Von Stefan Schultz
Ein Hoffnungsschimmer für den Riesen aus Redmond ist die Qualität seiner neuen Produkte. Die viel kritisierten Mängel scheint der Konzern durch eine neue Firmenpolitik in den Griff bekommen zu haben. Nach dieser arbeiten nun immer zwei Programmierer an derselben Aufgabe: Der erste schreibt den Computercode, der zweite kontrolliert ausschließlich die Fehler seines Partners.
Die Strategie scheint zu funktionieren: Plötzlich bringt der Konzern eine Reihe von Produkten heraus, die in der Fachwelt Beifall finden, unter anderem die Suchmaschine Bing und das Betriebssystem Windows 7.
Kann Windows 7 Microsoft wirklich retten?
Vor allem in letzteres setzt Microsoft große Hoffnung: Es soll zur neuen Cash Cow werden und die Gewinneinbußen, die durch Windows Vista entstanden sind, wieder wett machen. Ob das tatsächlich funktioniert, ist allerdings zweifelhaft. Zwar war eine billige Vorabversion des Betriebssystems rasend schnell ausverkauft. Der PC-Markt aber dürfte nach der Krise nicht mehr derselbe sein.
Das größte Wachstumssegment im PC-Markt sind die sogenannten Netbooks, also abgespeckte Laptops. Die aber bieten für Windows 7 gerade keine Wachstumsperspektiven. Betrieben werden sie meist mit Windows XP oder einem System des Windows-Konkurrenten Linux. Außerdem gewinnt laut einer Studie des US-Marktforschungsinstituts National Purchase Diary am amerikanischen Edel-PC-Markt zusehends Apple die Oberhand.
Die größte Gefahr aber könnte dem neuen Windows vom Rivalen Google
drohen, der für nächstes Jahr ein
eigenes Betriebssystem unter dem Namen Chrome OS angekündigt hat. Noch ist ungeklärt, wie schnell dieses für Microsoft zum Risikofaktor wird. Google hat angekündigt, Chorme OS zunächst nur für Netbooks herauszubringen, und die Euphorie über den gleichnamigen Browser, mit dem Google Microsofts Internet Explorer Konkurrenz macht, ist nicht zuletzt aus datenschutzrechtlichen Bedenken schnell wieder verpufft. Dennoch ist Googles Chrome OS Microsofts Betriebssystemen in zentralen Punkten überlegen: Es ist gratis und befördert die Loslösung des Nutzers von einzelnen PCs so stark wie es kein Windows bislang getan hat.
Microsoft befeuert das Internet-Office
Auch im Bereich Büro-Software hat sich Google längst zur Bedrohung entwickelt. Hier macht der Suchmaschinenriese Microsoft bereits mit Gratisversionen von Anwendungen wie Word, Excel oder Powerpoint Konkurrenz. Auch diese funktionieren PC-unabhängig in der Wolke - so können mehrere Nutzer über das Internet zusammen an demselben Dokument arbeiten. Microsofts Office-Programme verkommen durch diese Konkurrenz "zur Dutzendware", wie es Michael Cusumano, Professor am Technologiezentrum Massachusetts, ausdrückt.
Kein Wunder also, dass Microsoft jetzt eine massive Aufholjagd startet. Office 2010, geplante Veröffentlichung zur Jahresmitte, ist ein radikaler Bruch mit der Vergangenheit. Erstmals will der Softwareriese eine Gratisversion seiner Programme anbieten - werbefinanziert und mit eingeschränkten Funktionen. Und auch bei der Kaufversion von Office 2010 prüft Microsoft offenbar alternative Finanzierungsmodelle. Nach Angaben der "Business Week" sollen Nutzer die Programme mittelfristig im Monatsrhythmus pachten können.
Zudem erweitert der Konzern seine Dienste massiv in die Wolke - wie bei Google werden Word & Co endgeräteunabhängig. Das allerdings ist ein riskantes Unterfangen für den Software-Riesen. Denn noch nutzen weit mehr Kunden Office statt Googles Gratisdienste. Microsoft müsste sein Online-Office mit einer gewaltigen Infrastruktur hinterlegen - die Server-Kosten drohen da schnell aus dem Ruder zu laufen.
Schlechte Chancen im Suchmaschinenmarkt
Im immer wichtiger werdenden Online-Markt hat es Microsoft bislang nicht geschafft, Fuß zu fassen. Die Suchmaschine Bing wurde zwar von Kritikern gelobt, signifikante Marktanteile konnte sie aber bislang nicht gewinnen.
Im Kampf gegen Google verhandelt Microsoft daher noch immer mit dem Internet-Konzern Yahoo über eine Kooperation. In der Nacht zum Freitag sollte laut "Wall Street Journal" darüber die Spitze von Yahoo beraten - bislang ist dies nicht geschehen. Eine Übernahme von Yahoo durch Microsoft war im vergangenen Jahr spektakulär gescheitert.
Angesichts der vielen Unsicherheiten betrachtet die Börse Microsofts Neupositionierung derzeit mit gemischten Gefühlen. Weder Windows 7, noch die Verhandlungen mit Yahoo konnten den darbenden Aktienkurs signifikant heben auch die Ankündigung der Bing-Suchmaschine sorgte nur für ein kurzes Strohfeuer. Die schlechten Quartalszahlen drücken den Kurs nun wieder: Am Freitag brach der Aktienwert deutlich ein.
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