Ein Kommentar von Armin Mahler
Hamburg - Es klingt zu schön um wahr zu sein: Immer mehr Ökonomen sagen eine baldige Besserung der Wirtschaftslage voraus. Selbst Bundesregierung und Europäische Zentralbank haben sich den optimistischen Prognosen angeschlossen - und reden von Aufschwung und Normalisierung.

Metallarbeiter in einem Warmwalzwerk in Duisburg: die deutsche Wirtschaft könnte zu den Verlierern der Krise gehören
Im Gegenteil: Sehnsüchtig registrieren seither viele Medien, Manager und Politiker jeden angeblichen "Silberstreifen am Horizont". Alles wird gut, lautet ihre frohe Botschaft, das Schlimmste liegt hinter uns.
Das wäre schön - denn dann könnte ja alles so bleiben, wie es ist. Dann könnte die deutsche Wirtschaft am Ende der Krise da weitermachen, wo sie zu deren Beginn stand.
Deutsche Wirtschaft könnte zu den Verlierern zählen
Leider ist dieses Szenario zu schön, um wahr zu sein. Zu tief war der Absturz der deutschen Industrie im Vergleich zum Vorjahr, zu düster sind ihre Zukunftsaussichten. Zwar scheint der freie Fall gestoppt, von April auf Mai gingen wieder mehr Aufträge ein, aber die alten Umsätze werden viele Unternehmen viele Jahre lang nicht mehr erzielen.
Die Weltwirtschaft nach der Krise wird eine andere sein: weniger schuldengetrieben, ausgewogener, aber auch nicht mehr so dynamisch. Die Gewichte zwischen den Volkswirtschaften werden sich verschieben, es wird Gewinner dieser Entwicklung geben - und Verlierer.
Die deutsche Wirtschaft könnte zu den Verlierern zählen. Die aktuelle Krise hat ihre Schwächen schonungslos aufgedeckt: Überkapazitäten, Exportlastigkeit, veraltete Produkte.
Stichwort Überkapazitäten: Die Pumpwirtschaft der vergangenen Jahre, die schließlich in die Finanzkrise führte, heizte auch die Nachfrage für die reale Wirtschaft an, nach Konsumgütern in Amerika, nach Luxusgütern bei den neuen Reichen, nach Maschinen in den aufstrebenden Ländern Asiens. Der Finanz- folgte die Konsumblase.
Stichwort Exportlastigkeit: Nicht nur viele Verbraucher, ganze Volkswirtschaften lebten in der Vergangenheit über ihre Verhältnisse. Kaum ein Land profitierte davon so sehr wie Deutschland. Künftig müssen solche Ungleichgewichte abgebaut werden, wenn Krisen wie die aktuelle vermieden werden sollen. Auch deshalb wird sich die deutsche Wirtschaft nicht so schnell von ihrem Nachfrageschock erholen.
Wo sind die Produkte von morgen?
Stichwort veraltete Produkte: Die deutsche Industrie lebte glänzend davon, ihre Produkte immer besser zu machen, sich ganz auf die Bedürfnisse der Kunden einzustellen. So baut sie die besten Autos der Welt und die besten Maschinen der Welt - für den Kunden von heute.
Aber wo sind die Produkte von morgen? Warum haben Unternehmen wie Daimler und BMW zu wenig auf alternative Antriebe gesetzt? Und wann hat zuletzt eine deutsche Innovation den Durchbruch geschafft?
Jetzt steht die deutsche Wirtschaft vor einer dreifachen Herausforderung: Sie muss Kapazitäten abbauen und gleichzeitig ein neues Geschäftsmodell sowie neue Produkte entwickeln - ausgerechnet in Zeiten, in denen die Gewinne wegbrechen und selbst große Konzerne ums Überleben kämpfen.
