Von Stefan Schultz
Derzeit attackiert Google seine beiden Hauptgegner Apple und Microsoft äußerst aggressiv. Experten zufolge ruft der Suchmaschinenriese damit immer mehr einen neuen, mächtigen Gegner auf den Plan: die amerikanischen Kartellrechtler. Kann die Konkurrenz Googles Expansion nicht stoppen, könnten sie es tun - notfalls mit Wettbewerbsklagen.
"Googles größte Herausforderung ist mitunter die eigene Größe", sagt Thomas Liskamm, IT-Analyst von der Dresdner Bank. "Das Unternehmen mischt in immer mehr Märkten mit Gratisangeboten mit, die durch die Einnahmen aus der Suchmaschinenwerbung quersubventioniert werden." Dem Konzern drohten dadurch künftig "unbequeme Auseinandersetzungen" mit den Kartellrechtlern.
Schon jetzt steht Google unter Druck. 2008 etwa untersagte das US-Justizministerium eine Kooperation mit Yahoo im Bereich der Suchmaschinenwerbung, da diese Googles monopolähnliche Stellung weiter zementiert hätte. Aktuell hat Google wegen seines Projekts, Tausende Bücher einzuscannen, erneut die amerikanischen Kartellhüter im Haus.
Auch der Rücktritt von Eric Schmidt aus dem Apple-Verwaltungsrat ist zum Teil auf Behördendruck zurückzuführen: Die Federal Trade Commission (FTC) hatte erwogen zu überprüfen, ob Schmidts Doppelrolle kein Verstoß gegen die Section 8 des Clayton-Antitrust-Gesetzes darstelle. Das besagt, dass Unternehmen mit gemeinsamen Mitgliedern in den Kontrollgremien ihren Informationsaustausch beschränken müssen.
Gary Reback, Anwalt der Kanzlei Carr & Ferrell, die in den neunziger Jahren das US-Justizministerium bei Schritten gegen Microsoft unterstützte, sagte der "New York Times" diesen Dienstag, Schmidts Rücktritt zeige, dass Google die sich verschärfenden Kontrollen der Kartellwächter offenbar sehr ernst nehme.
Und dafür gibt es einen guten Grund: Laut einem Bericht der Technologiezeitschrift "Wired", ist Amerikas oberste Wettbewerbshüterin Christine A. Varney offenbar dabei, ein politisches Klima zu erzeugen, in dem massive Kartellrechtsverfahren gegen Google durchsetzbar wären.
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