteil der Bürger hat sichnun mit sogenannten Neuwagen eingedeckt und dann geht das Geschäft natürlich zurück. Überdies, die Gier der Deutschen ist dumm und grenzenlos. In anderen europäischen [...] mehr...
nach meiner Erfahrung werden die Händis extra so produziert, daß sie nach einiger Zeit den Geist aufgeben und man ein neues braucht. *Die Wirtschaft will solche Leute wie uns nicht. *Ich hatte seit 1999 ein formschönes C37 (so [...] mehr...
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