Von Carsten Volkery, London
Auch der Schattenfinanzminister der oppositionellen Konservativen, George Osborne, forderte die Banker zum Verzicht auf. Bonuszahlungen wären ein "großer Fehler", sagte er. Stattdessen sollten alle Banken, auch jene, die nicht im Staatsbesitz sind, ihre Gewinne nutzen, um die Eigenkapitalbasis zu stärken.
Finanzminister Alistair Darling will an diesem Mittwoch seine Vorschläge zur Bankenreform vorstellen. Erwartet werden strengere Kapitalvorschriften für Banken, neue Befugnisse für die Bank von England und die FSA sowie verbindliche Leitlinien für Managergehälter und Bonuszahlungen. Er werde gegen die "Kamikaze-Banker" hart durchgreifen, versprach Darling in einem Gastbeitrag im Boulevardblatt "News of the World".
Doch allzu radikal werden die Regeln wohl nicht ausfallen. Denn längst hat sich die britische Regierung darauf verlegt, ihren Finanzplatz gegen Begehrlichkeiten von auswärts zu schützen. Die City sei ein "unermesslicher Aktivposten" für das ganze Land, hatte Darling vor einigen Wochen den VIP-Gästen beim Jahresempfang des City-Bürgermeisters in den prächtigen Marmorhallen des "Mansion House" geschmeichelt.
Breite Front gegen Brüssel
Das Hauptaugenmerk gilt inzwischen dem Kampf gegen den gemeinsamen Feind in Brüssel. Den leicht erregbaren deutschen Finanzminister hat diese Entwicklung vergangene Woche zu einer seiner berüchtigten Tiraden bewegt. Der Finanzplatz London sei "sehr verdächtig", den Status Quo zu verteidigen, sagte Peer Steinbrück. Er beobachte jedenfalls "größte Zurückhaltung" bei der britischen Regierung, sich auf neue Finanzregeln einzulassen.
Tatsächlich machen seit Monaten die verschiedensten Lobby-Gruppen der City gegen die drohende Regulierung mobil. Die Internationale Vereinigung für Swaps and Derivate etwa warnte davor, das Derivate-Geschäft zu "dämonisieren". Es bleibe ein "nützliches Instrument des Risikomanagements".
Auf der Jahrestagung des Instituts für Wertpapiere und Investment war zu hören, dass hinter den Regulierungsplänen auf internationaler Ebene vor allem Paris und Berlin steckten, die endlich den Finanzplatz London auf ihr Niveau herunterschrumpfen wollten.
Bankenverbandschefin Angela Knight sagte vergangene Woche, London dürfe nicht auf Grund von Vorurteilen Schaden erleiden. Der Bankenverband werde daher in Europa aktiv werden. Es klang wie eine Drohung.
Hedgefonds drohen mit Abwanderung
Mit vereinter Macht stemmt sich das Londoner Establishment auch gegen den Hedgefonds-Richtlinienentwurf der EU-Kommission. Der Entwurf sieht mehr Transparenz und Kontrolle systemrelevanter Fonds vor. Man werde ihn "mit Klauen und Zähnen" bekämpfen, sagte Staatssekretär Myners. Der Entwurf gilt als reines Anti-London-Gesetz, sitzen doch 80 Prozent aller europäischen Hedgefonds in der britischen Hauptstadt.
Große Hedgefonds wie Europas Nummer Eins, Brevan Howards, haben mit dem Umzug nach Hongkong oder Singapur gedroht. Eine Londoner Delegation reiste vergangene Woche nach Washington, um eine angelsächsische Allianz gegen Brüssel zu schmieden. Der Aufstand zeigt bereits Wirkung: Der schwedische Finanzminister, der seit 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft innehat, zeigte sich bereits besorgt über "übereifrige Regulierung".
Es ist eine ganz andere Stimmung als noch vor wenigen Monaten, als niemand wagte, die Reformvorschläge des FSA-Chefs Turner zu kritisieren. Turner und Zentralbank-Gouverneur King warnen nun offen davor, dass die Reformen weniger radikal ausfallen könnten, als es eigentlich nötig wäre. Turner sagte vor kurzem im Parlament: "Es besteht die Gefahr, dass wir die Gelegenheiten dieser Krise nicht nutzen".
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