Hamburg - Der Störfall im Atomkraftwerk Krümmel treibt die Verbraucher offenbar weg von Vattenfall und hin zu anderen Anbietern. Wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet, wechselten seit dem Zwischenfall am 4. Juli mehrere tausend Verbraucher zu konzernunabhängigen Ökostromanbietern.
So stieg beim Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick "die Zahl der Neukunden seit dem Zwischenfall um rund 70 Prozent von 300 auf täglich 500 Neukunden", sagte Lichtblick-Sprecher Ralf Kampwirth der Zeitung. Zur Greenpeace Energy AG wechselten täglich allein 80 bis 90 Kunden aus Hamburg, sagte Vorstandsmitglied Robert Werner. "Wir verzeichnen eine Vervielfachung der Neukunden in Vattenfall-Gebieten." Naturstrom verzeichnet dem Bericht zufolge derzeit täglich 30 Prozent mehr Verträge.
Den Grund für die gestiegene Nachfrage sehen die Ökostrom-Anbieter eindeutig in der neu aufgeflammten Atom-Diskussion. Vor ein paar Tagen erst habe man sich die Mühe gemacht, alle Neukunden eines Tages nach ihren Motiven für den Wechsel zu befragen, berichtet Greenpeace-Energy-Sprecher Marcel Keiffenheim. "Und nur zwei Kunden haben gesagt, Krümmel habe bei ihrer Entscheidung keine Rolle gespielt."
Die meisten Neukunden hätten schon seit längerem zu einem Ökostrom-Anbieter wechseln wollen und nur noch "den letzten Schubs gebraucht". Andere hätten sich nach dem Störfall spontan für Ökostrom entschieden. "Und viele sagen uns: 'Ich will nicht mehr, dass mein Geld zu Vattenfall geht'."
Vattenfall wollte die Abwanderung nicht bestätigen. "Wir haben bisher noch keine Erkenntnisse darüber", sagte Sprecher Stefan Müller zu SPIEGEL ONLINE. Altkunden müssen sich beim Stromwechsel nur bei dem neu gewählten Anbieter anmelden. Dieser erledigt die notwendigen Formalitäten. Bis Vattenfall davon erfahre, könnten sechs Wochen vergehen, sagte der Sprecher.
Allerdings räumte der Sprecher ein, dass das Unternehmen mit einem Weggang von Kunden rechnet. "Der Unmut bei unseren Kunden ist da. Dass es da Verluste geben wird, liegt auf der Hand."
yes/ddp/AFP/AP
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