Wirtschaft



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25.07.2009
 

"Gutachteritis"

Betriebsratschef wirft Guttenberg Anti-Opel-Verschwörung vor

Klaus Franz holt zum Gegenschlag aus: Der Opel-Betriebsratschef wirft dem Wirtschaftsministerium vor, den Autobauer gezielt in die Insolvenz treiben zu wollen. Zuvor war ein im Auftrag Guttenbergs erstelltes Gutachten bekanntgeworden, das Opel verheerende Prognosen stellt.

Hamburg - Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sieht eine Verschwörung im Gange: "Hier liegt der Verdacht nahe, dass man mit deutschen Steuergeldern Gutachteritis betreibt, um Opel bewusst in die Insolvenz zu treiben", sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte die "Financial Times Deutschland" über eine Analyse im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums berichtet, die mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit von Opel zu einem vernichtenden Urteil kommt. Danach könne Opel mit keinem der drei Investoren-Angebote langfristig als eigenständige Marke erhalten werden.

Opel-Produktion in Rüsselsheim: Betriebsratschef Franz kritisiert "Gutachteritis"
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DDP

Opel-Produktion in Rüsselsheim: Betriebsratschef Franz kritisiert "Gutachteritis"

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte bereits mit seinen früheren Überlegungen zu einer Insolvenz und den sich daraus ergebenden Chance für einen Neuanfang für mächtig Ärger gesorgt. Unter anderem hatte der Opel-Betriebsrat diesen Weg vehement abgelehnt, mit der Begründung, dass dann das Vertrauen der Autokäufer in die Marke zusammenbrechen könnte.

Die Diskussion flammt nun erneut auf. In dem aktuellen Gutachten der Investmentbank Lazard heißt es der "FTD" zufolge: "Die Berater sehen in allen drei Angeboten kaum Perspektiven für Opel als eigenständigen Autobauer." Die erforderliche Größe sei kaum erreichbar, zitiert das Blatt aus dem Dokument.

Die Opel-Treuhandgesellschaft betonte am Samstag in einer Mitteilung, sie habe sich noch nicht auf einen Anbieter für Opel festgelegt. Vielmehr werde die Opel-Mutter General Motors (GM) weitere Verhandlungen mit dem Konsortium um den kanadisch- österreichischen Zulieferer Magna sowie dem Finanzinvestor RHJI führen. Ein Angebot aus China ist dagegen schon aus dem Rennen. Die Opel-Treuhand soll beim Verkauf von 65 Prozent des Europa-Geschäfts von General Motors mitwirken.

"Wir als Treuhandgesellschaft sehen uns verpflichtet, die Meinungen aller Beteiligten im laufenden Verfahren einzuholen", sagte der Vorsitzende des Treuhand-Beirats, Fred Irwin. "Wir werden unsere Entscheidung erst dann treffen, wenn die hierfür notwendigen Voraussetzungen und eine entscheidungsreife Vorlage zur Verfügung stehen." Zuvor hatten sich Bund, Länder und der Opel-Betriebsrat klar für Magna ausgesprochen, der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) bevorzugt dagegen das Konzept des Finanzinvestors RHJI. Die Entscheidungen im Treuhand-Beirat, in dem Vertreter von Bund, Ländern und GM gemeinsam sitzen, müssen in den ersten sechs Monaten einstimmig fallen.

Nach SPIEGEL-Informationen hat sich das Klima in den Verhandlungen zwischen Bundesregierung und GM aber weiter verschlechtert.Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann hatte nach mehreren erfolglosen Verhandlungsrunden in einem Brief an GM-Verhandlungsführer John Smith klargestellt, dass Kredite und Bürgschaften des Staates an Bedingungen geknüpft seien. So müsse der künftige Eigentümer unter anderem gewährleisten, dass Opel als eigenständige Marke dauerhaft erhalten bleibe.

Zuvor war immer wieder spekuliert worden, General Motors wolle Opel mit Staatshilfe sanieren lassen und den Autobauer dann wieder billig zurückkaufen. Es sehe so aus, als ob GM die Schmutzarbeit RHJ überlassen wolle "und sich dann ins sanierte Unternehmen zurückkaufen möchte", kritisierte auch der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel in der Branchen-Zeitung "Automobilwoche". Bei einer Insolvenz von Opel hätte GM praktisch keine Mitspracherechte mehr.

GM selbst war nach US-Recht in die Insolvenz gegangen. Dabei verloren Anteilseigner und Gläubiger einen Großteil ihrer Investitionen, GM versucht nun, befreit von Altschulden neu zu starten.

Bereits in der kommenden Woche könnte eine Entscheidung über Opel fallen. "Es wird sicher eine ereignisreiche Woche werden", sagte Franz. Er wisse aber noch nicht, ob ein Investor bereits den Zuschlag erhalte. "Wir brauchen einen Investor, wo wir eine langfristige Zukunft haben, wo wir Zugang zu globalen Märkten haben, wo wir ein hohes Maß an Eigenständigkeit haben", betonte Franz.

ase/dpa

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