Stockholm/Brüssel - Südkorea und die Europäische Union wollen ihre Handelsbeziehungen intensivieren und ein Freihandelsabkommen abschließen. Es wäre der erste solche Handelspakt zwischen Europa und einem asiatischen Land. Südkorea ist mit einem Handelsvolumen von knapp 100 Milliarden Dollar pro Jahr einer der wichtigsten Wirtschaftspartner der Union außerhalb Europas.

Südkoreas Präsident Lee, Schwedens Premier Reinfeldt: Erstes Freihandelsabkommen mit einem asiatischen Land
Der Handelssprecher der EU-Kommission, Lutz Güllner, bestätigte, dass jetzt die EU-Regierungen am Zug sind. "Wir müssen keine neuen Verhandlungen mit Südkorea führen", sagte Güllner. Die EU-Kommission verhandelt in Handelsangelegenheit für die Gemeinschaft. Am Freitag hatten hochrangige Ministeriumsvertreter der 27 EU-Staaten über den derzeitigen Verhandlungsstand beraten. "Es gab breite Unterstützung für dieses Paket", sagte Güllner. Endgültig grünes Licht gebe es aber noch nicht. Einige Staaten hätten sich Zeit erbeten, um den Vertragstext zu prüfen. Dabei gehe es um Feinheiten.
Güllner bezeichnete den Freihandelspakt als "eines der wichtigsten Handelsabkommen", das die EU jemals unterschrieben hat. "Es ist ein wichtiges Zeichen an die Welt, dass wir trotz Krise nicht in Protektionismus verfallen."
Südkorea erhofft sich von einem Freihandelsabkommen auch eine Signalwirkung für ähnliche Verhandlungen mit anderen Ländern wie Indien und den USA. Als wichtigstes Problem bei den bisherigen Verhandlungen mit der EU-Kommission und Seoul galt die Rückerstattung von Einfuhrabgaben für bestimmte Produkte in Südkorea. Die EU ist nach China der zweitgrößte Handelspartner für Südkorea und zudem der größte Investor. Europas Industrie erhofft sich vermehrte Ausfuhren für die chemische und die Pharmaindustrie. Südkorea strebt stärkere Exporte für Heimelektronik sowie Autos an.
Der Verband der Europäischen Autohersteller ACEA übte scharfe Kritik. Die Autohersteller bezeichnen das Abkommen als "unfair" und befürchten schwerwiegende Wettbewerbsnachteile und die Überflutung des europäischen Marktes mit Billigzubehör aus China. Südkorea dagegen öffne seinen Markt nicht weit genug für europäische Produkte, bemängelte eine ACEA-Sprecherin. "Wenn es grünes Licht für dieses Abkommen gibt, dann klopfen bald auch südamerikanische Länder oder Indien an, die die gleichen Konditionen fordern", sagte sie.
beb/dpa/Reuters
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