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13.08.2009
 

Mini-Plus beim BIP

Deutschland wankt aus der Rezession

Von Stefan Schultz

Baustelle in Berlin: Hoffnung auf den KonjunkturfrühlingZur Großansicht
DDP

Baustelle in Berlin: Hoffnung auf den Konjunkturfrühling

0,3 Prozent Plus: Die Rezession in Deutschland ist offiziell beendet, doch die Wachstumszahl ist durch viele Sonderfaktoren verzerrt. Erst Abwrack-Boom und staatliche Investitionen am Bau machten die Wende möglich. Jubel wäre verfrüht - der Härtetest am Arbeitsmarkt kommt noch.

Hamburg - Ist es das jetzt schon? Das Ende der Krise? Spätestens seit diesem Donnerstagmorgen darf man in Deutschland auch offiziell darauf hoffen. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts scheinen zu bestätigen, was Politiker und Konjunkturoptimisten schon seit Wochen predigen: Die heimische Wirtschaft, so schreiben Deutschlands Oberstatistiker, habe im zweiten Quartal mit 0,3 Prozent im Plus gelegen - preis-, saison- und kalenderbereinigt. Das erste Mal seit einem Jahr wächst laut dieser Berechnung die Wirtschaft. Die Rezession ist nach offizieller Deutung vorbei.

0,3 Prozent - ein Mini-Plus, das in den Augen mancher Optimisten die Wende bedeutet. "Der deutsche Alptraum ist vorbei, die schlimmste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg ist vorüber", schrieben Konjunkturexperten der Bank Unicredit in einer Studie vom Donnerstag.

Und Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, jubelt, dass "nach dem beispiellosen Sturzflug der Wirtschaft" die "Rezession nun beendet" sei - und weckt Hoffnungen auf einen Konjunkturfrühling im Herbst: Im dritten Quartal, so Krämer, werde die Wirtschaft "Fahrt aufnehmen" und "bis zu einem Prozent wachsen". Der "Unsicherheitsschock", der nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman die Märkte lähmte, sei überwunden.

Es fühlt sich gut an, das Ende der Krise auszurufen - doch man muss es vorsichtig tun: Die Zahlen des Statistischen Bundesamts sind alles andere als unverrückbar. Und der Aufschwung, auf den immer mehr harte und weiche Konjunkturindikatoren hinweisen, ist noch immer von vielen Unwägbarkeiten geprägt.

Dass das leichte Plus in Deutschlands Konjunkturbilanz bestenfalls eine Tendenz abbildet, macht das Statistische Bundesamt in der eigenen Pressemitteilung transparent. Die Behörde weist darauf hin, dass die genaue Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts erst "vier Jahre" nach dem laufenden Quartal bestimmt werden kann. Erst dann lägen alle notwendigen Basisdaten vor, um die wirtschaftliche Entwicklung wirklich sicher bestimmen zu können.

"Statistik mit spitzen Fingern anfassen"

In welchem Kontext das Statistische Bundesamt die eigene Statistik begreift, zeigt ein Aufsatz von Wolfgang Strohm, dem Leiter der Abteilung Gesamtrechnungen und Arbeitsmarkt. Strohm hat den sich wechselseitig ständig prägenden Fluss aus weichen Prognosen, Schätzungen und harten Konjunkturdaten in einem Aufsatz beleuchtet. Titel der durchaus selbstkritischen Schrift, die vielen Experten als Standardwerk gilt: "Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen als die Kunst des Möglichen".

Tatsächlich ändern sich die Angaben des Statistischen Bundesamts oft noch nachträglich. "Erstzahlen werden über einen langen Zeitraum revidiert, manchmal sogar mehrfach", sagt Christian Dreger, der Leiter der Konjunkturabteilung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Wie stark die Werte schwanken, belegt ein aktuelles Beispiel: Deutschlands Oberstatistiker haben die BIP-Entwicklung des ersten Quartals 2009 im Vergleich zum vorangegangenen Bericht von minus 3,8 auf minus 3,5 Prozent revidiert.

Die Zahlen, die das Statistische Bundesamt am Donnerstag veröffentlicht hat, sind zudem noch unvollständig. Ausführliche Ergebnisse zum zweiten Quartal gibt die Behörde erst am 25. August 2009 bekannt. "Ich würde die aktuelle Statistik mit spitzen Fingern anfassen", resümiert Jörg Hinze, Konjunkturexperte beim Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). "Sollte sich die Lage doch noch einmal verschlechtern, könnten schlimmstenfalls sogar die Zahlen für das zweite Quartal nachträglich noch ins Minus rutschen."