Daimler zum Beispiel wird in diesem Jahr wohl einen gewaltigen Verlust erwirtschaften, gleichzeitig muss der Konzern Milliarden ausgeben, um neue, umweltschonendere und damit zukunftsfähigere Modelle zu entwickeln. Ein solcher Spagat kann auch das stärkste Unternehmen überfordern.
Wenn die Entwicklung sich nicht wesentlich bessert, was sehr wahrscheinlich ist, hat Daimler zu viele Arbeiter und zu viele Werke. Noch werden die Probleme durch die Kurzarbeit überdeckt, aber auch die kostet Geld - und macht nur Sinn, wenn die Probleme zeitlich begrenzt sind. Bleibt die Nachfrage, wie sie ist, wird Daimler um einen drastischen Personalabbau nicht herumkommen. Der wiederum kostet Geld, das möglicherweise fehlt, um neue Motoren und Modelle zu entwickeln.
So wie Daimler geht es vielen, und nicht alle werden die Probleme aus eigener Kraft lösen können. Gut möglich, dass sich am Ende einige Hersteller zusammenschließen, vielleicht werden auch manche ganz verschwinden - wenn die Regierung das zulässt.
Staat muss Wandel steuern
Wenn der Staat aber - wie im Fall Opel - immer wieder eingreift, konserviert er Strukturen, die nicht zukunftsfähig sind. So verschiebt die Abwrackprämie die Probleme nur mit Hilfe etlicher Milliarden in die Zukunft. Sobald sie ausläuft, fällt die Branche umso tiefer. Die Rechnung geht nicht auf. Der Staat darf nur dann helfen, wenn er sich dem notwendigen Wandel der Wirtschaft nicht entgegenstellt, sondern ihn steuert. Er sollte die Strukturen nicht konservieren, sondern dazu beitragen, sie sinnvoll zu verändern. So sinnvoll, dass die Welt auch in Zukunft deutsche Produkte kauft, weil sie besser sind als andere.
Weil sie die Probleme der Zukunft, die Energieverschwendung und den Klimawandel, lindern helfen. Wenn der Staat das Geld künftiger Generationen einsetzt, dann für Zukunftsinvestitionen, von denen diese Generationen auch profitieren. Sonst werden sie von der Schuldenlast erdrückt. Die deutsche Wirtschaft steht vor ihrem tiefgreifendsten Wandel seit Jahrzehnten.
"Wir müssen das Automobil neu erfinden", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche. Das ist richtig und untertrieben zugleich: Er muss Daimler neu erfinden, so wie Deutschland seine Industrie neu erfinden muss.
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Keiner ignoriert das. Im Markt stehen sich Menschen mit unterschiedlichen Interessen gegenüber. Der Kunde will möglichst günstig einkaufen und der Verkäufer will möglichst teuer verkaufen. Das ist das Wesen des Marktes. Und hier [...] mehr...
Die derzeitige Krise unterscheidet sich nicht so sehr von der Die Tulpen-Hausse (1630-37) (http://zeitenwende.ch/finanzgeschichte/die-tulpen-hausse-1630-37/) oder der Internet-Blase. Dumme Investitionen hat es immer gegeben und [...] mehr...
aber, ich kann mich gut daran erinnern, Spiegel 9 aus 69. Die Yeit war eine andere und damals war eine Japanhysterie, da JAPAN riesig aufgeholt hat. ABER... wir haben alle ueber Mutsubishi gelacht, ueber Kameras aus Japan, [...] mehr...
nuetzt uns der Konjunktiv gar nichts. Heute jedenfalls sind sie staerker und kommen mit Einschraenklungen besser klar. Ich glaube da weniger an Neomerkantilismus, sondern eher daran, dass im globalen Markt, derjenige zum Zuge [...] mehr...
aber, wegen unserer hohen Lohnkosten demnächst weitere Produkte nicht mehr konkurrenzfähig in D hergestellt werden können? Was bleibt denn dann noch?? Die Label für die Samsung Handies??? Oder an was denken Sie konkret??? mehr...
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