Frankfurt am Main - Die Rezession in Deutschland hat sich nach Einschätzung der Bundesbank deutlich abgeschwächt. Die Bremseffekte durch den kollabierenden Außenhandel hätten spürbar nachgelassen. Ein Ende der weltweiten Vertrauenskrise sei allmählich absehbar, heißt es in dem am Montag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht für Juli.
Hamburger Hafen: Außenhandel zieht merklich an
Das Statistische Bundesamt will eine erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal 2009 am 13. August vorlegen. Im ersten Quartal war das BIP im Vergleich zum Schlussquartal 2008 um 3,8 Prozent eingebrochen. Es war der vierte Quartalsrückgang in Folge und mit Abstand der größte seit Beginn der vierteljährlichen Erhebung im Jahre 1970.
Nach Einschätzung der Bundesbank hat das Exportgeschäft im zweiten Quartal zwar nochmals einen Dämpfer erhalten. Trotzdem könnte der Außenhandel erstmals seit Zuspitzung der Finanzkrise wieder einen positiven Beitrag zur Konjunktur geleistet haben, da die Importe noch stärker geschrumpft sind.
Bei den Bauinvestitionen rechnen die Experten aufgrund von Witterungseffekten und staatlichen Infrastrukturprojekten mit einem Plus, obwohl die Mittel aus den Konjunkturprogrammen bisher erst zu einem geringen Teil wirksam geworden seien.
Steuerentlastungen und Transferleistungen hätten sich hingegen bereits spürbar im verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte niedergeschlagen. Gewerbliche Investitionen dagegen sind weiterhin rückläufig - Grund sei die ausgesprochen niedrige Auslastung der Kapazitäten.
Keine Entwarnung gibt die Bundesbank für den Arbeitsmarkt, der der Konjunkturentwicklung in der Regel erst mit zeitlicher Verzögerung folgt. "Das niedrige Produktionsniveau belastet in zunehmendem Maß den Arbeitsmarkt", schrieb die Notenbank. Im Juni waren in Deutschland nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 3,4 Millionen Menschen arbeitslos. Das entspricht einer Quote von 8,1 Prozent, im Vorjahresmonat lag der Wert noch bei 7,5 Prozent.
Bürger trotz Wirtschaftskrise optimistisch
Trotz der Wirtschaftskrise ist die Stimmung unter den Bürgern optimistisch. Das ergab die traditionelle Umfrage der Wirtschaftsjunioren, unter knapp 12.000 Menschen, deren Ergebnisse am Montag in Berlin vorgestellt wurden.
Zwar bewerten laut Umfrage 82 Prozent der Bundesbürger die Konjunkturaussichten so schlecht wie seit 1998 nicht mehr. Aber 51 Prozent gehen davon aus, dass sich ihre individuelle finanzielle Situation im nächsten Jahr nicht verändern wird. Lediglich ein Drittel rechnet mit einer Verschlechterung. Viele Bürger wollen allerdings in Zukunft mehr sparen.
78 Prozent halten ihren Arbeitsplatz für krisenfest, 22 Prozent fürchten um ihren Job. "Damit ist das Vertrauen in die Sicherheit der Arbeitsplätze ungetrübt und die Stimmung der Deutschen besser als ihre Bewertung der Konjunkturaussichten", erklärte der Vorsitzende der Wirtschaftsjunioren, Kirschsieper.
Zustimmung zur Regierung gesunken
Wenige Wochen vor der Bundestagswahl schwindet dagegen das Vertrauen der Bürger in die Arbeit der Bundesregierung, wie die Wirtschaftsjunioren weiter mitteilten. Die Große Koalition bekomme nur die Note 3,6. Damit sei die Zustimmung zur Regierung nach 2008 weiter zurückgegangen. Schon im vergangenen Jahr sei die Regierungsarbeit mit der Note 3,3 wesentlich schlechter bewertet worden, als der Aufschwung vermuten ließ.
Kritisch beurteilte Kirschsieper, dass die Bürger zunehmend einen staatlichen Einfluss auf die Wirtschaft befürworten. "Die Realwirtschaft muss sich selbst helfen, um diese Krise zu überstehen. Wir Unternehmer dürfen uns nicht auf den Staat verlassen und die Bürger dürfen nicht glauben, dass Staatshilfen alle Probleme der Wirtschaft lösen können.
ssu/AP/dpa-AFX/Reuters
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