Von Anne Seith und Severin Weiland
Frankfurt am Main/Berlin - Es gilt, noch einmal eine gemeinsame Linie festzuzurren. Am Mittwoch schalten sich die Ministerpräsidenten der vier Bundesländer, in denen es Opel-Standorte gibt, per Telefon kurz. Zwischen Dieter Althaus (Thüringen), Kurt Beck (Rheinland-Pfalz), Roland Koch (Hessen) und Jürgen Rüttgers (Nordrhein-Westfalen) geht es um die jüngsten Entwicklungen in den Opel-Verhandlungen. Vor allem um das plötzlich massiv vorgetragene Interesse des belgischen Finanzinvestors RHJ, den deutschen Autobauer zu übernehmen.
Die Ministerpräsidenten halten noch einmal fest: Alle Standorte in den vier Bundesländern müssten erhalten bleiben, es dürfe zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommen und wenn erforderlich, nur zu sozialverträglichem Abbau von Arbeitsplätzen. Und: Nach wie vor werde der kanadisch-österreichische Investor Magna favorisiert. "Das ist alles unstrittig", heißt es auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE im Umfeld der Landesregierungen.
Besonders deutlich brachte es am Mittwoch auch Thomas Steg, Vizesprecher der Bundesregierung, auf den Punkt: Die für die Opel-Rettung zugesagten Staatshilfen würden nur im Falle einer Übernahme durch Magna gezahlt. Sollte ein anderer Bieter zum Zuge kommen, müssten die Zusagen noch einmal geprüft werden.
Doch ist wirklich alles klar? Ist das Rennen tatsächlich schon gelaufen? Vieles spricht dagegen. Im Poker um Opel, der schon so gut wie beendet schien, ist eine neue Runde eröffnet. Aus dem Umfeld des belgischen Investors RHJ heißt es gegenüber SPIEGEL ONLINE, man könne bis Freitag einen unterschriftsreifen Vertrag vorlegen.
Ein paar Stunden nach der Telefonkonferenz der Ministerpräsidenten treffen im Bundeswirtschaftsministerium die Vertreter von RHJ ein, um den federführenden Staatssekretär, Jochen Homann, für ihre Pläne zu gewinnen. Nach dem Termin erklärte Homann, die Brückenfinanzierung für Opel sei keineswegs an Magna gebunden, weder vertraglich noch rechtlich. Damit widersprach der Wirtschaftsstaatssekretär öffentlich dem Regierungssprecher - und eröffnete Raum für neue Spekulationen.
Das Wirtschaftsministerium koordiniert die Gespräche mit allen betroffenen Ländern - auch den europäischen Nachbarn -, die sich an möglichen Staatsgarantien für Opel beteiligen wollen. Vor rund sechs Wochen war der wankende Autobauer zu 65 Prozent auf eine staatlich kontrollierte Treuhandgesellschaft übertragen worden. Ziel ist es, das Unternehmen weitgehend aus dem Noch-Mutterkonzern General Motors (GM)
herauszulösen.
Das RHJ-Angebot scheint attraktiver als das von Magna
Zuletzt schien ein Einstieg des Autozulieferers Magna
so gut wie ausgemacht. In wochenlangen Verhandlungen war der Bieter-Konkurrent Fiat
aus dem Rennen geworfen worden. Bund und Länder hatten Opel einen Kredit von 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Weitere drei Milliarden an Staatsgarantien sollen zur Verfügung stehen. Magna will gemeinsam mit der staatlich kontrollierten russischen Sberbank
bei Opel einsteigen und strebt 20 Prozent an dem Autobauer an. Die Sberbank soll 35 Prozent bekommen. Zehn Prozent soll die Belegschaft übernehmen, 35 Prozent soll GM behalten.
Doch jetzt tritt plötzlich RHJ, ein Ableger des US-Finanzinvestors Ripplewood, auf den Plan - zum zweiten Mal. Ein erstes, bereits verworfenes Angebot wurde nachgebessert: RHJ will jetzt zu 51 Prozent bei Opel einsteigen und will dafür Staatsgarantien über 3,8 Milliarden Euro. Das ist eine Milliarde Euro weniger als früher veranschlagt - und eine dreiviertel Milliarde weniger, als Magna fordert.
