Von Stefan Schultz
Hamburg - Im Silicon Valley und an der Wall Street gibt es derzeit eine Frage, die viele beschäftigt. Sie lautet: Wie schlecht geht es Microsoft wirklich? Wie unterschiedlich Analysten, Anleger und Tech-Experten diese Frage beantworten, lässt sich gut an zwei Statements zeigen.
Das erste stammt vom Konzernchef Steve Ballmer selbst. Er sagte kürzlich, dass es Microsoft ziemlich gut gehe - und dass die Weltöffentlichkeit 2010, nach Veröffentlichung der neusten Version von Microsofts Büro-Software Office raunen werde: "Wow, sie haben es mal wieder geschafft."
Das zweite Zitat stammt von Roger L. Kay, einem der weltweit renommiertesten PC-Analysten. Der sagte Anfang Juli der "Business Week", das römische Imperium sei 400 Jahre lang ein ziemlich angenehmer Ort zu leben gewesen. Der Software-Gigant werde es kaum auf diese Zeitspanne bringen. "Microsofts Imperium neigt sich zweifellos dem Ende."
Tatsächlich gibt es bei Microsoft derzeit Grund zur Sorge. Das zeigt schon ein Blick auf die Geschäftszahlen für das vierte Quartal, die der Konzern Donnerstagnacht veröffentlicht hat. Gewinn: minus 30 Prozent, Umsatz: minus 17 Prozent - für den erfolgsverwöhnten Tech-Imperator ein Desaster.
Auch das gesamte Geschäftsjahr, das bei Microsoft traditionell im Juli beginnt, ist unerfreulich: Der Umsatz fiel 2009 um drei Prozent auf 58,4 Milliarden Dollar, der Gewinn sackte um fast 18 Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar ab. In absoluten Zahlen ausgedrückt sind das Einbußen von mehreren Milliarden Dollar, in Jahren ausgedrückt ist es ein dekadenschwerer Negativrekord: Erstmals seit dem Börsengang 1986 beendet der Tech-Gigant ein Geschäftsjahr überhaupt mit einem Umsatzminus.
Strukturwandel dringend geboten
Microsofts Finanzchef Christopher Liddell erklärt die miesen Zahlen vor allem mit der Weltwirtschaftskrise. "Unser Geschäft wurde von der Schwäche auf dem globalen PC- und Server-Markt negativ beeinflusst", sagte er am Donnerstag in der Konzernzentrale in Redmond.
Tatsächlich lähmt die Weltwirtschaftskrise das PC- und Server-Geschäft. Nicht nur in Deutschland erwarten Hightech-Konzerne am Markt das erste Umsatzminus seit dem Dotcom-Crash. Für Microsoft ist das tatsächlich ein schwerer Schlag. Werden weniger Rechner verkauft, brechen beim Softwarekonzern die Absätze der Windows-Betriebssysteme und der Office-Büroanwendungen ein - zwei Kerngeschäftsfelder geraten so in den Abwärtssog.
Dennoch sind die Zahlen mehr als das Ergebnis negativer Markteffekte. Viele andere IT-Riesen, die wie Microsoft stark vom PC-Markt abhängen, schlagen sich in der Krise bislang weit besser. Der Chiphersteller
Intel
schrieb trotz
milliardenschwerer Kartellstrafe nur leichte Verluste und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Der amerikanische Computerkonzern
IBM
verbuchte einen leichten Gewinn.
Apple
schaffte sogar ein Milliardenplus, hauptsächlich durch die explodierenden Absätze des Mobiltelefons iPhone, das das Unternehmen aus Cupertino von Computerverkäufen unabhängiger macht.
Schlechte Werte in mehreren Kerngeschäftsbereichen
Microsofts schlechte Ergebnisse haben neben der Krise zwei Hauptursachen: Erstens waren die letzten Kernprodukte wie das Betriebssystem Vista von so schlechter Qualität, dass die Verkäufe weit hinter den Erwartungen zurückblieben.
Zweitens hat sich Microsoft, anders als Apple, bislang noch nicht hinreichend aus seiner relativen PC-Abhängigkeit gelöst - dabei neigt sich die Ära der Rechenkisten unwiderruflich dem Ende. Das Internet wird immer mehr zur endgeräteübergreifenden Kommunikationsplattform, und mit diesem Wandel ändern sich die Nutzungsgewohnheiten rapide. Tätigkeiten, die früher am heimischen Rechner erledigt wurden, verlagern sich auf Netbooks, Blackberrys, iPhones oder digitale Lesegeräte wie das Kindle. Für Softwareentwickler wird es immer wichtiger, das ihre Anwendungen plattformübergreifend funktionieren, dass ein Nutzer etwa einen Text auf dem Heim-PC zu schreiben beginnt, unterwegs daran weiterarbeitet oder ein anderer Nutzer an einem anderen Rechner dies tut.
Beide Versäumnisse schlagen sich in der aktuellen Microsoft-Bilanz nieder:
Kampflos will Microsoft sein Imperium dennoch nicht aufgeben. Der Konzern will sich in den kommenden Monaten stark umstrukturieren - er plant monumentale Umwälzungen. Ob der Wille zum Kampf allerdings ausreicht, ist nicht gesagt.
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Ich bin ein langjähriger Microsoft Mitarbeiter und Manager hier in Deutschland. Man kann und muss sicherlich über viele Punkte im Einzelnen und auch differenziert diskutieren. Eines der KERNPROBLEME ist aus meiner Sicht [...] mehr...
[QUOTE=Lovestern;4082671 ...Und daß sich die IT-Abteilung im notwendigen Ausmaß mit Linux auskennt, ist auch nicht überall gesichert... [/QUOTE] Dann habt ihr aber eine Sch**ß IT-Abteilung. Ich hab da schon ein paar [...] mehr...
Weil man nun mal im Firmenbereich oft an bestimmte Programme gebunden ist, die es nur für Windows gibt. Und daß sich die IT-Abteilung im notwendigen Ausmaß mit Linux auskennt, ist auch nicht überall gesichert. Und notwendig ist [...] mehr...
hat denn mal jemand an diese Alternative gedacht??? Wollt ihr alle, für immer und ewig MS-Sklaven bleiben??? Hört, ihr Firmen, es gibt noch eine Welt jenseits von Microsoft! Billiger ist das dann allemal, zumal OpenOffice [...] mehr...
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