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16.02.2010
 

Angst vor dem Währungs-Crash

Euro schlingert zwischen Himmel und Hellas

Ein Kommentar von Sebastian Dullien

Protest gegen die Regierung in Athen: Für Deutschland ist die Euro-Schwäche gutZur Großansicht
dpa

Protest gegen die Regierung in Athen: Für Deutschland ist die Euro-Schwäche gut

Die Griechenland-Krise beunruhigt die Deutschen: Droht Europa eine Mega-Inflation? Wird unser Geld zur Weich-Währung? Solche Ängste sind unbegründet - die Schwäche des Euro ist das Beste, was der Wirtschaft passieren kann.

Ende 2009 war der Euro 1,50 Dollar wert, heute kostet die Währung nur noch 1,36 Dollar - rund zehn Prozent Wertverlust in sechs Wochen. Für die Finanzkommentatoren ist die Sache klar: Die Angst vor einem Staatsbankrott an der Ägäis hat die Anleger aus Europa vertrieben und zur Abwertung des Euro beigetragen.

Gerade in Deutschland sieht mancher die Euro-Schwäche mit großem Unbehagen. Die Aufwertungen der deutschen Mark wurden immer gerne mit Stolz gesehen, die Schwäche des Euro wird von vielen jetzt als gefährliches Omen gewertet. Als in der vergangenen Woche die Finanzminister der G-7-Industrieländer den Euro-Verfall eher gelassen hinnahmen, titelte eine große deutsche Wirtschaftszeitung: "G-7-Minister lassen den Euro im Stich".

Doch so hartnäckig sich die Vorstellung hält, dass nur eine harte Währung eine gute Währung ist - die jüngste Euro-Schwäche ist uneingeschränkt gut. Gut für Deutschland und gut für Europa. Denn die Panik um Griechenland hat vor allem eines erreicht: Sie hat einen absurden Höhenflug der europäischen Währung gestoppt, der vor allem auf den schwachen Dollar zurückzuführen war.

Seit sich die ersten Probleme in der US-Wirtschaft andeuteten, ist der Dollar abgesackt. Trotz der Griechenland-Krise ist der Euro heute gegenüber dem Dollar noch immer rund 15 Prozent teurer als vor vier Jahren. Zum Jahresende 2009 hatte der Euro gar wegen der Sorgen um die US-Staatsfinanzen zu einem neuen Höhenflug angesetzt. Ohne die Griechenland-Panik wäre es durchaus denkbar gewesen, dass der Euro bis auf 1,60 Dollar oder sogar darüber hinaus schießt. Urlauber, die sich gerade in den USA oder in Großbritannien aufhalten, freuen sich, wie billig alles geworden ist. Doch damit bestätigen sie - aus volkswirtschaftlicher Sicht - vor allem: Der Euro ist viel zu teuer.

Der Aufschwung hängt wieder einmal nur am Export

Jede Aufwertung des Euro bedeutet, dass deutsche und europäische Industrieunternehmen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Jeder US-Cent, den der Euro mehr kostet, bedeutet Folgendes:

  • billigere Importe aus dem Ausland, was den Firmen den Absatz auf heimischen Märkten erschwert
  • und zugleich teurere Exporte, was den Verkauf im Ausland behindert.

Dabei geht es nicht nur um die Konkurrenz in den USA, sondern auch um Wettbewerber aus China und dem Rest Asiens. Weil viele asiatische Länder ihren Wechselkurs am Dollar orientieren, bedeutet eine Aufwertung des Euros zum Dollar immer gleich auch eine Aufwertung gegenüber Asien.

Wie wichtig eine Umkehr des Aufwertungstrends des Euro für die deutsche Wirtschaft ist, zeigt sich an den jüngsten Wirtschaftsdaten. Der deutsche Aufschwung hängt wieder einmal nur am Export. Seit dem Tiefpunkt im April 2009 sind die deutschen Exporte bereits um mehr als 15 Prozent geklettert. Ohne die kräftige Nachfrage aus dem Ausland wäre die deutsche Wirtschaft zum Jahresende 2009 im Quartalsvergleich sogar wieder um mehr als zwei Prozent geschrumpft. So blieb zumindest eine Stagnation übrig - und der deutschen Wirtschaft ein Rückfall in die Rezession erspart.

Eine Aufwertung auf 1,60 Dollar hätte die ohnehin durch die Krise arg gebeutelten Exportfirmen weiter belastet und zu Entlassungen gezwungen. Außerdem wären die Margen im Exportgeschäft geschmolzen, weniger Mittel wären für neue Investitionen übriggeblieben.

Wachstum zu Hause ist wichtiger als billiger Urlaub im Ausland

Dieses Argument sollte auch all jene überzeugen, die sich über die hohe Kaufkraft des Euro bei ihrem Urlaub im Ausland freuen: Wirtschaftswachstum und damit die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes zu Hause sind immer noch wesentlich wichtiger, als ein paar Tage Hotelübernachtung in New York oder Thailand ein paar Prozent billiger zu bekommen.

Möglicherweise noch wichtiger als für Deutschland ist die Euro-Abwertung für die schwächeren europäischen Staaten wie Griechenland, Spanien oder Portugal. Diese Länder haben in den vergangenen Jahren rapide an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Außerdem leiden sie noch stärker unter dem starken Euro als Deutschland, weil sie mit ihren einfacheren Exportprodukten sehr stark mit China und anderen asiatischen Anbietern konkurrieren. Der schwächere Euro gibt ihnen nun etwas Raum zum Atmen und stützt die Wirtschaft gerade in dem Moment, in dem die öffentliche Hand sparen muss und damit das Wachstum bremst.

Und was ist mit dem Argument, dass Investoren von der ganzen Euro-Zone höhere Zinsen fordern könnten, weil sie Angst haben, dass das griechische Problem auf den Rest der Euro-Zone überspringt? Davon ist bislang nichts zu erkennen: Tatsächlich sind die Zinsen auf deutsche Staatsanleihen in den vergangenen Wochen noch einmal gefallen, nicht gestiegen.

Fast könnte man den Griechen danken, dass ihre Finanzprobleme gerade jetzt an die Öffentlichkeit gekommen sind.

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Zum Autor

Sebastian Dullien, Jahrgang 1975, ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin und Senior Policy Fellow beim European Council on Foreign Relations. Er beschäftigt sich vor allem mit der Euro-Krise.

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Steckbrief: Griechenland

Schuldenquote: 112,6 Prozent des nationalen BIP

Haushaltsdefizit: 12,7 Prozent des nationalen BIP (2009)

BIP-Wachstum: -1,1 Prozent (Prognose 2009)

Anteil am BIP der Euro-Zone: 2,6 Prozent (2008)

Quelle: EU-Kommission




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