Von Stefan Schultz
Ob die Konjunkturprogramme ausreichen, um die deutsche Wirtschaft aus der Krise zu schieben, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Das Mini-Plus des statistischen Bundesamts sagt darüber höchstens tendenziell etwas aus. In Kombination mit weiteren harten und weichen Konjunkturfaktoren, die in den vergangenen Wochen veröffentlicht worden sind, gibt es aber Grund zur Hoffnung, dass Deutschland allmählich aus der Krise wankt:
Experten sehen Deutschland dennoch eine Zeit voller Unwägbarkeiten durchleben. "Der wichtigste Wachstumsfaktor für die heimische Konjunktur ist der von der Regierung am wenigsten steuerbare", sagt DIW-Konjunkturchef Dreger. "Dass das von den Exporten stark abhängige Deutschland die Krise überwindet, hängt ganz maßgeblich davon ab, dass die Welt es ebenfalls schafft - und die Exportnachfrage an den für Deutschland relevanten Märkten deutlich steigt."
Es sei bislang noch nicht absehbar, ob das der Fall sein werde: Zwar zögen wichtige asiatische Märkte wie China und Indien schon wieder an - die Perspektiven in Europa und den mittlerweile hochverschuldeten USA seien dagegen weniger positiv. Auch sei nicht davon auszugehen, dass die wichtigen Boom-Märkte in Osteuropa und Russland schnell aus ihren tiefen Rezessionen kommen - was das deutsche Wachstum ein Stück weit bremse.
Gefährdeter Binnenkonsum
Ebenso unsicher schätzen Experten den für den Aufschwung ebenfalls wichtigen Binnenkonsum ein. Dass dieser trotz Krise bislang relativ stabil geblieben ist, liegt vor allem an der niedrigen Teuerungsrate. Seit Monaten sind die Preise kaum gestiegen - im Juli sind sie sogar erstmals seit 22 Jahren um 0,5 Prozent gefallen. "Die niedrige Inflation wirkt derzeit wie ein Konjunkturprogramm für den Binnenkonsum", sagt HWWI-Experte Hinze.
Der Härtetest für die Konsumstimmung steht allerdings erst noch an: Im Spätherbst wird ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet. Einige Politiker und Konjunkturexperten hoffen zwar, dass der Job-Verfall angesichts der anziehenden Wirtschaft nicht ganz so heftig ausfallen könnte wie befürchtet. Dennoch dürfte die Lage im Herbst angespannt bleiben. "Nach den Bundestagswahlen werden viele Wahrheiten auf den Tisch kommen, etwa höhere Sozialversicherungsbeiträge und eventuell steigende Steuern", sagte Deka-Analyst Sebastian Wanke kürzlich der Nachrichtenagentur dpa. "Dann werden wir sehen, dass das Vertrauen der Verbraucher nicht mehr trägt."
Hinzu kommt, dass die Kurzarbeit immer stärker an ihre Grenzen stößt. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Donnerstag berichtet, sind die Lohnstückkosten - also die Lohnkosten im Vergleich zur Produktionsleistung der Beschäftigten - im ersten Quartal 2009 um 8,1 Prozent gestiegen. In der Industrie schwollen sie sogar um 25 Prozent an. Der Druck auf die Firmen, Mitarbeiter zu entlassen, steigt also, da die Kosten aus dem Ruder laufen. "Die Kurzarbeit entwickelt sich für die Unternehmen zu einer immer größeren Belastung - sollten sich die Aufschwungsignale nicht bald deutlich verstärken, dürften die ersten Unternehmen beginnen, Angestellte zu entlassen", sagt Hinze.
Ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit aber würde den Binnenkonsum stark abbremsen, sagt Hinze. Und er könnte in Kombination mit auslaufenden Konjunkturprogrammen und einer Weltwirtschaft, die aus deutscher Sicht vielleicht nicht schnell genug anspringt, dazu führen, dass das deutsche BIP in einem der kommenden Quartale wieder leicht ins Minus rutscht.
Mit Material von dpa
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