Von Marc Pitzke, New York
Es lässt ihn bis heute nicht los. "Wir hatten wirklich viel Spaß", erinnert sich Paul McCartney. "Wir machten ein paar Platten zusammen, machten ein Video und waren sehr gute Freunde." Er fügt aber gleich hinzu: "Etwas später ging das dann in die Brüche, denn er redete mit mir und fragte mich um geschäftlichen Rat, und eine der Sachen, die ich zu ihm sagte, war: Du solltest anfangen, dir Musikrechte zu sichern." Das Publikum gluckst, es ahnt, was kommt. Doch McCartneys Miene bleibt bitterernst.
McCartney sitzt auf der Couch von Talkmaster David Letterman, im New Yorker Ed-Sullivan-Theater. Es ist ein historischer Besuch: Dies ist dieselbe Bühne, auf der die Beatles 1964 ihren ersten TV-Auftritt in Amerika hatten, vor rund 73 Millionen Zuschauern. Doch McCartneys Anekdote handelt von einer etwas jüngeren Vergangenheit: seiner Zusammenarbeit mit Michael Jackson in den achtziger Jahren, mit den Hits "The Girl Is Mine" und "Say Say Say" - und dem späteren Krach der beiden Megastars.
Jackson nahm McCartneys geschäftlichen Rat damals nämlich ernst - und schnappte sich 1985 nicht irgendwelche Musikrechte, sondern die an allen Beatles-Songs, für 47,5 Millionen Dollar. McCartney, der aus Kostengründen darauf verzichtet hatte, hatte das Nachsehen.
Seither hat nicht er selbst den Löwenanteil an seinem Beatles-Erbe verdient, sondern Michael Jackson. "Das war cool, irgendwer musste es kriegen", sagt McCartney. Aber es ist ihm anzusehen, dass er sich das eigentlich anders vorgestellt hatte.
Es geht um legendäre Titel - und gigantische Summen
Zwar beehrte Paul McCartney Letterman vorige Woche in erster Linie, um für drei lange geplante Eröffnungskonzerte im Citi Field zu werben, dem neuen Baseballstadion der New York Mets. Doch das Timing entbehrte nicht einer gewissen Ironie: Jacksons Tod Ende Juni hat endloses Gezeter um dessen Nachlass ausgelöst - und vor allem um den "Beatles-Katalog", wie er in der Branche genannt wird.
Um dessen Zukunft ist hinter den Kulissen ein heißer Bieterkampf entbrannt. Und mittendrin in diesem Kampf um Millionen: die Wall Street, namentlich eine Gruppe ihrer Top-Finanzhaie.
Schließlich geht es da um legendäre Titel - und phantastische Summen. Die Rechte an den mehr als 250 Songs aus der Feder von Paul McCartney und John Lennon - Kulthits wie "Yesterday", "A Hard Day's Night" und "Yellow Submarine" - werden von einer Firma namens Sony/ATV Music Publishing verwaltet. An der hielt Michael Jackson zuletzt 50 Prozent, die andere Hälfte gehört dem Medienkonglomerat Sony.
Jackson vererbte alle seine Vermögenswerte nun an die Jackson-Familienstiftung - entgegen früheren britischen Medienberichten, wonach er die Beatles-Rechte McCartney habe hinterlassen wollen, um den Streit der beiden postum beizulegen. Sony/ATV wiederum, so hieß es nach Jacksons Tod aus Firmenkreisen, habe keinerlei Absicht, die Rechte aufzugeben.
Doch so einfach ist das natürlich nicht. Der Jackson-Clan ist in Finanzfragen ziemlich gerissen. Er könnte entweder weiter von den Tantiemen leben. Oder er könnte sein Anrecht auf die Beatles-Songs meistbietend verkaufen, an Sony oder jemand anderen, um die offenbar enormen Schulden des King of Pop zu tilgen.
Und genau das hat nun die Wall-Street-Akteure auf den Plan gerufen. Wie die "New York Times" berichtete, haben eine Reihe von Investoren inzwischen "diskret angefragt", bei der Jackson-Familie wie auch bei Sony, und ihr Interesse an Sony/ATV bekundet - darunter die Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR), Plainfield und Colony Capital.
Colony war bereits zuvor mit Michael Jackson verstrickt: Die Firma besitzt die Anteile an der Neverland-Ranch, nachdem Jackson diese voriges Jahr beinahe per Zwangsversteigerung verloren hatte. Unternehmenschef Thomas Barrack habe Vertreter der Jackson-Familie kontaktiert, meldete die "Times". Plainfield wiederum war früher schon mal als Kreditgeber für Mijac aufgetreten - Jacksons Firma, die die Rechte an seinen eigenen Songs hält.
Der US-israelische Medienmogul Haim Saban, dessen Vermögen von "Forbes" auf 2,5 Milliarden Dollar geschätzt wird, habe ebenfalls ein Auge auf die Beatles-Songs geworfen, hieß es weiter. Saban - zwischenzeitlich auch Hauptaktionär bei ProSiebenSat.1 - trat demzufolge vor zwei Wochen auf der diesjährigen Medien- und Milliardärsklausur des Investmentbankers Herb Allen in Sun Valley an Sony-Chef Howard Stringer heran.
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