Wirtschaft



ThemaSmart GridRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
06.07.2009
 

Twitter-Technik

EnBW lässt Stromzähler zwitschern

Von Stefan Schultz

Ungewöhnliche Vertriebsoffensive: Der Versorger EnBW will seine Stromzähler künftig twittern lassen. Kunden sollen so genau über den eigenen Verbrauch informiert werden - und damit Energie sparen.

Hamburg - Das Unternehmen Yello Strom, eine hundertprozentige Tochter des Energiekonzerns EnBW Chart zeigen, will seine Stromzähler künftig Twitter-fähig machen. Die Messgeräte könnten dann den Verbrauch einzelner Kunden im Minutentakt im Internet veröffentlichen.

Sparzähler von Yello Strom: Kundenservice auf allen Kanälen

Sparzähler von Yello Strom: Kundenservice auf allen Kanälen

"Wir haben erste twitternde Prototypen entwickelt und erfolgreich getestet", sagte Yello-Strom-Chef Martin Vesper SPIEGEL ONLINE. Was letztlich dazu führt, dass der Zähler eine Nachricht twittert, steht noch zur Diskussion. Vieles sei aber denkbar. So könnten beispielsweise unregelmäßig hohe Ausschläge beim Verbrauch einen Tweet an den Kunden auslösen. Oder der Zähler zwitschert einmal täglich eine Zusammenfassung der Kosten.

Langfristig sollen Kunden sogar nicht nur Nachrichten von zwitschernden Zählern empfangen, sondern auch welche an ihn senden können. "Das Internet ermöglicht Kommunikation in beide Richtungen. Wir experimentieren derzeit damit, dass der Kunde via Sparzähler bestimmten Haushaltsgeräten von unterwegs Befehle erteilen kann - beispielsweise über Twitter." Technisch stünden zwischen dieser Vision und der Wirklichkeit allerdings noch einige Hürden.

Die Grundidee, Energieversorgung und Internet stärker aneinander zu koppeln, ist nicht neu. Vor allem im Südwesten der USA gelten sogenannte schlaue Stromnetze als große Zukunftsmärkte. Das Netz der nächsten Generation soll eine gewaltige Kommunikationsplattform werden. Investoren überschütten entsprechende Start-up-Unternehmen selbst mitten in der Krise mit Risikokapital. Verbraucher sollen mit Hilfe der neuen Technologien ihren Energiebedarf selbst kontrollieren können - präzise und im Minutentakt.

Der Suchmaschinenriese Google betreibt seit einiger Zeit eine Software, die dies ermöglicht: das Google PowerMeter. Nutzer können das Gadget auf ihrer persönlichen iGoogle-Homepage installieren und ihren Energieverbrauch so neben Wetter- und Fußballergebnissen abrufen. Der Gedanke ist, dass man den eigenen Energiekonsum messen können muss, um effizienter zu werden. Google will in umfangreichen Tests festgestellt haben, dass man den Energieverbrauch schon mit einfachen Verhaltensänderungen um durchschnittlich 15 Prozent senken kann.

Twitter

Prinzip

zu Deutsch zwitschern oder schnattern, ermöglicht es, kurze Textnachrichten als Mikroblog per SMS, Instant Messaging oder Web-Oberfläche zu veröffentlichen. Andere Nutzer können diese Meldung beispielsweise mit ihrem Mobiltelefon oder RSS-Reader verfogen. Der Dienst heißt Twitter, die SMS-ähnlichen Nachrichten Tweets. mehr zu Twitter auf der Themenseite

Geschäft

Dienste von SPIEGEL ONLINE

Die Realität sieht derzeit noch anders aus. Die meisten Energiekonzerne bieten ihren Kunden überhaupt keine Übersicht über den eigenen Verbrauch. Sie schicken einmal jährlich eine Abschlagsrechnung - mehr nicht.

Yello Strom ist da weiter. Als eines der ersten europäischen Unternehmen vertreibt es einen eigenen schlauen Stromzähler, der fähig ist, im Minutentakt über den Verbrauch zu informieren. Ende Juni gab das Unternehmen bekannt, künftig Googles PowerMeter einzusetzen.

Dass Kunden sich den Verbrauch nun auch bald auf Twitter anzeigen lassen können, sieht Vesper als zusätzlichen Kundenservice. "Unser Ziel ist es, die Kunden über möglichst viele Kanäle zu informieren. Die Übermittlung des Stromverbrauchs dient dazu, das Thema Energieeffizienz stärker in der Alltag der Kunden einzugliedern", werbetextet er.

Tatsächlich dürften hinter der Internet-Initiative auch geschäftliche Interessen stecken: Denn anders als in den USA, wo der Staat für die Verbreitung Internet-fähiger Stromzähler zahlt, verkauft Yello Strom die eigenen Messgeräte selbst. Kunden haben zudem die Möglichkeit, die Zähler, gekoppelt an bestimmte Tarife, für einige Euro im Monat zu mieten.

Bislang stößt dieses Geschäftsmodell noch auf recht verhaltene Resonanz. Seit Dezember 2008 bietet Yello Strom seine Sparzähler, inzwischen verkauft das Unternehmen nach eigenen Angaben zwischen 100 und 200 Messgeräte pro Tag.

Tatsächlich gibt es noch eine günstigere Variante, den eigenen Stromzähler zum Twittern zu bringen. Diese erfordert allerdings etwas Bastelei - eine Bauanleitung (die allerdings von der Redaktion noch nicht getestet worden ist) findet sich im Netz.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 21 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
16.07.2009 von Teilnehmernamen12151651: Dem Redakteur sollte man mal twittern...

...dass Schleichwerbung auf SpOn fehl am Platz ist. Also ich finde es wirklich aus journalistischer Sicht echt lächerlich, die PM von ENBW auf die Titelseite des SPON Online zu hieven, nur weil der Redakteur (vermutlich) alles [...] mehr...

08.07.2009 von twilight: lobby-arbeit

[QUOTE=guenter k;3993337]Toll! Da hat sich Autor Stefan Schultz mal ganz investigativ verhalten und sich die Pressemappe von Yellow-Strom im Internet runtergeladen [...] mehr...

07.07.2009 von HdGehres: Verbrauchskontrolle

Das ist wie mit der Spritverbrauchsanzeige beim Auto. Man schaut auch nicht ständig darauf und trotzdem bewirkt sie bei den meisten Fahrern ein allmähliches Umdenken. Beim Beobachten des "Stromradars" setzt auch ein [...] mehr...

07.07.2009 von BerndSchirra: Drehscheibenzähler Steinzeit

Ich machs ganz kurz.Wie kontrollieren sie ob ihr Drehscheibenzähler richtig zählt? Warum geben sie ihrem Stromanbieter kostenlos Kredit durch ihren eventuell zuviel bezahlten Abschlag? Glauben sie den Watt Angaben der [...] mehr...

06.07.2009 von Pablo alto: Und, wie geht's weiter?

Jetzt würde es erst interessant: Hat sich Ihr Verbrauchsverhalten geändert? Und der Verbrauch? Sie werden doch wohl kaum stundenlang vor Ihrem "Stromradar"-Schirm sitzen und sich an den Verbrauchskurven ergötzen. Sagen [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles zum Thema Smart Grid

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP