Wirtschaft



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12.08.2009
 

Umfrage unter Führungskräften

Was Manager wirklich wollen

Von Christian Rickens und Klaus Werle

Geld? Zweitrangig. Gier? I wo! Managern geht es in erster Linie um die Sache. So zumindest das Ergebnis einer Umfrage unter Führungskräften. Was demnach wirklich zählt, ist Anerkennung - der Mythos des leistungsbereiten "Über-Performers" wird jedoch zunichte gemacht.

Wenn es um die Vergütung von Managern geht, sind zwei Skalen nach oben offen: die der Summen - und die der öffentlichen Empörung. Über "Exzesse" wetterte Erzbischof Reinhard Marx; Ver.di-Chef Frank Bsirske sieht eine "Kultur der Maßlosigkeit" in den Chefetagen am Werk. Die "Bild"-Zeitung schimpfte über die scheidenden Vorstände der Dresdner Bank: "Sie sind so schamlos und so gierig, richtige Geldsäcke!"

Die Nummer eins: "Managern geht es in erster Linie um die Anerkennung ihrer Arbeit"
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Die Nummer eins: "Managern geht es in erster Linie um die Anerkennung ihrer Arbeit"

Etwas differenziertere Antworten auf die Frage, wie gierig Top-Manager sind, erlaubt jetzt eine Umfrage der Personalberatung Egon Zehnder unter gut tausend Führungskräften aus aller Welt. Überraschendes Ergebnis: Anders als Gewerkschaften, Bischöfe und Boulevard vermuten, ist Geld für die Spitzenkräfte keineswegs der wichtigste Anreiz.

Laut Studie nennen drei Viertel der Befragten interessante Arbeitsinhalte als wichtigsten Motivator für ihre Tätigkeit. Auch die Möglichkeit der persönlichen Weiterentwicklung rangiert vor dem Lockruf des Geldes. Die Vergütung dagegen betrachtet in Deutschland nur jeder Zweite als wichtigsten Aspekt; in den USA sind es zwei Drittel.

Und: Für eine interessantere Aufgabe wären weltweit 63 Prozent der Manager bereit, auch eine Gehaltskürzung zu akzeptieren - unter Schweizer Top-Executives sogar stolze 84 Prozent.

"Managern geht es in erster Linie um die Anerkennung ihrer Arbeit", sagt Johannes Graf von Schmettow (47), der Zehnder-Deutschland-Chef. "Monetäre Anreize spielen vor allem als Ausdruck dieser Anerkennung eine Rolle - und als Vergleichsmaßstab zu den Kollegen." Das erklärt vielleicht den erstaunlichsten Befund der Umfrage: Fast 40 Prozent halten eine zumindest zeitweise staatlich verordnete Obergrenze ihrer Gehälter für vernünftig. Wenn alle weniger kriegen, tut es offenbar weniger weh.

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Dennoch atmet die Studie nicht den Geist neuer Bescheidenheit, im Gegenteil. Gerade jüngere Führungskräfte fordern neben angemessener Vergütung auch Jobsicherheit, eine gute Unternehmenskultur und gesunde Work-Life-Balance, der stattliche 85 Prozent eine gestiegene Bedeutung attestieren. Das Kalkül: Wenn Geld allein nicht glücklich macht, müssen erst recht auch die anderen Faktoren stimmen. "Die Krise hat hier bislang nicht zu einer Reduzierung der Anspruchshaltung geführt", bilanziert Graf Schmettow trocken.

Dass die Unternehmen gut gewappnet sind, die ganzheitlichen Forderungen der High Potentials zu erfüllen, daran gibt es allerdings Zweifel. Fast jeder dritte Manager sieht seine Firma hier schlecht vorbereitet. Und das länderübergreifend - zeigt die Studie doch auch, dass sich in Motivations- und Vergütungsfragen nationale Managementkulturen weitgehend aufgelöst haben. Mit Ausnahme vielleicht der Schweiz, wo sich Führungskräfte traditionell stärker als Dienende der Gesellschaft begreifen.

Besonders deutlich wird das in der Frage nach der überdurchschnittlichen Leistungsbereitschaft der Wirtschaftselite, die gern als Argument für Spitzengehälter genannt wird. Dieser vielgerühmte Einsatzwille der Führungskräfte aber entpuppt sich in der Umfrage als Mythos. Nicht einmal jeder Dritte stimmt der Aussage zu, Manager würden bereits so gut bezahlt, dass eine überdurchschnittliche Performance selbstverständlich sei. Lediglich unter Schweizer Managern ist der Gedanke mehrheitsfähig. Der riesige Rest findet das Leistungsprinzip wohl zu schweißtreibend.

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