Von SPIEGEL-ONLINE-Krisenkolumnist Thomas Tuma
Hamburg - Der Kapitalismus ist tot, mindestens. Er liege quasi auf dem Elefantenfriedhof der Welt-Ideen-Geschichte, heißt es, was natürlich Quatsch ist. Der Kapitalismus ist so gegenwärtig wie nie zuvor, auch in dieser Kolumne, die einer knallharten Business-Idee folgt: Das Themenfeld "Weltkrise/Humor" wurde vor einigen Monaten als Marktnische identifiziert, die nun zweimal pro Woche penetriert werden soll. Versonnenes Schmunzeln als Unique Selling Point.
Der Text hat dabei in erster Linie die Aufgabe, ein geeignetes redaktionelles Umfeld für die werbetreibende Wirtschaft zu schaffen, die wir hier mal sehr herzlich grüßen wollen, weil sie wiederum den Autor indirekt subventioniert. Wenn es nicht klappt, ist diese Kolumnen-Reihe schon in wenigen Jahrzehnten wieder weg vom Fenster. Das wird hiermit nicht nur prognostiziert, sondern versprochen.
Die Krise ist überall. Sie dominiert Politik, Kultur, Industrie und
Gesellschaft. Irgendwas droht immer gerade unterzugehen: mal eine
Partei oder ein Konzern, mal gleich die Weltwirtschaft oder auch nur
der gesunde Menschenverstand. Alles sehr ernst - bisweilen aber auch
komisch. Zumindest dienstags und donnerstags in der SPIEGEL-ONLINE-Kolumne von Thomas Tuma. Über Anregungen, Lob und Kritik freut sich
thomas_tuma@spiegel.de.
Und auch hier in diesem Text herrscht natürlich eine knallharte Auslese. Kreative Zerstörung im Schumpeter'schen Sinne. Keine Leser, keine Kolumne - viele Leser, viele Kolumnen. Ende Gelände. Klassisches win-win. Die Stärksten überleben. Survival of the fittest. Nur die Harten kommen in den Garten. Klickraten als klarer Erfolgsmaßstab. Quoten-Credibility. Live-Evaluation. Managerslang. Stammel-Sprech.
Ein bisschen rumkritteln bringt keine Quote
Der Kapitalismus ist also allgegenwärtig wie nie. Das wissen auch die Kapitalismuskritiker, die momentan schlicht das beliebtere Produkt anbieten. Allerdings: Unter dem Level von Weltuntergangsprophezeiungen braucht man in der Branche gar nicht erst antreten. Nur so ein bisschen rumkritteln bringt keine Quote. "Der Kapitalismus ist gescheitert", sagte zum Beispiel der Managementexperte Fredmund Malik kürzlich dem "Handelsblatt".
Ja, okay, wenn's nicht ernster wird, ist es ja gut, denkt man sich da achselzuckend. Düstere Requiems stoßen auf weit mehr Nachfrage als jene euphorischen Aufrufe, mit denen man vor wenigen Jahren noch Geld scheffeln konnte: "Tschakka, spekulieren ist geil!"
Wo überwintern eigentlich zur Zeit all die alerten Motivationstrainer und braungebrannten Börsengurus, die früher die Mehrzweckhallen deutscher Metropolen wie auch die "Focus"-Bestsellerlisten verstopften? Und was hat das alles mit Charlotte Roche zu tun? Das bleibt ihr Geheimnis - das ja auch nur hier reinlocken sollte, um mit dieser Kolumne und der dazugehörigen Optik wieder ganz nach oben an die Tages-Klick-Spitze zu kommen. Hoffentlich hat jemand an die Bildergalerie gedacht...
Glückwunsch, Sie jedenfalls haben prima mitgemacht! Vielen Dank für Ihre Mithilfe bei der Rettung der Weltwirtschaft!
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Der Artikel war wirklich Klasse. Dieses Sternchen sammeln geht mir auch auf die Nerven. Schlimm fand ich es, dass zur Zeit einige sogar Geocaches beurteilen wollen. Da habe ich mich auch gefreut, dass ich mal was tun kann, und [...] mehr...
Wehmütig erinnert man sich an alte Zeiten! Es gab einmal einen Spiegel, der ein politisches Nachrichtenmagazin gewesen ist, doch heute scheint der Spiegel zur absatzförderten Klatschpostille verkommen zu sein! Wie konnte es nur [...] mehr...
Die Wege der Medien sind eben unergründlich, wie es das Beispiel der Literatur-“Bitch“ zeigt. Was den Kapitalismus betrifft: Der Begriff hängt an einem seidenen Faden. Wenn Kuba fällt gibt es keinen Gegenpol mehr. Am Ende kommt [...] mehr...
T.C.Boyle und "Ein Freund der Erde" würde ihnen in diesem Zusammenhang sicher gefallen. Der hat das Thema schon vor Jahren ziemlich präzise wie sarkastisch in Buchform gepasst, nur ist Michael Jackson schon von uns [...] mehr...
Natürlich boomt der Kapitalismus wie auch die Kritik an ihm, denn längst ist der Markt einzig existierende und alles vereinende Kategorie. Selbst das Wasser, das in den letzten Tagen der Menschheit uns bis zum Halse reichen wird, [...] mehr...
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