Wirtschaft



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22.07.2009
 

Massenschlachtung

EU lehnt Abwrackprämie für Kühe ab

Keine Unterstützung für den Bauernverband: Die EU-Kommission lehnt eine Schlachtprämie für Kühe trotz des dramatischen Preisverfalls der Milch ab. Gesunde Tiere zu schlachten sei "schwierig zu vermitteln".

Brüssel/Berlin - 400 bis 500 Euro mehr pro Kuh - die Idee findet wenig Unterstützung: Trotz des dramatischen Preisverfalls bei Milch hat die EU-Kommission eine Schlachtprämie für Kühe abgelehnt. Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel machte am Mittwoch bei der Vorstellung des Milchmarktberichts in Brüssel deutlich, dass sie die Forderung nach Schlachtprämien für Kühe "nicht unterstützen" könne. Es sei den Steuerzahlern schwer zu vermitteln, "dass ihr Geld zur Schlachtung gesunder Tiere verwendet werden soll", sagte Fischer Boel.

Milchkühe in Brandenburg: "Abwrackprämie für Kühe ethisch fragwürdig"Zur Großansicht
AP

Milchkühe in Brandenburg: "Abwrackprämie für Kühe ethisch fragwürdig"

Zuvor hatte der Deutsche Bauernverband (DBV) die Schlachtung von Milchkühen als "wirksame Möglichkeit zur Marktentlastung" bezeichnet. Allerdings müssten die Bauern für die getöteten Tiere entschädigt werden, weshalb der DBV eine zusätzliche Schlachtprämie von 400 bis 500 Euro fordert. Im Milchmarktbericht der EU-Kommission wird die Schlachtung von Milchkühen nur als eine von mehreren Optionen aufgeführt, um das Überangebot von Milch zu reduzieren.

Aigner gegen "Abschlachtprämie"

Trotz der ablehnenden Haltung von Fischer Boel legte der Bauernverband allerdings nach: Die EU sollte den Bauern für jede geschlachtete Kuh 400 bis 500 Euro zusätzlich zum regulären Schlachtpreis von durchschnittlich 800 Euro zahlen. Viele Landwirte überlegten, aus der Milchproduktion auszusteigen, argumentierte der Vizepräsident des Verbands, Werner Hilse, in Berlin. "Dort kommt ein solches Angebot gerade recht."

Viel Erfolg dürfte die Forderung trotzdem nicht haben, denn Widerstand kommt auch von der deutschen Agrarministerin: "Ich halte Abschlachtprämien auch nicht für den richtigen Weg", sagte Ilse Aigner - und verwies auf das Schlachtprogramm in den USA. Es habe keinerlei Einfluss auf die Preise gehabt. Davon abgesehen, sei es auch tierschutzrechtlich sehr bedenklich.

Deutlichere Worte fand denn auch der Deutsche Tierschutzbund: Er kritisierte, wenn der Bauernverband jetzt die Schlachtung von europaweit eineinhalb Millionen Milchkühe fordere, wolle er auf dem Rücken der Tiere eine seit Jahrzehnten anhaltende verfehlte Zucht-, Haltungs- und Milchpolitik lösen. "Diese Marktregulation ist inakzeptabel", sagte Präsident Wolfgang Apel.

Auch der bayerische Grünen-Landtagsfraktionschef Sepp Daxenberger lehnt die Massenschlachtung von Milchvieh ab. "Eine Art Abwrackprämie für Kühe ist nicht nur ethisch absolut fragwürdig, sondern zeigt, wie irrsinnig der Subventionskreislauf in einer immer industrielleren Landwirtschaft mittlerweile geworden ist", sagte Daxenberger. Die Grünen fordern stattdessen die Reduzierung der Milchmenge pro Kuh, sowie die Fütterung mit Klee und Gras, um die Qualität der Milch zu erhöhen.

EU will Milchmarkt untersuchen

Immerhin: Angesichts massiver Beschwerden über den Milchpreis will die EU-Kommission den Besitzern von Molkereien und Supermärkten genauer auf die Finger schauen. "Wo geht das Geld hin?", fragte Agrarkommissarin Fischer Boel. Während die Erzeugerpreise für Milch seit Ende 2007 EU-weit um mehr als 30 Prozent eingebrochen seien, seien die Verbraucherpreise nur um rund zwei Prozent gesunken. Die Kommission untersuche gegenwärtig mögliche Wettbewerbsverstöße im Milchsektor.

Nach der in Brüssel vorgestellten Marktanalyse ist der Erzeugerpreis für Milch in Deutschland seit Ende 2007 um 39 Prozent eingebrochen, die Preise für Butter um 43 Prozent und für Käse um 37 Prozent. Noch stärkere Einbußen mussten die Bauern in Belgien, Irland und Polen hinnehmen. "Wir können da eine Art Muster erkennen: Die Bauern sind immer die Verlierer. Manchmal bleibt das Geld bei den Molkereien, manchmal beim Großhandel und manchmal bei den Supermarktketten", sagte Fischer Boel.

Um die Erzeugerpreise zu stützen, will die EU-Kommission in verstärktem Umfang überschüssige Milchprodukte vom Markt aufkaufen und auch die umstrittene Subventionierung von Exporten auf den Weltmarkt ausbauen. Unter anderem sollten die Regeln für die Subventionierung von Käse-Exporten gelockert werden, kündigte Fischer Boel an. Zudem erwäge die Kommission, für einen begrenzten Zeitraum bis Ende 2010 nationale Beihilfen in Höhe von bis zu 15.000 Euro pro Bauer zuzulassen. Bislang liegt die Obergrenze bei 7500 Euro.

sam/ddp/AP

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15.11.2009 von Diomedes: Ein bürokratischer Moloch versteht eben nichts von Ackerbau und Viehzucht! III

Hm, dass hängt davon ab, was für eine Art von Markt man hat: Den idealen mit vielen Kunden und vielen Verkäufern, dann kann man ihn machen lassen, allerdings sollte man ihn nach wie vor beobachten, damit weder der Bolschewismus [...] mehr...

09.11.2009 von BossIron:

Man kann einen Markt steuern! Das sehen wir doch jeden Tag! Die Frage ist doch vielmehr ob man nicht besser fährt wenn man einfach mal rollen lässt ;-) mehr...

03.11.2009 von BossIron:

Richtig! leider stimmen dafür die Gesetzmäßigkeiten nicht. Die menge wird gesteuert, der preis soll sich am Markt bilden. Das kann nicht funktionieren! mehr...

03.11.2009 von BossIron:

Naja, all zu weit scheint es mit ihrem Wissen ja nicht her zu sein! Entscheidend ist was am ende unterm Strich stehen bleibt. Wenn sie 100 € mehr Förderung bekommen aber u.U. 200 € Mehrkosten haben dann ist der Blöd der [...] mehr...

03.11.2009 von Gebetsmühle:

wenn die preise stimmen, müssen sie steigen. sie wollen also, dass der verbraucher mehr bezahlt. dieser weg wäre viel leichter zu erreichen, wenn alle subventionen gestrichen würden und alle bauern auf biolandwirtschaft [...] mehr...

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