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24.08.2009
 

Handel mit Leichenteilen

Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungsverfahren gegen Tutogen

Tutogen-Zentrale: Angehörige wissen in vielen Fällen nicht, was mit den Knochen geschieht.Zur Großansicht
ddp

Tutogen-Zentrale: Angehörige wissen in vielen Fällen nicht, was mit den Knochen geschieht.

Tutogen bestreitet jeden Gesetzesverstoß, doch für die Staatsanwaltschaft Bamberg war der SPIEGEL-Bericht Anlass genug: Die Ermittler prüfen jetzt, ob ein Ermittlungsverfahren gegen die oberfränkische Pharmafirma geboten ist.

Neunkirchen am Brand - Gewebehandel und Störung der Totenruhe rufen die Ermittler auf den Plan: Wegen des Verdachtes des Handels mit ukrainischen Leichenteilen prüft die Staatsanwaltschaft Bamberg ein Verfahren gegen das Pharmaunternehmen Tutogen. Die im oberfränkischen Neunkirchen am Brand ansässige Firma wird nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwaltes Joseph Düsel vom Montag der Störung der Totenruhe sowie des Organhandels verdächtigt. Auslöser der Ermittlungen war ein Bericht des SPIEGEL, wonach die Firma in der Ukraine im großen Stil Leichen ausnehmen lasse.

Der SPIEGEL hatte zahlreiche firmeninterne Dokumente ausgewertet, aus denen hervorgeht, dass aus den Leichenteilen medizinische Produkte gewonnen werden. Für die Leichenteile gibt es sogar eine interne Preisliste. Der Leiter der Rechtsmedizin in Kiew, Wladimir Jurtschenko, bestätigte, dass auch heute noch Leichen ausgenommen würden, deren Knochen dann bei Tutogen landeten. Die Angehörigen wissen dabei in vielen Fällen nicht, was mit den Knochen ihrer Verwandten geschieht. Die aus Leichenteilen gewonnenen Produkte werden vor allem in den USA als Ersatzteile bei Patienten eingesetzt, ihr Nutzen ist aber umstritten.

Düsel betonte, es werde nun geprüft, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. "Auch wenn ein Deutscher im Ausland eine Straftat begeht, gilt das deutsche Strafgesetzbuch", sagte er. Die Firma sei bei der Justiz bekannt durch eine Zeugenvernehmung wegen Störung der Totenruhe aus dem Jahr 2003. Details dazu wollte er jedoch nicht bekanntgeben. 2005 habe es zudem eine anonyme Anzeige gegeben, es seien aber keine Ermittlungen eingeleitet worden. Derzeit liege aus der Ukraine aber noch kein Rechtshilfeersuchen vor.

Tutogen weißt alle Vorwürfe zurück

Das beschuldigte Unternehmen, welches sich nach eigenen Angaben auf die Entwicklung, Aufbereitung und den Vertrieb von Gewebetransplantaten spezialisiert hat, wies die Vorwürfe am Montag in einer Mitteilung zurück. "Der Vorwurf des Gewebehandels, der in den Medien erhoben wird, ist haltlos und nicht nachvollziehbar", heißt es darin. Der gesamte Prozess der Gewebespende, der Aufbereitung und der Bereitstellung des Endprodukts unterliege einem der strengsten Gesetze weltweit, dem deutschen Arzneimittelgesetz. Daran habe sich das Unternehmen in der Vergangenheit "bedingungslos" gehalten und werde es auch in Zukunft tun.

In einer Firmenbroschüre heißt es zudem, vor der Entnahme müsste der Spender selbst oder die Familie eines verstorbenen Spenders ihr Einverständnis gegeben haben. "Die Gewebeentnahme wird ausführlich dokumentiert und erfolgt unter Respektierung aller ethischen Grundsätze dem Spender und seinen Angehörigen gegenüber", versichert Tutogen. Gewebespenden ohne ausreichende Dokumentation der Herkunft würden zurückgewiesen. Grundlagen seien immer ein ausführliches medizinisches Protokoll sowie die nach einem Gespräch mit dem Spender angefertigte Bewertung der Lebensumstände.

Eingeräumt wird in der Broschüre offen die Zusammenarbeit mit Instituten der Rechtsmedizin im In- und Ausland. Dabei seien sich alle Mitarbeiter von Tutogen Medical der Bedeutung und Einmaligkeit einer Spende bewusst und gingen "verantwortungsbewusst und respektvoll" mit dem Spendergewebe um, heißt es.

mik/ddp

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