Berlin/München - Es war eine dramatische Aktion, die am Ende eine Bank rettete und vermutlich den Zusammenbruch der Finanzmärkte verhinderte: Wie viel Geld allerdings wirklich nötig war, um die angeschlagene Hypo Real Estate zu retten, darüber wurde die Öffentlichkeit und Aktionäre möglicherweise getäuscht.
Knapp ein Jahr nach der Notrettung der Immobilienbank Hypo Real Estate drohen der Bankenaufsicht Bafin und der Bundesbank daher Ermittlungen wegen Irreführung der Aktionäre. Das ergebe sich aus Unterlagen der Münchner Justiz, sagte der Obmann der Linksfraktion im HRE-Untersuchungsausschuss des Bundestages, Axel Troost, dem "Tagesspiegel".
Den Vorwürfen stellen müssen sich die Chefs von Bafin und Bundesbank, Jochen Sanio und Axel Weber. "Die Aktionäre und die Öffentlichkeit sind getäuscht worden, und das auf Anweisung der Herren Sanio und Weber", sagte Troost. Auch der FDP-Ausschussvertreter, Volker Wissing, sagte, die Staatsanwaltschaft werde derartige Ermittlungen prüfen müssen.
Eine Irreführung der Öffentlichkeit über die Vermögenslage börsennotierter Aktiengesellschaften ist strafbar. Schon wenige Tage nach der spektakulären Rettungsaktion in der Nacht zum 29. September 2008 habe sich herausgestellt, dass das Institut zum Überleben 15 Milliarden Euro mehr als die verabredeten 35 Milliarden benötigte. Insgesamt flossen über 100 Milliarden Euro als staatlich verbürgte und von Banken gestellte Kredite. Im Frühjahr 2009 wurde die Bank verstaatlicht.
Hintergrund ist laut "Tagesspiegel" die Ad-hoc-Mitteilung, mit der die HRE nach den dramatischen Verhandlungen am Morgen des 29. September 2008 mitgeteilt hatte, die Bank habe von einem Konsortium des Finanzsektors Kredit "in ausreichender Höhe" bekommen. Das war dem Blatt zufolge falsch und ist einer der Gründe, warum gegen die früheren HRE-Manager ermittelt wird.
In einem Durchsuchungsbeschluss des Münchner Amtsgerichts heißt es demnach, der HRE-Vorstand habe gewusst, "dass ein weit höherer Absicherungsbedarf bestand". Den Wortlaut der Mitteilung hätten Sanio und Weber allerdings vorgegeben und für ihre Behörden eine fast gleich lautende Presseerklärung abgegeben.
Merkel stützt Steinbrück
Der Ad-hoc-Mitteilung waren Krisengespräche vorausgegangen, unter anderem zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, sowie zwischen Finanzminister Steinbrück (SPD) und dem Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet. Der SPIEGEL berichtet, Trichet habe in der entscheidenden Nacht in Telefonaten mit Steinbrück und dem Wirtschaftsberater von Merkel, Jens Weidmann, auf eine Rettung der HRE um jeden Preis gedrängt. Sollte sich die Bundesregierung verweigern, werde der Interbankenmarkt am folgenden Tag unweigerlich zusammenbrechen und damit das gesamte europäische Finanzsystem, warnte er laut SPIEGEL.
Der Untersuchungsausschuss des Bundestages geht in dieser Woche in die letzte Runde. Steinbrück wird am Donnerstag im Ausschuss vernommen, sein Staatssekretär Jörg Asmussen, der besonders im Feuer der Oppositionskritik steht, am Mittwoch. Die Opposition wirft Steinbrück sowie Asmussen in dem Untersuchungsausschuss vor, die Lage bei der HRE falsch eingeschätzt und zu spät eingegriffen zu haben.
Steinbrück erhielt vor seinem Auftritt im Ausschuss Rückendeckung von Bundeskanzlerin Merkel: "Wir haben mit einer Entscheidung bis zum letzten Moment gewartet", sagte die Kanzlerin dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Da war ich mir übrigens mit Finanzminister Peer Steinbrück in der Verhandlungsführung sehr einig." In einem Telefonat in der Nacht zum 29. September 2008 hatten sich Merkel und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann über die Beteiligung der Privatbanken an der HRE-Rettung geeinigt und damit vermutlich den Zusammenbruch der Finanzmärkte verhindert: "Ich wollte eine ausgewogenere Lastenverteilung, also dass die privaten Banken mehr Geld zur Rettung der HRE beisteuern - und die Steuerzahler weniger", sagte die Kanzlerin.
lub/AFP/Reuters/dpa
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Verbrechen dürften nicht so leicht Verjähren, gerade wenn es um derart "Staatstragende" Angelegenheiten geht. Aber so wie ich das hier sehe, ist das doch blos ein einziges Gemauschel mit einem einzigen Effekt, die [...] mehr...
http://de.wikipedia.org/wiki/Hypo_Real_Estate Zusammen mit den Kreditgarantien über 50 Milliarden Euro aus Mitte November 2008 hat die Hypo Real Estate damit insgesamt 102 Milliarden Euro Beihilfen und Garantien erhalten [...] mehr...
Bei dieser Vergabe von krediten (Pfandbriefe) vorwiegend an bauträger hat nicht die bank das Risiko sondern der sich das geld leiht. sinkt der Marktwert der Immobilie unter die Höhe des Kreditwertes / samt Zinsen) hat die bank das [...] mehr...
das ist eine schwierige Frage . Gestern habe ich ein bisschen gegoggelt... Hypothekenbanken verleihen im Prinzip Geld gegen Pfand bevorzugt Grundstücke, sind aber Privatbanken Pfandbriefe wurden im Finanzchaos deutscher [...] mehr...
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