Wirtschaft



ThemaEnergietechnologieRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
06.05.2010
 

Akku-Offensive

Solar-Riesen packen die Sonne in den Keller

Von Sascha Rentzing

Photovoltaik-Anlage: Speicher-Boom durch neue FördergesetzeZur Großansicht
obs

Photovoltaik-Anlage: Speicher-Boom durch neue Fördergesetze

Der Solarmarkt hat einen neuen Hype. Konzerne wie Solarworld und Conergy bieten erstmals Lösungen an, um Sonnenenergie aus Dachanlagen in großen Akkus zu speichern. Verbraucher sollen so mehr Subventionen abgreifen - noch aber ist die Technik teuer und muss von den Firmen bezuschusst werden.

Hamburg - Die geplante Kürzung der Solarförderung zum 1. Juli gilt als Gefahr für die deutsche Technologieführerschaft in der Branche. Von wegen - die Hersteller zeigen sich derzeit ziemlich innovativ.

Der Grund ist die Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetz, über die das Parlament diesen Donnerstag abstimmt. Es sieht vor, dass Solarstrom, den Hausbesitzer selbst verbrauchen, um acht Cent besser vergütet wird als ins Stromnetz eingespeiste Energie (sobald die Jahres-Stromerzeugung 30 Prozent überschreitet, siehe Kästen links). Hausbesitzer können diese Regelung nutzen, um die Folgen der Förderungskürzung deutlich zu lindern - sie brauchen nur große Akkus fürs Eigenheim. Denn nirgendwo steht, dass der Strom sofort verbraucht werden muss.

Der Bonner Konzern Solarworld Chart zeigen will nun noch in diesem Sommer ein Paket anbieten, das eine Photovoltaik-Anlage mit einem Batteriespeicher und einer Verbrauchskontrolle kombiniert. "Damit lässt sich der Eigenverbrauch auf 80 Prozent erhöhen", sagt Unternehmenssprecher Milan Nitzschke.

Die Technik ist ausgefeilt. Der Eigenverbrauch wird durch einen sogenannten Datenlogger gesteigert. Dieser misst regelmäßig Stromproduktion und -verbrauch. Wenn er mittags ein Überangebot an Solarstrom registriert, schaltet er Hausgeräte automatisch ein. Der überschüssige Strom findet durch überdurchschnittlichen Verbrauch eine sinnvolle Verwendung - und bringt am Ende überdurchschnittlich Förderung. Wenn es nichts zu tun gibt, wird die Energie in einer Batterie zwischengespeichert. Hausgeräte können dann nachts oder bei Bewölkung mit Solarstrom versorgt werden.

Megatrend Speicher

Derzeit verwendet Solarworld als Solarspeicher noch Bleiakkus, wie sie auch in Autos zum Einsatz kommen. Sieben Kilowattstunden (kWh) Kapazität sollen die Geräte speichern können - wenn sie funktionieren, wäre Solarworld die erste Firma, die eine praktikable Lösung für den Eigenbedarf anbietet.

Später will Solarworld Lithium-Ionen-Batterien statt Bleiakkus einsetzen. Sie können auf weniger Raum mehr Sonnenstrom speichern und haben eine längere Lebensdauer. Bleibatterien würden nach 20 bis 100 vollständigen Lade- und Entladezyklen an Kapazität verlieren, Lithium-Ionen-Akkus dagegen nach 7000 Vollzyklen - was mehr als 20 Jahren entspreche, sagt Wladislaw Waag vom Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe der RWTH Aachen.

Noch seien die Lithium-basierten Akkus nicht ausgereift, sagt Solarworld-Sprecher Nitzschke. Doch man wolle die Technik zusammen mit Evonik weiterentwickeln. Solarworld betreibt mit dem Essener Industriekonzern ein Gemeinschaftsunternehmen, das im badischen Rheinfelden Solarsilizium herstellt.

Andere Firmen sind beim Lithium schon weiter. So plant die Hamburger Firma Conergy Chart zeigen ebenfalls ein Paket zur Steigerung des Eigenverbrauchs - inklusive Lithium-Ionen-Batterien. Die Akkus, die der ostdeutsche Batteriespezialist Saft Chart zeigen liefert, sollen eine Leistung von acht Kilowattstunden erbringen. "Im Sommer starten wir die Testphase, die Markteinführung planen wir in ein, zwei Jahren", sagt Conergy-Technologe Armin Schmiegel.

