Mittwoch, 10. Februar 2010

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10.11.2009
 

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Kann David Hasselhoff Opel retten?

David Hasselhoff: Ihm werden noch Chancen bei Opel eingeräumt
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Getty Images

David Hasselhoff: Ihm werden noch Chancen bei Opel eingeräumt

John, Nick oder Jim: Wer auch immer neuer Opel-Chef wird - er wird viel Spaß haben. Doch was sagen eigentlich die Russen dazu? Und was kann ich als mündiger Verbraucher tun? SPIEGEL-ONLINE-Krisenkolumnist Thomas Tuma beantwortet die zehn wichtigsten Fragen zum Rüsselsheimer Chaos.

1) Wer ist eigentlich der neue Opel-Chef?

Der gebürtige Sanierer Nick Reilly, der nun anstelle von Carl-Peter Forster Opel retten soll, gilt als stahlharter Brite. Jeden Morgen trinkt er das frische Blut zweier Betriebsräte. Aber auch Reilly soll nur ein Übergangskandidat sein, was ihm ganz recht ist. In US-Automobilkonzern-Führungskräfte-Kreisen gilt Europa immer noch als irgendwie gruslig: viele komische Essgewohnheiten, Mitbestimmungsregeln, und die Frauen rasieren sich angeblich nicht die Achselhaare. Da will niemand lange bleiben.

2) Wie ... Übergangskandidat? Und wer kommt dann?

Normalerweise wird in solchen Situationen ein gewaltbereiter Amerikaner geschickt, der wahlweise Nick, John oder Jim heißt. Einstellungsvoraussetzung ist ein durchschnittliches US-Bildungsniveau. Der neue Opel-Chef soll also kein Deutsch sprechen. David Hasselhoff werden noch Chancen eingeräumt, weil nicht mal sein Englisch mehr zu verstehen ist. Außerdem begann er seine Karriere als "Knight Rider" in einem Pontiac, Konzernmarke von General Motors (GM). Apropos…

3) Die Opel-Mutter ist der US-Konzern GM. Aber wer ist eigentlich der Vater?

Er heißt Bob Lutz und ist mindestens 134 Jahre alt. Andere Quellen gehen davon aus, dass er ein Schulfreund Isaac Newtons war. Lutz hat schon Autos entwickelt, als sie noch nicht erfunden waren. Weil alle sagen, dass GM "frisches Blut" brauche, ist Lutz jetzt als Aufsichtsratschef von Opel im Gespräch. Reilly mag ihn zwar nicht trinken, will für ihn aber einen Hybrid-Rollator-Pickup entwickeln lassen.

4) Also kein deutscher Opel-Chef mehr?

GM-Chef Fritz Henderson hätte nichts dagegen. Auf seiner aktuellen Deutschlandreise fängt er sich bislang allerdings nur Absagen ein: Integre Top-Manager wie Klaus Zumwinkel, Heinrich von Pierer, Hartmut Mehdorn und Thomas Middelhoff haben Angst um ihren Ruf.

5) Wie sieht das Sanierungskonzept für Opel wirklich aus?

Es soll ein in Schweinsleder-Imitat gebundener 20-Punkte-Masterplan werden mit PowerPoint-Präsentation und beigelegter Vier-Stunden-DVD über die Stadtgeschichte Detroits in einer Startauflage von 5000 Stück. Nur inhaltlich hakt's noch. Da machen sich zurzeit ein paar Praktikanten aus dem Controlling Gedanken. Sie drücken jetzt Stecknadeln in eine Europa-Karte und machen Witze darüber, wie man eigentlich "Rüsselsheim" ausspricht.

6) Gibt es denn gar keine Gewinner?

