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GfK-Index Warum das Konsumklima besser ist als die Realität

2. Teil: Warum die Auswahl der Befragten zweifelhaft ist

Es fallen bei Bürkl Begriffe wie "Kontrapositionssaldo", "Regressionsanalyse" oder "zweistufiges Quota-Verfahren." Doch der Mitvierziger drückt sich davor auszusprechen, was Kritiker dem Index generell vorwerfen: Er ist methodisch wenig geeignet, das echte Konsumverhalten abzubilden. Die wahre Aussagekraft über Deutschlands Binnenkonjunktur bleibt begrenzt. "Ich habe meine Zweifel, dass der Index als Leading-Indikator für den Zustand der Binnenkonjunktur taugt", sagt Stefan Schneider, Leiter der Abteilung Makro-Trends bei der Deutschen Bank Research. "Der Index ist nicht geeignet, die wirtschaftliche Lage ernsthaft widerzuspiegeln", sagt Christian Dreger, Abteilungsleiter Konjunktur bei Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. "Er liefert keine echte Zukunftsinformation."

Auch die Auswahl der Befragten ist zweifelhaft. So werden ausschließlich Deutsche befragt und keine Bürger anderer Nationalitäten, ganz gleich, wie lange sie in Deutschland leben. Begründet wird die Einschränkung der "Grundgesamtheit" damit, dass man die Fragen nicht in alle Sprachen übersetzen könne. Doch erwiesenermaßen unterscheidet sich das Ausgabeverhalten von Deutschen und Bürgern ohne deutschen Pass grundlegend. Migranten verrichten häufig schlecht bezahlte Jobs und können deshalb auch weniger konsumieren. Die mehr als 15 Millionen Menschen in Deutschland mit Migrationshintergrund im engeren Sinne bei der Befragung auszublenden, verfälscht das Ergebnis grundlegend.

Dabei ist der GfK-Konsumklimaindex ein europäisches Projekt. Finanziert wird die Marktforschung zur Hälfte von der Europäischen Kommission und zur Hälfte von der GfK. Der Index wird in einem identischen "Masterfragebogen" in allen Mitgliedstaaten gleichermaßen erhoben. Der jährliche Etat für Deutschland beträgt allerdings nur 200.000 Euro. Mit diesem Betrag kann man freilich keine ernstzunehmende monatliche Befragung realisieren. Deshalb verkauft das Institut die Ergebnisse, angereichert mit Zusatzinformationen, an die Industrie. Für 2000 Euro jährlich können Unternehmen den GfK-Newsletter abonnieren. Vor allem der Index verschafft dem Nürnberger Institut das Renommee für spätere kommerzielle Aufträge. Inzwischen beschäftigt die GfK weltweit mehr als 10.000 feste Mitarbeiter, der Umsatz kletterte 2008 auf 1,22 Milliarden Euro.

Raster ist zu grob

Natürlich geben die Nürnberger Experten vor, präzise Daten zu erheben und die Befragten nicht mit dem individuellen Wissensdurst der Industrie zu beeinflussen. Denn wann immer einer der 600 Interviewer einen Befragten für den monatlichen GfK-Konsumklimaindex zu Hause besucht, werden auch bezahlte Befragungen der Unternehmen mit durchgeführt. Allerdings immer erst nach dem amtlichen Interview im Auftrag der EU.

Zwar gibt die GfK vor, bei ihren Befragungen sämtliche "soziodemografischen Faktoren" zu berücksichtigen. So werden ebenso viele Männer und Frauen befragt, wie prozentual in der Gesellschaft leben. Städte und Dörfer stehen bei der Befragung in einem ebenso ausgewogenen Verhältnis wie in der Realität. Das gleiche gilt für Alter oder Haushaltsgröße - die 2000 Befragten sollen exakt den wahren bundesdeutschen Strukturen entsprechen.

Allerdings geben die Nürnberger Forscher eben nur dieses grobe Raster vor. Wen die Interviewer letztlich besuchen und befragen, bleibt ihnen selbst überlassen. Da liegt es nahe, dass viele der 600 Interviewer in Auftrag der GfK Freunde und Bekannte besuchen, die schnell und unkompliziert auf die zwölf Fragen antworten.

Diese fragwürdige Praxis war auch schon Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten. Am Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen beispielsweise belegt die Ökonomin Ulrike Batz auf 169 Seiten, warum der Index überbewertet und methodisch fragwürdig ist. Es zeige sich, "dass die betrachteten Konsumklimaindizes für sich genommen und innerhalb recht einfach spezifizierter Ansätze einen gewissen Beitrag zur Erklärung des privaten Verbrauchs liefern", sagt Batz. "Im Rahmen einer anspruchsvolleren makroökonomischen Konsumfunktion bewähren sich die GfK-Indizes dagegen nicht", so die Wissenschaftlerin. Sie würde "die Verwendbarkeit dieses GfK-Index eher skeptisch beurteilen", so Batz. Er erbringe schlicht "keinen erweiterten Erklärungsgehalt."

GfK-Mann Bürkl dagegen hat eine ganz andere Erklärung, warum sich der Index nicht vom Fleck bewegt, während alle anderen Daten steil nach unten zeigen. Es werde ja immer gesagt, der zurückliegende Aufschwung sei an den Menschen vorbeigegangen, so Bürkl. "Jetzt geht eben auch der Abschwung an ihnen vorbei."

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