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19.11.2009
 

Weltkrise privat

Lahm stürzt Bayern in die Klimakatastrophe

Von SPIEGEL-ONLINE-Krisen-Kolumnist Thomas Tuma

Nationalspieler Lahm: Integrationsprobleme?Zur Großansicht
dpa

Nationalspieler Lahm: Integrationsprobleme?

4-4-3 oder 0-8-15? Nationalspieler Philipp Lahm hat beim FC Bayern mit spitzfindigen Fragen eine Systemkrise heraufbeschworen. Fachleute fürchten, dass die brodelnde Wut von Uli Hoeneß die Pole abschmilzt. Das Bundesamt für Strahlenschutz will den Manager in einen Bleimantel einbetonieren.

Der Klimagipfel von Kopenhagen gilt als gescheitert, bevor er begann. Dabei könnte man gemeinsam ganz konkrete Projekte angehen, allen voran den Emissionsausstoß beim deutschen Fußball-Rekordmeister FC Bayern München.

Allein die regelmäßigen Hitzewallungen von Noch-Manager Uli Hoeneß werden nach Ansicht von Fachleuten beide Polkappen zum Schmelzen bringen. Mit der Energie, die sein rot angeschwollener Kopf in Stress- und Krisenphasen abstrahlt, ließe sich eine Stadt von der Größe Heilbronns zwei strenge Wintermonate lang mit Strom und Wärme versorgen.

Natürlich ist Hoeneß nur selten in Heilbronn. Aber manchmal, wenn es besonders schlimm ist, nimmt Franz Beckenbauer ihn mit nach Kitzbühel, wo Hoeneß auf einer Almwiese ein paar Kälber reißen darf, um sich abzureagieren. Dann is' wieder gut. Für ein paar Tage zumindest. Die letzten Erschütterungen im Vereinsheim an der Säbener Straße waren seismologisch noch im 16.340 Kilometer entfernten Sydney zu erfassen.

Wenn der Bayern-Manager sich ärgert, wird er eben zum Risiko. Und er ärgerte sich oft: über Leute, die seinen Trainer Louis van Gaal attackieren, über Leute, die van Gaal in Schutz nehmen, über van Gaal. Und über Philipp Lahm, über Scheiß-Spielerberater, über Lahm, Scheiß-Klugschwätzer und Scheiß-Journalisten. und manchmal über Lahm, der kürzlich eine Spiel-Philosophie und ein System für die Mannschaft forderte.

Damit sprach er aus, was viele Bayern-Fachleute denken, denen er seither als Thilo Sarrazin des deutschen Fußballs gilt. Jetzt hat auch Lahm bei Hoeneß ein Integrationsproblem. Er hat eine gewisse Unruhe in das Leben seiner Mitspieler gebracht, das sonst von der Vereinssatzung übersichtlich strukturiert wird: Sie müssen

  1. sich regelmäßig beim Michi Käfer im P1 besaufen,
  2. auf der Wiesn eine Lederhose tragen und
  3. einmal im Jahr Deutscher Meister werden.

Hoeneß ahnt dunkel, dass Lahm einen Schulabschluss hat, lässt sich aber nichts anmerken, weil er ein liberaler Mensch ist. Jeder Spieler darf eine Meinung haben: seine.

Lahm geht es um die Systemfrage: 4-4-2 oder 4-3-3? Dem Uli ist das sowas-von-des-glaubst-du-kaum-unfassbar-kackegal, weil die wo jetzt sagen, dass der FC nicht systematisch alle Systeme spielen können tät, die was es gibt auf der Welt, dem sagt der Uli ganz klar, dass das ein saudummes G'schwätz ist, ein saudummes, weil in Barcelona spielt man immer anders Fußball als daheim gegen Greuther Fürth Taschenbillard, verstehst?

Die "Süddeutsche Zeitung" schlägt vor, dass die Mannschaft "trotz der Forderung nach Ballbesitz wieder offensiver das Tor sucht". Dabei haben sie in der Allianz-Arena sogar zwei Tore, die selbst Luca Toni mit verbundenen Augen findet. Und selbst in der Krise ist für jeden noch ein Ball da, außer bei Punktspielen.

Dennoch will Hoeneß demnächst anfangen zu sparen, zuerst dort, wo es ihm am wenigsten weh tut: am Kader. Wer krank feiert, fliegt raus. Nur wer sich auf Depressionen beruft, hat Schonfrist, weil Hoeneß da ein paar Wochen Verständnis zeigen muss. Ansonsten ist Kurzarbeit angesagt. Selbst die Stammspieler dürfen nur noch 90 Minuten pro Woche ihren Job machen. In der Rückrunde soll die Mannschaft mit acht oder neun Akteuren auf dem Platz auskommen.

Hoeneß spart weg, was geht: zum Beispiel die Champions-League-Teilnahme. System: 0-8-15. Fürs Klima im Club und auch sonst ist das alles nicht gut. Das Bundesamt für Strahlenschutz verlangt, Hoeneß in einem Bleimantel einzubetonieren. Gegen seine Endlagerung in einem kasachischen Salzstock wehren sich bisher seine Angehörigen. Auch da könnte Kopenhagen Überzeugungsarbeit leisten.

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insgesamt 36 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
21.11.2009 von Pinarello: Ja ja, der Rost, der Rost!

Keine Chance, dafür ist der Rost schon viel zu dick! Ja damals, beim Schwarzgeldkanzler ging noch die Post ab, der bekam regelmäßig Anfälle wenn ihm ein Spiegelredakteur in die Quere kam, aber heute lacht Mutti ja nur noch, [...] mehr...

20.11.2009 von wollbärtinger: --->

"Satire in Deutschland immer kursiv"... ein wahrhaft durchschlagend bezeichnendes statement. -- Hat, bitteschön: WER - kreiert? mehr...

20.11.2009 von heidehans: satire

ein deutscher Chefredakteur hat mal zu seinen Mitarbeitern gesagt: Meine Herren, in Deutschland Satire immer kursiv. Vielleicht hätte er es dann verstanden mehr...

20.11.2009 von christian simons: Die Geschichte des R. A.

Und da haben diese Beiträge ja auch irgendwo recht. Unter Rudi Augsteins Ägide gabs noch nackige Frauen in Bondage auf den Titelbildern: http://wissen.spiegel.de/wissen/titel/SP/1975/37/312/titel.jpg Was nutzen mir all [...] mehr...

20.11.2009 von Dino: ;-))

Hallo Quälgeist, danke für die Aufmunterung. Vielleicht sollte ich mich doch einmal bei SpOn bewerben um das eingerostete Sturmgeschütz wieder in Betrieb zu nehmen. Ziele gibt`s schließlich genug. Dino mehr...

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Die Krise ist überall. Sie dominiert Politik, Kultur, Industrie und Gesellschaft. Irgendwas droht immer gerade unterzugehen: mal eine Partei oder ein Konzern, mal gleich die Weltwirtschaft oder auch nur der gesunde Menschenverstand. Alles sehr ernst - bisweilen aber auch komisch. Zumindest dienstags und donnerstags in der SPIEGEL-ONLINE-Kolumne von Thomas Tuma. Über Anregungen, Lob und Kritik freut sich
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