Hamburg - Der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna kann sich auf die Unterstützung der deutschen Landesfürsten verlassen: Im Übernahmekampf um Opel schwinden die Chancen anderer Bewerber. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat in einem Zeitungsinterview einen Einstieg des chinesischen Herstellers BAIC strikt abgelehnt.
Der neue europäische Opel-Konzern könne nicht von einem chinesischen Unternehmen geführt werden, "das gerade 12.000 Autos pro Jahr produziert und noch nicht einmal über die Rückendeckung der chinesischen Regierung verfügt", sagte Koch dem Hamburger Abendblatt. Es wäre "ein ziemlich starkes Stück", wenn jemand ernsthaft an diese Lösung glaubte.
Diese Darstellung ist allerdings verkürzt: BAIC gehört zu den größten chinesischen Autoherstellern. Im ersten Quartal verkaufte der Konzern gut 250.000 Autos. Die Zahl, die Koch nennt, bezieht sich offenbar auf ein Joint Venture zwischen BAIC mit dem deutschen Autobauern Daimler. Im Rahmen dieser Partnerschaft wurden in einer deutsch-chinesische Autofabrik im Süden Pekings binnen zwei Jahren rund 25.000 Autos produziert.
Koch sagte zudem, ein Einstieg von Magna wäre "mit Blick auf die Zukunft von Opel, die Standorte und die Jobs in Deutschland und nicht zuletzt wegen der eingesetzten Steuergelder die beste Lösung." Magna verhandele "ganz konkret mit dem amerikanischen Mutterkonzern GM und hat einen großen Vorsprung vor anderen Bietern". Koch räumte allerdings ein, dass es "noch ein langer Weg" bis zur Rettung von Opel sei.
Die Opposition teilt diese strikte Haltung allerdings nicht. Der Vorsitzende des Bundestags-Haushaltsausschusses, Otto Fricke (FDP), sagte der "Rheinischen Post": "Wenn die Bundesregierung nicht einmal das Gespräch mit den Chinesen sucht, riskiert sie ohne Not fast zwei Milliarden Euro Steuergeld." Während Magna im Falle einer Opel-Übernahme vom deutschen Steuerzahler eine Bürgschaft in Höhe von 4,6 Milliarden Euro verlange, fordere BAIC nur 2,64 Milliarden Euro.
Auch der Bund der Steuerzahler forderte die Bundesregierung auf, nicht mehr einseitig auf Magna zu setzen. Sie müsse daraufhin hinwirken, dass das für Opel und den Steuerzahler beste Konzept umgesetzt werde, sagte Präsident Karl Heinz Däke. Zuvor hatten bereits der CDU-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs und der Wirtschaftsrat der Union gefordert, die Angebote der mit Magna konkurrierenden Bieter erneut zu prüfen.
Dagegen erklärte Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) in der "Thüringer Allgemeinen", die Entscheidung für Magna als Investor sei gefallen. Er gehe davon aus, dass ausstehende Fragen bis kommende Woche geklärt seien. Althaus zeigte sich "verwundert" über die erhobenen Einwände.
wal/ssu/dpa/ddp/AFP
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