Von Stefan Schultz
Hamburg - Das Unternehmen Yello Strom, eine hundertprozentige Tochter des Energiekonzerns EnBW
, will seine Stromzähler künftig Twitter-fähig machen. Die Messgeräte könnten dann den Verbrauch einzelner Kunden im Minutentakt im Internet veröffentlichen.
Sparzähler von Yello Strom: Kundenservice auf allen Kanälen
"Wir haben erste twitternde Prototypen entwickelt und erfolgreich getestet", sagte Yello-Strom-Chef Martin Vesper SPIEGEL ONLINE. Was letztlich dazu führt, dass der Zähler eine Nachricht twittert, steht noch zur Diskussion. Vieles sei aber denkbar. So könnten beispielsweise unregelmäßig hohe Ausschläge beim Verbrauch einen Tweet an den Kunden auslösen. Oder der Zähler zwitschert einmal täglich eine Zusammenfassung der Kosten.
Langfristig sollen Kunden sogar nicht nur Nachrichten von zwitschernden Zählern empfangen, sondern auch welche an ihn senden können. "Das Internet ermöglicht Kommunikation in beide Richtungen. Wir experimentieren derzeit damit, dass der Kunde via Sparzähler bestimmten Haushaltsgeräten von unterwegs Befehle erteilen kann - beispielsweise über Twitter." Technisch stünden zwischen dieser Vision und der Wirklichkeit allerdings noch einige Hürden.
Die Grundidee, Energieversorgung und Internet stärker aneinander zu koppeln, ist nicht neu. Vor allem im Südwesten der USA gelten sogenannte schlaue Stromnetze als große Zukunftsmärkte. Das Netz der nächsten Generation soll eine gewaltige Kommunikationsplattform werden. Investoren überschütten entsprechende Start-up-Unternehmen selbst mitten in der Krise mit Risikokapital. Verbraucher sollen mit Hilfe der neuen Technologien ihren Energiebedarf selbst kontrollieren können - präzise und im Minutentakt.
Der Suchmaschinenriese Google betreibt seit einiger Zeit eine Software, die dies ermöglicht: das Google PowerMeter. Nutzer können das Gadget auf ihrer persönlichen iGoogle-Homepage installieren und ihren Energieverbrauch so neben Wetter- und Fußballergebnissen abrufen. Der Gedanke ist, dass man den eigenen Energiekonsum messen können muss, um effizienter zu werden. Google will in umfangreichen Tests festgestellt haben, dass man den Energieverbrauch schon mit einfachen Verhaltensänderungen um durchschnittlich 15 Prozent senken kann.
Die Realität sieht derzeit noch anders aus. Die meisten Energiekonzerne bieten ihren Kunden überhaupt keine Übersicht über den eigenen Verbrauch. Sie schicken einmal jährlich eine Abschlagsrechnung - mehr nicht.
Yello Strom ist da weiter. Als eines der ersten europäischen Unternehmen vertreibt es einen eigenen schlauen Stromzähler, der fähig ist, im Minutentakt über den Verbrauch zu informieren. Ende Juni gab das Unternehmen bekannt, künftig Googles PowerMeter einzusetzen.
Dass Kunden sich den Verbrauch nun auch bald auf Twitter anzeigen lassen können, sieht Vesper als zusätzlichen Kundenservice. "Unser Ziel ist es, die Kunden über möglichst viele Kanäle zu informieren. Die Übermittlung des Stromverbrauchs dient dazu, das Thema Energieeffizienz stärker in der Alltag der Kunden einzugliedern", werbetextet er.
Tatsächlich dürften hinter der Internet-Initiative auch geschäftliche Interessen stecken: Denn anders als in den USA, wo der Staat für die Verbreitung Internet-fähiger Stromzähler zahlt, verkauft Yello Strom die eigenen Messgeräte selbst. Kunden haben zudem die Möglichkeit, die Zähler, gekoppelt an bestimmte Tarife, für einige Euro im Monat zu mieten.
Bislang stößt dieses Geschäftsmodell noch auf recht verhaltene Resonanz. Seit Dezember 2008 bietet Yello Strom seine Sparzähler, inzwischen verkauft das Unternehmen nach eigenen Angaben zwischen 100 und 200 Messgeräte pro Tag.
Tatsächlich gibt es noch eine günstigere Variante, den eigenen Stromzähler zum Twittern zu bringen. Diese erfordert allerdings etwas Bastelei - eine Bauanleitung (die allerdings von der Redaktion noch nicht getestet worden ist) findet sich im Netz.
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