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Fachkräftemangel Regierung streitet über Hightech-Gastarbeiter

Wirtschaftsminister Werner Müller und Bildungsministerin Edelgard Bulmahn sind dafür, der Arbeitsminister dagegen: Die Forderung der IT-Branche, dringend benötigte Fachkräfte aus aller Welt anzuwerben, hat einen Konflikt innerhalb der Bundesregierung ausgelöst. Jetzt sprach sich auch der DIHT für "Green Cards" nach amerikanischem Vorbild aus.

Werner Müller
REUTERS

Werner Müller

Berlin/Hannover - Im Vorfeld der Cebit kündigte der parteilose Wirtschaftsminister Werner Müller an, die Bundesregierung werde gegen den Fachkräftemangel in der Computerbranche vorgehen. Es gebe Gespräche mehrerer Ministerien darüber, ob und wie Experten aus dem Ausland nach Deutschland geholt werden könnten, sagte Müller in Hannover. Dies sei auch über den aktuellen Bedarf hinaus für Deutschland überaus wichtig.

Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) meinte in der "Berliner Zeitung": "Wir können es nicht zulassen, dass Unternehmen aus Mangel an Spitzenkräften in der Informationstechnologie ins Ausland abwandern." Wenn nichts geschehe, drohe der Fachkräftemangel auf 250.000 Stellen anzuwachsen.

Edelgard Bulmahn
AP

Edelgard Bulmahn

Dagegen vertritt Arbeitsminister Walter Riester die Ansicht, dass sich die aktuellen Engpässe durch Vermittlungen der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit und mit EU-Ausländern beseitigen lassen, die in Deutschland keine gesonderte Arbeitserlaubnis brauchen. "Eine generelle weltweite Öffnung des Arbeitsmarktes können wir nicht zulassen. Wir haben über vier Millionen Arbeitslose, darunter auch sehr qualifizierte Menschen aus der IT-Branche", sagte Riester dem "Deutschlandradio Berlin". Unterstützt wird er in dieser Haltung vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

Der Verband der Computerbranche, Bitkom, erneuerte am Mittwoch seine Forderung, 30.000 Arbeitsgenehmigungen für Hightech-Gastarbeiter aus Nicht-EU-Ländern zu erteilen. Laut Bitkom fehlen in Deutschland derzeit rund 75.000 dringend benötigte Informatiker, Ingenieure und andere Computer-Fachleute. In osteuropäischen Ländern wie Ungarn, Tschechien, Polen, Estland oder Lettland, aber auch in der Ukraine oder in Indien gebe es gut ausgebildete junge Leute, sagte Verbandspräsident Volker Jung.

Sorgen bereite dem Bitkom, dass in den USA, aber auch in anderen europäischen Ländern konkrete Schritte gegen ähnliche Nachwuchsprobleme unternommen werden. So hätten die USA allein für dieses Jahr 80.000 Visa (Green Cards) zur Verfügung gestellt.

Auch der Geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), Franz Schoser, verwies bei der Vorstellung der Frühjahrsumfrage der deutschen Wirtschaft auf das Beispiel USA. Die Amerikaner ermöglichten mit der Green Card sogar die dauerhafte Einwanderung von Fachpersonal. In der Bundesrepublik gebe es derzeit etwa 30.000 ausländische IT-Spezialisten, weitere müssten angeworben werden, "bevor die nach Indien gehen".

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