Wirtschaft



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25.07.2009
 

Aufschwungsignale

Konjunkturschub in China lässt deutsche Exporteure hoffen

China boomt wieder, und Deutschlands Außenhändler schöpfen Zuversicht: Die Stimmung im wichtigen Exportsektor hat sich erneut verbessert. Auch immer mehr Volkswirte erkennen ein Ende der Konjunkturtalfahrt. Die Arbeitslosigkeit, glauben sie, könnte weniger stark steigen als bisher befürchtet.

München/Berlin/Hamburg - Ökonomen in Deutschland sind sich uneins über die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage. Während die Allianz und einige Wirtschaftsinstitute mit einer spürbaren Erholung der Konjunktur im zweiten Halbjahr rechnen, warnten zum Beispiel die Chefökonomen von Deka- und Commerzbank vor Euphorie. Im Moment gewinnen aber die Konjunkturoptimisten wieder die Oberhand. So hat auch der Aktienindex Dax

zuletzt die längste Gewinnserie seit vier Jahren hingelegt.

Volkswagen-Modelle vor der Verschiffung (in Emden): Sogar Japan hofft wieder - der deutsche Export erwartet verbesserte GeschäfteZur Großansicht
REUTERS

Volkswagen-Modelle vor der Verschiffung (in Emden): Sogar Japan hofft wieder - der deutsche Export erwartet verbesserte Geschäfte

Anzeichen auf ein Ende der Talfahrt gibt es zumal im Export. Er ist für die deutsche Konjunktur eine der wichtigsten Säulen. Der ifo-Exportklima-Index, den das ifo-Institut monatlich im Auftrag der "Wirtschaftswoche" erhebt, ist im Juni erneut gestiegen. Der Index legte um 0,1 auf 0,6 Punkte zu. Auch in den beiden Monaten davor habe er sich in ähnlich großen Schritten verbessert.

Positiv beeinflusst wird die deutsche Exportwirtschaft durch das kräftige Wachstum im zweiten Quartal in China. Die Wirtschaft des asiatischen Wachstumsriesen hatte sich zuletzt spürbar von der Finanzkrise erholt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei im zweiten Vierteljahr um 7,9 Prozent gewachsen, hatte das nationale Statistikbüro (NBS) in Peking mitgeteilt. Im ersten Quartal lag die Rate noch bei 6,1 Prozent. Die verbesserte Konjunkturlage in anderen asiatischen Ländern helfe den Exporteuren ebenfalls, schreibt die "Wirtschaftswoche".

"Freier Fall beendet"

Auch bei Firmen und Konsumenten in wichtigen anderen Handelspartnerländern Deutschlands steige die Stimmung, so die ifo-Volkswirte. Das betreffe inzwischen selbst Japan, wo im April noch keine Aufbruchstimmung geherrscht habe. Jetzt blickten Unternehmer und Verbraucher dort wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Der Export-Index liegt historisch immer noch auf einem niedrigen Level. Hinzu kommt: Die Exporte sind zwar gegenüber Mai um 0,3 Prozent gewachsen. Sie liegen aber noch immer um knapp 24 Prozent unter Vorjahresniveau.

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin erkennt aber Anzeichen für eine Konjunkturwende. "Manche Indikatoren zeigen eine wirtschaftliche Erholung an, und man wird an den deutschen Zahlen für das zweite Quartal sehen, dass wir den freien Fall beendet haben", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag. Größter Risikofaktor bleibe der Finanzsektor, weil noch immer viele Schrottpapiere in den Bankbilanzen lägen.

Zimmermann sagte, er sehe auch die Entwicklung der Arbeitslosigkeit eher optimistisch. Er gehe nicht davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr vier Millionen und im kommenden Jahr fünf Millionen erreichen werde.

Auch Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, sagte, die Arbeitslosigkeit werde nicht so stark steigen wie in vielen Schreckensszenarien unterstellt. "Der Schockzustand der Wirtschaft ist vorbei, die Talsohle der Rezession liegt hinter uns", sagte er der "Bild"-Zeitung. Sein Unternehmen geht davon aus, dass die Wirtschaft nächstes Jahr bereits wieder um 2,7 Prozent wachsen und damit einen Großteil des diesjährigen Konjunktureinbruchs wieder wettmachen wird.

In vielen Branchen haben sich in den vergangenen Monaten die Hinweise auf ein Ende der rasanten Talfahrt gemehrt: So nahmen sowohl die Industrieaufträge als auch die Produktion stark zu. Zuletzt war der vierte Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindexes in Folge als Zeichen für eine Trendwende gewertet worden. Im ersten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt mit 3,8 Prozent aber so stark eingebrochen wie noch nie seit Einführung dieser Statistik 1970.

Der CSU-Politiker Hans Michelbach mahnte hingegen zur Vorsicht und forderte Steuererleichterungen und eine bessere Kreditvergabe der Banken, um die Wirtschaft auf Wachstumspfad zu bringen. "Eine Schwalbe macht noch lange keinen Sommer." Niemand wolle die Entwicklung schlechtreden, erklärte der Vorsitzende der CSU-Mittelstandsunion in München. "Aber wir sollten einen klaren Blick für die Wirklichkeit behalten." Es müssten alle Hemmschuhe entfernt werden, damit der Konjunkturzug wieder richtig Fahrt aufnehmen könne. Dazu gehörten eine leichtere Kreditvergabe ebenso wie Änderungen bei der Unternehmensbesteuerung und der Erbschaftsteuer, forderte Michelbach.

"US-Konsumenten müssen weiter sparen"

Die Chefökonomen von Deka- und Commerzbank verwiesen auf die kräftige Eintrübung des US-Verbrauchervertrauens. Dieses sei ein Indiz dafür, dass die Bewältigung der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise noch einige Zeit dauern werde: "Der erste Rückgang des Verbrauchervertrauens nach der Anstiegsserie seit Februar sollte uns daran erinnern, dass die Welt nach der Krise schwierig genug bleiben wird", sagte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater "Handelsblatt.com".

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sprach von enttäuschenden Daten. Die Eintrübung des Verbrauchervertrauens erinnere daran, "dass der Rezession keine kräftige Erholung, sondern lediglich eine blutleere wirtschaftliche Aufwärtsbewegung folgen dürfte", sagte er. Schließlich dürften die US-Immobilienpreise noch bis weit in das kommende Jahr hinein fallen. "Das schmälert das Vermögen der US-Konsumenten, sie werden mehr sparen müssen." Gleichwohl vertrat Krämer die Ansicht, dass die Rezession nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA zu enden scheine. Nun, da der Unsicherheitsschock abgeklungen sei, holten Unternehmen einen Teil der unterlassenen Investitionen nach.

itz/Reuters/dpa/dpa-AFX/ddp/AP

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