Von Hasnain Kazim, Islamabad
Kürzlich kam die Stromrechnung von der "Islamabad Electric Supply Company": 32.015 Rupien, umgerechnet knapp 270 Euro, für vier Wochen, in denen das Haus fast komplett leer gestanden hatte. Meine Frau und ich ließen sofort den Stromzähler untersuchen und ob vielleicht irgendwo eine Leitung angezapft wird, Diebstahl von Strom kommt häufiger vor - aber nichts, alles einwandfrei. Eine Reklamation wurde fünf Wochen lang bearbeitet, dann kam die korrigierte Forderung: nur noch 718 Rupien, etwa 5,80 Euro.
"Ihr Stromverbrauch ist rapide gesunken", erklärte der Mann vom Energieversorger. "Wir wussten ja nicht, dass Sie nicht zu Hause sind, sondern dachten, da müsse ein Fehler vorliegen. Deshalb haben wir Ihren Stromverbrauch einfach geschätzt." Keine Entschuldigung, kein peinliches Berührtsein, nur ein Schulterzucken. "Kann sein, dass das bei Ihrem nächsten Urlaub wieder passiert. Melden Sie sich dann einfach und wir korrigieren das", sagt er noch und wünscht uns alles Gute für die Zukunft.
Einige Tage später entdecke ich ein kleines Buchgeschäft, der Mann hinter der Kasse ist mindestens 70 Jahre alt und hat einen langen, weißen Bart. Als ich bezahlen will, stelle ich fest, dass ich zu wenig Geld dabei habe. Ich will ein Buch zurück ins Regal stellen, da sagt der Verkäufer: "Lassen Sie nur, Sie können es ja bezahlen, wenn Sie wieder Geld haben." Er bietet mir sogar an, auf eine Tasse Tee zu bleiben und mich mit ihm über Bücher zu unterhalten.
Mal fühlt man sich übers Ohr gehauen, dann wieder ist man sprachlos angesichts der Gutmütigkeit und des Vertrauens. Beiden Erfahrungen liegt die Haltung zugrunde, dass Geld nicht so wichtig ist - am Ende ist es eben doch nur schnöder Mammon. Und wenn Pakistaner ausländischen Journalisten regelmäßig ihr Leid darüber klagen, welch schlechten Ruf ihr Land doch in der Welt habe, und darum bitten, man möge doch bitte ein bisschen das Image aufpolieren, dann ist es vielleicht dieses merkwürdig andersartige Denken, das einem auffällt - oft in erfreulicher, gelegentlich in enttäuschender Weise.
Hochzeitsfeiern für mehr als 100.000 Euro
Die meisten meinen es gut mit einem, auch wenn sie nur wenig besitzen. Ein Koch beispielsweise, der für eine wohlhabende Familie arbeitet, verdient umgerechnet etwa 100 Euro im Monat plus freie Kost. Trotzdem kann es sein, dass er einem - auf eigene Kosten - von zu Hause ein ganz besonderes Gericht mitbringt, weil er möchte, dass man es unbedingt probiert. Ein Taxifahrer kommt, wenn er wirklich fleißig ist und sechs Tage die Woche arbeitet, auf etwa 220 Euro. Dazu muss ihm das Taxi aber schon gehören, sonst muss er noch die Miete fürs Auto abziehen. Dennoch verlangen sämtliche Fahrer keine Zahlungen für bereits geleistete Dienste, wenn man sie irgendwo warten lässt, sondern vertrauen darauf, dass man ihnen am Ende ihr Geld schon gibt. Und der Milchmann mit seinen am Motorrad befestigten Kannen freut sich über ein Gespräch, auch wenn man nichts kauft.
Für etwa zwölf Euro kann man in unserem Lieblingsrestaurant in Islamabad zu viert ausgiebig essen, einschließlich Getränke und Dessert. Ein hart arbeitender Verkäufer kann sich dieses Vergnügen trotzdem kaum leisten. Die Monatsmiete für ein Haus, das halbwegs westlichen Standards genügt, beträgt locker 2000 Euro und mehr - also das 20fache des Monatsgehalts eines Kochs. Es gibt Menschen in diesem Land, die sich ihre Hochzeitsfeier 100.000 Euro und mehr kosten lassen - und die Chauffeure der Gäste stehen bis tief in die Nacht draußen und bekommen nicht einmal etwas zu trinken. Fünf Kilogramm Kartoffeln kosten auf dem Markt 1,30 Euro, ein Kilo Äpfel aus Belutschistan 60 Cent - lächerlich wenig und doch zehn Prozent mehr als noch vergangene Woche und damit inzwischen ein Luxus für die meisten Menschen. Als Beobachter beschleicht einen das Gefühl, dass irgendetwas gewaltig deformiert ist im Wirtschaftssystem.
In diesen Tagen sorgen Zeitungsberichte für Aufregung, wonach Tausende von pakistanischen Politikern, Bürokraten und Diplomaten in Korruptions- und Geldwäschefälle verwickelt waren und auch noch von einem gesetzlichen Straferlass profitieren sollten, was am Ende verhindert wurde. Demnach haben sich manche umgerechnet mehrere Millionen beiseite geschafft.
Euro, nicht Rupien.
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Dem ist nichts hinzuzufügen! mehr...
sie sind aber sehr deutsch. und gar nicht schlecht in rethorischen dingen. schade nur das es auffällt. und schade das sie ihre streitbaren positionen nicht verteidigen wollen/können. das wäre eine sicherlich verfolgenswerte [...] mehr...
Die Mühe, meinen Positionen häppchenweise Ihre Ansichten gegenüber zu stellen, hätten Sie sich sparen können, denn leider antworten sie nur in lakonischem, sarkastischem, suggestivem und resigniertem Ton. Schade! Ihre Sichtweisen [...] mehr...
Der Journalist ist in Islamabad, weil er es sich selbst ausgesucht hat. Und mit dem deutschen Gehalt eines Journalisten lässt es sich in Pakistan natürlich gutleben.Er hat jederzeit die Möglichkeit das Land zu verlassen, wenn es [...] mehr...
Sagen wir es doch, wie es wirklich ist: Diesen Wohlstand haben wir uns zusammengestohlen, überall auf der Welt. Und die sogenannte Freiheit ist auch größtenteils nur noch die Freiheit,zwischen acht verschiedenen Waschmitteln und [...] mehr...
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