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23.07.2009
 

Spitzelei

Firmen hetzen Mitarbeitern Privatdetektive auf den Hals

Sie lauern in Zufahrten, überwachen Wohnzimmer: Privatdetektive werden von Firmen wie Evonik und Betapharm auf die eigenen Angestellten angesetzt. Einem Magazinbericht zufolge schnüffeln die Ermittler im Privatleben der Mitarbeiter und suchen nach Anlässen für einen Rauswurf.

Hamburg - Mehrere Deutsche Unternehmen setzen Privatdetektive auf ihre Mitarbeiter an, um Gründe für eine Kündigung zu finden. Das berichtet das Magazin "Stern". Dem Bericht zufolge werden Mitarbeiter in Deutschland damit in weit größerem Ausmaß überwacht als bislang bekannt.

Dem Magazin liegen die vertraulichen Protokolle von Dutzenden Detektiveinsätzen vor, bei denen Arbeitgeber ihre Angestellten beschatten ließen. So berichtet der "Stern" ausführlich über den Fall einer Frau namens Sonia K., die als Laborhilfe bei der Evonik-Tochter Degussa Technochemie gearbeitet habe. Als K. eine Krankmeldung einreichte, habe ihr Arbeitgeber Privatdetektive in Marsch gesetzt.

Diese bezogen vor dem Haus der Angestellten Posten. In dem Auftrag an die Detektei heißt es laut dem Bericht: "Sie ist seit letzter Woche krankgeschrieben. Da sie nachmittags noch einen zweiten Job hat, vermuten wir, dass sie diesen auch wahrnimmt. Vielleicht haben wir die Möglichkeit, Frau … zu überführen." Für die Ermittlungen habe das Unternehmen detaillierte Informationen über seine Angestellten an die Detektei übermittelt, darunter Fotos von einer Betriebsveranstaltung, dazu Angaben wie Adresse, Gewicht, Alter, Größe und das Autokennzeichen.

Nach Angaben des "Stern" distanziert sich Evonik von dem Schnüfflereinsatz, spricht von "Fehlverhalten der verantwortlichen Führungskraft". Gewerkschaftsvertreter gehen dagegen davon aus, dass Beschattung und Bespitzelung weitverbreitet sind. "Mitarbeiter-Observationen sind ein zunehmendes Problem", sagte Cornelia Brandt von der Gewerkschaft Ver.di dem Magazin.

Tatsächlich können Observationen von Mitarbeitern bei begründetem Verdacht berechtigt sein. Der "Stern" schreibt jedoch, die Detektivprotokolle legten den Eindruck nahe, dass die Aktionen in vielen Fällen nur dem Zweck gedient hätten, einen Kündigungsgrund zu finden. Das Magazin hat dem Bundesbeauftragten für Datenschutz, Peter Schaar, einige der Protokolle vorgelegt. Sein Urteil: "Oft fehlt es an einem konkreten Verdacht gegenüber dem Mitarbeiter. In solchen Fällen dient eine Observation nur dazu, einen Anlass für den Rausschmiss zu finden."

Dabei offenbaren die Überwachungsprotokolle, die dem Magazin vorliegen, wie dicht die Schnüffler den ahnungslosen Arbeitnehmern auf die Pelle rückten und wie lückenlos die Observierungen abliefen. So berichten die Privatermittler detailliert über das Privatleben eines Kölner Piloten: "Es ist Licht im Haus, und erkennbar sitzt die Familie gerade beim Abendessen. In der Zielstraße ist eine Observation mit Sichtkontakt unmöglich. Daher entscheiden sich die Sachbearbeiter, lediglich die einzige Zufahrt zu der Wohnadresse unter Beobachtung zu halten." Weiter heißt es, die Beobachter könnten "durch die gläserne Terrassentür" feststellen, "dass sich Zielperson mit etwa fünf anderen Erwachsenen und fünf Kindern im Wohnzimmer dieses Einfamilienhauses aufhält. Offensichtlich findet hier eine Familienfeier statt."

Hinweise auf Detektiveinsätze fand das Magazin auch im Falle des Raststättenbetreiber Tank & Rast, bei Air Berlin und sogar bei kleinen Familienbetrieben wie einer Gärtnerei im nordrhein-westfälischen Troisdorf und einer Apotheke in Siegen. Daneben sollen Arzneimittelhersteller wie Betapharm und Medice wiederum ihre Außendienstler kontrollieren lassen.

Das Augsburger Unternehmen Betapharm hat nach Recherchen des Magazins im Frühsommer 2007 seine Pharmareferenten beschatten lassen. Die Rechnung ging auf: Offenbar schummelten einige bei der Angabe ihrer Arbeitszeiten. Viele verloren ihren Job. Die Firma will heute nur noch so viel zu den Observationen sagen: "Bei den Kündigungen hat Betapharm im Rahmen arbeitsrechtlicher Vorschriften gehandelt."

Für Tank & Rast sagte ein Sprecher zu SPIEGEL ONLINE, die Überprüfung von Mitarbeitern im Krankheitsfall sei "absolut nicht üblich". Bisher sei es zu zwei Fällen von Observationen gekommen, beide im Frühjahr 2007. "Grundsätzlich wird diese Überprüfung im Krankheitsfall seit diesen Ausnahmefällen nicht mehr angewendet", betonte der Sprecher.

Air-Berlin-Sprecherin Alexandra Müller räumt die Schnüffelattacke auf den Piloten ein, allerdings habe es nur diesen einen Vorfall gegeben.

In den vergangenen Monaten waren immer wieder Spitzelskandale bei deutschen Unternehmern an die Öffentlichkeit geraten, so etwa bei der Deutschen Bank, der Telekom und der Deutschen Bahn. Der Lebensmitteldiscounter Lidl kam in Verruf, weil er seine Mitarbeiter massiv überwacht hat.

beb

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31.03.2010 von Hilfskraft: Bespitzelt und überwacht – sind Arbeitnehmer schutzlos?

vielleicht sollte man es mal umgekehrt versuchen? Arbeitnehmer bespitzeln ihre Vorgesetzten und schwärzen die an höherer Stelle an. Mal sehen, was daraus würde? mehr...

30.03.2010 von SirTurbo:

Das heisst dann: Wenn ich Wissen in der Freizeit erworben habe, dann "vergesse" ich das wenn ich in die Firma komme? mehr...

30.03.2010 von phönix04: austauschen

Wenn eine Firma Bluttest benötigt, um Alkohol oder Drogen während der Arbeit festzustellen, dann ist die gesamte Leitungsriege unfähig. Als Leiter mit direkten Kontakt hat man ganz einfache und konkrete Möglichkeiten, die Koll. [...] mehr...

30.03.2010 von schniggeldi:

Oder in sie hineinwirkt. Ich möchte Sie mal hören, wenn Ihr Kind von einem alkoholisierten Brummifahrer plattgemacht wird und sich herausstellt, dass die Firma wußte, dass der Kollege ein paar Siunden vor Dienstantritt [...] mehr...

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