Eine echte Blüte hat durch die Opel-Debatte das Berufsbild der "Autoexperten" erlebt. Sie müssen sich über weitere Talkshow-Einladungen für die nächsten Jahre keine Sorgen machen. Fachmann darf sich nennen, wer den Führerschein Klasse drei besitzt und folgenden Satz unfallfrei aussprechen kann: "Der 900-Millionen-Brückenkredit muss sofort zurückgeholt werden, denn von der Marktseite her wird das Jahr 2010 für Opel noch kritischer." Auch Betriebsratschef Klaus Franz surft auf einer Welle der Sympathie. 123 Prozent der Deutschen halten ihn für den Opel-Chef oder gar Auto-Kanzler.

7) Was sagen die Russen, die nun leer ausgehen?

Auf jeden Fall etwas Russisches.

8) Und wie soll ich mich als mündiger Verbraucher verhalten?

Wenn Sie sich für einen neuen Astra oder Zafira entscheiden, unterstützen Sie zweierlei: die ausgemergelten deutschen Arbeiterhelden ("Opelaner") einerseits. Und den anglo-amerikanischen Raubtierkapitalismus einer spätindustriellen Klimaverpester-Branche andererseits. Zwei Strategien bieten sich an: Man kann bei einem Opel-Händler Empörung heucheln (wahlweise über "Scheiß-Amis" oder "elenden Staats-Interventionismus") und damit einen noch höheren Rabatt rausschlagen (30 Prozent und ein Satz Winterreifen sind erfahrungsgemäß verhandelbar). Oder Sie kaufen einfach einen VW.

9) Wie wird die Bundesregierung reagieren?

Der neue CSU-Verkehrsminister Peter Ramsauer erwägt die Einführung einer Pkw-Maut nur für Opel-Modelle. Berlin will hart bleiben, zumindest bis man weich wird. Die Amerikaner sollen keinerlei Staatshilfen bekommen, allenfalls Steuergelder. Das Kanzleramt würde gern einen anderen Autokonzern retten, Ford wehrt sich aber noch. GM soll nahegelegt werden, lediglich den Standort Fürth zu schließen, den aber komplett. Dort sitzt zwar nur Quelle, aber die sind ohnehin pleite, und vielleicht merken es die doofen Amerikaner nicht.

10) Und wenn es nur neun "wichtigste Punkte" gibt?

Dann müssen wir uns einen zehnten wie diesen hier ausdenken, weil zehn einfach besser klingt als neun.

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Die Krise ist überall. Sie dominiert Politik, Kultur, Industrie und Gesellschaft. Irgendwas droht immer gerade unterzugehen: mal eine Partei oder ein Konzern, mal gleich die Weltwirtschaft oder auch nur der gesunde Menschenverstand. Alles sehr ernst - bisweilen aber auch komisch. Zumindest dienstags und donnerstags in der SPIEGEL-ONLINE-Kolumne von Thomas Tuma. Über Anregungen, Lob und Kritik freut sich
thomas_tuma@spiegel.de.


DAS LANGE RINGEN UM OPEL

Wie alles begann

14. November 2008: Opel muss in Folge der Schieflage des Mutterkonzerns GM um die Unterstützung aus den USA fürchten und bittet als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll Opel stützen, nach Unternehmensangaben geht es um "etwas mehr als eine Milliarde Euro".
17. Februar 2009: Nach einem Rekordverlust arbeitet General Motors Pläne für einen Jobkahlschlag aus. Der ums Überleben kämpfende Opel-Mutterkonzern will 47.000 Stellen streichen - davon 26.000 außerhalb der USA, viele in Deutschland.
27. Februar: Opel sieht seine einzige Rettung darin, sich weitgehend von GM abzukoppeln. Das von der öffentlichen Hand benötigte Kapital eines neuen europäischen Unternehmens Opel/Vauxhall wird auf jetzt 3,3 Milliarden Euro beziffert.
2. März: Opel-Manager legen der Bundesregierung einen Rettungsplan vor.
31. März: Kanzlerin Merkel stellt Unterstützung in Aussicht, aber keinen direkten Staatseinstieg.

Dreikampf um Opel

GM denkt um

Opel bleibt doch bei GM

Standortschließungen und Entlassungen


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