München - Neues Logo, neues Marketing und gigantische Abschreibungen auf den alten Namen Premiere - es war eine teure Umfirmierung, die der Bezahlsender Sky verkraften muss, nachdem er den alten Namen Premiere abgelegt hat. Im zweiten Quartal rutschte das Unternehmen wegen hoher Abschreibungen auf seinen früheren Markennamen deutlich tiefer in die roten Zahlen.
Dennoch sieht sich das Unternehmen einen Monat nach der Umtaufaktion im Plan. "Wir sind zufrieden mit dem Start unter neuem Namen", sagte Sky-Chef Mark Williams am Donnerstag in München. Das neue Fußball-Angebot, das wichtigste Produkt des Bezahlsenders, sei vielversprechend angelaufen. Genaue Zahlen dazu nannte der Bezahlsender allerdings nicht.
Insgesamt verläuft die Entwicklung des Abonnentenstamms nicht optimal. Ende Juni bezogen 2,4 Millionen Kunden das Sky-Angebot - das waren insgesamt etwas weniger als Ende März, allerdings konnte Sky
die Zahl der auf Dauer lukrativeren Laufzeitabonnenten leicht steigern. Bis zum nächsten Jahr soll die Zahl der Kunden deutlich steigen. Als Zielmarke hat das Unternehmen 3 bis 3,4 Millionen Abonnenten ausgegeben.
Der Kampf um Kunden kostet den Konzern viel Geld - ebenso wie die teuren Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga und die Champions League. Vorstandschef Williams, den Sky-Großaktionär Murdoch nach München geholt hatte, geht deshalb im laufenden Jahr weiter von tiefroten Zahlen aus. Erst im vierten Quartal 2010 will das Unternehmen auf Monatsbasis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wieder Gewinne erzielen, 2011 sollen auch unter dem Strich wieder schwarze Zahlen stehen.
In den Monaten April bis Juni lag der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei 63,4 Millionen Euro - nach einem positiven Ergebnis von 11,6 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Unter dem Strich blieb wegen Abschreibungen auf den Markennamen Premiere in Höhe von fast 254 Millionen Euro ein Verlust von 366 Millionen Euro. Schon das Auftaktquartal hatte Sky - damals noch unter dem Namen Premiere - mit einem dicken Minus abgeschlossen. Deshalb kamen die Verluste für Analysten nicht überraschend.
Premiere musste kurz vor Weihnachten mit einem umfangreichen Rettungspaket des Großaktionärs Murdoch vor dem Untergang bewahrt werden. Zuletzt hielt Murdochs Medienkonzern News Corp. fast 40 Prozent an Sky. Viele Experten sehen jetzt die letzte Chance für das Unternehmen, sich am deutschen Markt durchzusetzen. Seit der Gründung vor 18 Jahren kam der Abo-Sender trotz Milliardeninvestitionen in die Bundesligarechte und andere Programme nie richtig auf die Beine. Das größte Problem des Abo-Senders waren von Anfang an die fehlenden Kunden.
Während das Bezahlfernsehen in anderen Ländern gut funktioniert, sehen die meisten Menschen in Deutschland nicht ein, warum sie neben den Gebühren für das öffentlich-rechtliche Fernsehen auch noch Geld für ein TV-Abo bezahlen sollen. Sky-Chef Williams, der bereits in anderen europäischen Ländern Bezahlfernsehen erfolgreich aufgezogen hat, hatte allerdings vor kurzem gesagt, dass er langfristig 7,4 Millionen Kunden für möglich hält.
tko/dpa
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