"Rechnerisches Plus"

Die Zahlen suggerieren zudem nicht nur aus technischer Sicht mehr Sicherheit als real existiert. Denn das Mini-Plus ist derzeit vor allem ein rechnerisches. In seiner Pressemitteilung merkt das Statistische Bundesamt an, dass "die preisbereinigten Importe erheblich stärker zurückgegangen sind als die Exporte". Einer der großen Effekte, der die Bilanz der Bundesrepublik ins Plus gehievt hat, ist somit ein Trugbild: Das Land wirkt reicher, weil es weniger ausgibt.

"Die BIP-Entwicklung ist durch die Entwicklung bei den Importen und Exporten deutlich verzerrt", sagt Gustav Horn, Direktor des Instituts für Konjunkturforschung und Makroökonomie (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Auch sonst ist die Bilanz der Bundesrepublik von vielen Sondereffekten belastet. "Der überraschend starke Aufschwung ist im zweiten Quartal vor allem auf den Boom zurückzuführen, den die Abwrackprämie auf dem Automarkt ausgelöst hat", sagt HWWI-Experte Hinze. Wie stark sich diese Maßnahme auf die Entwicklung des BIP auswirkt, lässt sich kaum schätzen. Die Bundesregierung hat dafür fünf Milliarden Euro bereitgestellt, was 0,25 Prozent des BIP entspricht. Konjunkturspezialisten wie Hinze schätzen die Multiplikatoreneffekte aber auf das drei- bis vierfache - das wären 0,75 bis ein Prozent BIP-Plus im zweiten Quartal.

Hinzu kommt, dass auch andere Konjunkturmaßnahmen wie staatliche Investitionen in den Bausektor zusehends anlaufen: "Positive Impulse kamen im Vorquartalsvergleich von den Bauinvestitionen", schreibt das Statistische Bundesamt in seiner Mitteilung.

"Das Plus im zweiten Quartal ist maßgeblich durch die Konjunkturprogramme der Regierung bedingt", sagt Hinze. Entsprechend sei mit erheblichen Einbrüchen zu rechnen, wenn die staatlichen Förderungen wieder auslaufen. Das könnte sich schon im kommenden Quartal spürbar bemerkbar machen, wenn etwa der Abwrack-Boom wieder abebbt. "Man sollte das nicht negativ bewerten", sagt Hinze. Schließlich sei es genau die Funktion von Konjunkturprogrammen, wirtschaftliche Schwächephasen zu überbrücken. "Einen sich selbst tragenden Aufschwung signalisieren die aktuellen BIP-Zahlen aber definitiv noch nicht."

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30.03.2010 von rosiweissnix:

Natürlich sind Sie weder klüger noch dümmer, jedoch werden Sie für "dumm" verkauft, jedoch mit immer dümmeren Verkaufssprüchen. Die Strategie ist bekannt, birgt jedoch Gefahren. Es gibt einen berühmt berüchtigten [...] mehr...

30.03.2010 von Margrit2:

Zustimmung. Klickt man das örtliche Arbeitsamt an, kommen nur Stellen bei Zeitarb.-Firmen oder Callcentern. Mit Arbeitslosen wird mittlerweile ein ganz enormer Mißbrauch getreiben. Sogar Callcenter erhalten [...] mehr...

30.03.2010 von Margrit2: noch lange nicht

Die Rezession ist noch lange nicht vorbei. Wir werden uns noch wundern. Der artikel -Die Seitenhiebe aus den USA- bringt es auf den Punkt. Amerika hat im Gegensatz zu Deutschland, die Banken in die Pflicht genommen. Das aht [...] mehr...

30.03.2010 von famulus: Ein schöner Tendenzartikel

Ein schöner Tendenzartikel, das und nicht mehr ist es. Wie eine von der Bundesregierung bestellte Lobhudelei. Und wie so vieles von dem, was der "Spiegel" so kund tut, soll es die Leute beruhigen. Aber mehr [...] mehr...

30.03.2010 von rosiweissnix:

Wäre doch mal eine ordentliche Recherche wert und bietet sicherlich genug Stoff für eine schöne Dokumentation ... mehr...

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