Auch sonst wirkt das RHJ-Angebot im Vergleich zur Magna-Offerte attraktiv, zumindest auf den ersten Blick. Die Belgier wollen eventuell verwendete öffentliche Gelder früher zurückzahlen als Magna - bis spätestens 2014. Zudem will Magna 10.000 Stellen streichen, RHJ etwas weniger.
RHJ als Platzhalter für GM?
Doch das Misstrauen gegen den Finanzinvestor ist groß. Der Verdacht: GM werde RHJ als "Steigbügelhalter" benutzen, wie es Opel-Betriebsratschef Klaus Franz im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE formuliert. Wenn der Autobauer mit Hilfe üppiger Staatsgarantien erst einmal notdürftig saniert sei, werde GM Opel zurückkaufen - oder das, was dann noch von dem Traditionsunternehmen übrig sein werde. "Das Ziel ist, auf mittelfristige Sicht Fabriken zuzumachen und die Technologie und das neue Werk in Rüsselsheim für GM zu retten", sagt der Arbeiterführer.
Franz hat am Montag mit RHJ-Verhandlungsführer Gerd Häusler über dessen Opel-Pläne gesprochen. Der Kommentar des Betriebsratschefs: "Da sind mehr Fragen aufgekommen als beantwortet wurden." Er könne "kein Finanzierungskonzept erkennen, auch keinen Businessplan".
Die neue Offerte sei wohl vor allem Schönrechnerei. Die Belgier hätten in ihre Berechnungen einfach höhere Verkaufszahlen eingeplant - und geringere Investitionen. Bei der Diskussion um neue Produkte habe Häusler keine konkreten Vorschläge gemacht. "Ein Investor, der mit 51 Prozent eine Firma betreiben will, muss schon mehr auf der Pfanne haben", sagt Franz. Wie viele Finanzinvestoren sei RHJ vor allem auf kurzfristige Gewinne aus.
"Magna dagegen hat sehr konservativ gerechnet." Ein konkretes Konzept liege dem Betriebsrat bereits vor, "das prüfen wir jetzt in allen Details." Es sei aber "absolut zukunftsweisend", sagt Franz schon jetzt.
Auch der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vermutet, RHJ solle als Strohmann für GM dienen, um den Amerikanern alle Möglichkeiten offen zu halten. Deshalb gebe ein industrieller Bieter wie Magna mehr Zukunftssicherheit.
Im Umfeld von RHJ werden die Vorwürfe zurückgewiesen. RJH sei ein börsennotiertes Unternehmen und denke deshalb langfristig - anders als etwa ein auf kurzfristige Gewinne gepolter Hedgefonds. Ziel sei es, Opel als eigenständige europäische Marke aufzubauen.
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gottseidank- ich hatte schon angst,die wollen auch ein paar mrd bezahlen. mehr...
Zuviel Überkapazität, zuviel Staatsintervention. Niemand will Opel, niemand braucht Opel. Trotz Steuergelder wird Opel Pleite gehen ob die Politiker (und Bürger) und Gewerkschaften das mögen oder nicht. Die Wahl ist vorbei, es [...] mehr...
Anders ausgedrückt, sie weigern sich den Arbeitsplatzerhalt von GM und Magna in Rechnung stellen zu lassen. mehr...
... denn sowohl Großbritannien als auch Spanien haben sich jetzt gegen den deutschen Rettungsplan ausgesprochen. Der Zirkus geht jetzt erst richtig los, wenn die Bundesregierung - sprich Merkel - versucht, ihre Vorstellungen und [...] mehr...
Die Politiker sind dafür das die Manager für ihre Fehler mit eigenem Geld haften. Vielleicht sollten die jetzigen Politiker mit eigenem Geld haften wenn Opel die 4,5 Milliarden versenkt hat und anschließend Pleite ist.Manches geht [...] mehr...
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