Washington - Der freie Fall der US-Wirtschaft ist nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu Ende: Durch die umfassenden Hilfsmaßnahmen sei das Vertrauen in die Finanzstabilität gestärkt worden, erklärte der IWF am Freitag in seinem jährlichen Bericht zur Lage der US-Wirtschaft.
US-Präsident Barack Obama deutete die jüngsten US-Wirtschaftsdaten am Freitag als "Zeichen der Stabilisierung". Die staatlichen Konjunkturspritzen und Stabilisierungsprogramme zeigten langsam Wirkung, sagte er in Washington.

Präsident Obama bei Townhall-Treffen in Raleigh, North Carolina (am 29. Juli): Warten auf neue Jobs
Obama schränkte denn auch ein: Es werde aber noch viele Monate dauern, bis die US-Wirtschaft endgültig die tiefe Rezession überwunden habe. Die Wirtschaftskrise werde erst dann wirklich zu Ende sein, wenn die Unternehmen wieder neue Arbeitsplätze schaffen.
Der Währungsfonds bekräftigte frühere Prognosen, nach denen das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 2,6 Prozent zurückgehen und im kommenden Jahr um 0,8 Prozent wachsen wird. Das BIP der weltgrößten Volkswirtschaft werde schon in der zweiten Jahreshälfte "ein bisschen" wachsen, sagte der Vizechef der IWF-Nordamerika-Abteilung, Marcello Estevao.
Vor allem die steigende Arbeitslosigkeit bedrohe die Bemühungen um eine Konjunkturbelebung, sagte Estevao. "Wenn Menschen ihre Arbeit verlieren, die Löhne nicht so stark steigen, dann ist es schwerer für die Menschen, ihre Hypotheken abzubezahlen." Über die Folgen dieses Effekts herrsche große Ungewissheit.
Eine nachhaltige Erholung wird laut IWF nicht vor dem zweiten Quartal 2010 Jahres einsetzen. Der dauerhafte Aufschwung werde nur schleppend in Gang kommen. Die finanziellen Belastungen seien noch hoch, und von den geschwächten Arbeits- und Immobilienmärkten gingen weiterhin Risiken aus.
Apple und 3M unter den Gewinnern an der Börse
Die US-Börsen eilen der Zeit voraus - und verbuchten Kursgewinne. Der Dow-Jones
-Index der Standardwerte stieg bis zum New Yorker Nachmittagshandel um 0,3 Prozent auf 9177 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann 0,2 Prozent auf 988 Zähler hinzu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite
notierte 0,3 Prozent im Plus bei 1989 Stellen.
Die Konsumausgaben seien etwas schwächer ausgefallen als erwartet, sagte Burt White von LPL Financial der Nachrichtenagentur Reuters. Ähnlich äußerte sich Investmentberater Alan Lancz. "Sorgen machen uns die Verbraucher und welch große Rolle sie in unserer Wirtschaft spielen", sagte er. Bei ihren Ausgaben sei keine Erholung zu erkennen. Optimistischer stimmten ihn dagegen die Bilanzen: Insgesamt seien die Zahlen nicht so schlecht ausgefallen. "Wir sind auf dem richtigen Weg", fügte Lancz hinzu.
Zu den Kurs-Gewinnern gehörte der Industriekonzern 3M mit einem Plus von 1,6 Prozent sowie der Computer- und iPhone-Hersteller Apple
mit einem Kursgewinn von 0,8 Prozent. Auch der Versicherungskonzern Travelers fiel mit einem Plus von 2,5 Prozent positiv ins Gewicht. Broker äußerten sich wohlwollend, nachdem Travelers die Prognose fürs Gesamtjahr erhöht hatte.
Weniger gut lief es nach dem Gewinnrückgang im Quartal für den größten US-Unterhaltungskonzern Walt Disney
, der an der Börse 3,8 Prozent verlor. Abwärts ging es auch für die Aktien von Constellation Energy. Zwar hat der Energiekonzern im zurückliegenden Vierteljahr dank höherer Margen im Firmen- und Privatkundengeschäft die Erwartungen des Markts übertroffen und seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr angehoben. Die Anteilsscheine gaben dennoch 2,2 Prozent nach.
ssu/itz/dpa/Reuters
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