Hohe Kosten für Verbrauchskontrolle und Speicherung

Andere Firmen dürften folgen. Die Solarindustrie sieht die Eigenverbrauchsregelung als Türöffner für einen neuen Massenmarkt. Wechselrichter werden entwickelt, die mit Hausgeräten und dem Netz kommunizieren können, und neue Speicher werden erforscht. Das ist nötig - denn noch zehren die hohen Kosten für Verbrauchskontrolle und Speicherung den Acht-Cent-Bonus für den Eigenverbrauch auf.

Vor allem die Batterie treibt den Preis. Solarworld kalkuliere für seinen Bleiakku mit 3000 Euro Einkaufskosten, sagt Nitzschke. Daraus ergeben sich Berechnungen zufolge zusätzliche Speicherkosten von 20 Cent pro Kilowattstunde - 12 Cent mehr als der Bonus aus dem Gesetz. Um dennoch früh ins Geschäft zu kommen, will Solarworld sein System anfangs unternehmerisch subventionieren. Nitzschke: "Wir werden es zu einem Preis anbieten, der sich für Konsumenten rechnet."

Noch teurer sind derzeit Systeme mit den effizienteren Lithium-Ionen-Batterien. Derzeit koste ein solcher Akku rund 1000 Euro pro Kilowattstunde, sagt Wissenschaftler Waag. Conergy und dessen Partner Saft müssen die Kosten für ihre Speichertechnik demnach rasch senken.

Möglich ist das. "Solarspeicher haben noch großes Entwicklungspotential", sagt Waag. Die Kosten könnten mindestens halbiert werden. Auch Saft sieht dieses Potential. Die Kosten für eine Batterie sollen durch technische Verbesserungen und Massenproduktion bis 2012 auf 350 Euro pro Kilowattstunde sinken: "Mit der angedachten Eigenstromzulage wäre die Stromspeicherung dann wirtschaftlich", sagt Holger Schuh, Entwickler bei dem Unternehmen.

Auch die Wechselrichterhersteller drängen in den neuen Markt. Sie entwickeln Geräte, die das öffentliche Stromnetz in das batteriegestützte Heimsystem einbeziehen. Auf der Basis wechselnder Stromtarife, die Energieversorger im Internet bekanntgeben, entwerfen sie Einsatzpläne für Hausgeräte - und entscheiden, welche Energieleitung angezapft wird. Ist Netzstrom günstig, weil zum Beispiel viele Windräder Energie einspeisen, wird Strom aus den Netzen gesaugt. Ist das Netz dagegen überlastet, nutzen die Haushaltsgeräte Energie vom Sonnendach oder aus der Batterie.

"Solarspeicher haben noch großes Entwicklungspotential"

Solche technischen Neuerungen passen gut insofern ins Energiekonzept der Regierung, als diese die Stromnetze entlasten will. Denn wird Sonnenstrom direkt genutzt, muss er nicht abtransportiert werden. Man könne so "Spitzenlast reduzieren und das Netz stabilisieren", sagt Christian Rehtanz, Professor für Energiesysteme und Energiewirtschaft an der TU Dortmund. Der Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft widerspricht allerdings - die Verlagerung des Hauptverbrauchs weg aus Schwachlastzeiten führe zu einem erhöhten Strombedarf in Hauptlastzeiten, sagt ein Sprecher. Die Folge sei, dass Strom dann mit hohen Grenzkosten zusätzlich erzeugt werden muss, um den gestiegenen Bedarf zu decken.

Dazu kommen ökologische Bedenken: Blei und Lithium sind giftig - wie können die Speicher sauber entsorgt werden? Dazu haben sich die Firmen bisher nicht geäußert. Dabei dürfte das für Umweltfreunde kein leicht zu lösendes Dilemma werden.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 8162 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
23.12.2010 von syracusa:

Sie drehen saich im Kreise: diese Kaltreserve wird heute bereits vorgehalten. Da fallen also absolut gar keine Extrakosten an. mehr...

22.12.2010 von bammy:

Das sind dann aber erhebliche Kostenfaktoren. Sie müssen erst mal Personal auf Stand By beschäftigen. Die Kraftwerke müssen in Schuß gehalten und gewartet werden, ohne das die einen Cent verdienen. Die kosten dann nur. Wie ich [...] mehr...

21.12.2010 von n+x:

Nein, das Netz ist deutlich engmaschiger. mehr...

21.12.2010 von de.nada:

Haben Sie das während des Studiums zur "Analyse der lateralen Beziehungen der Magrebstaaten anhand der Daten des Stromverbundnetzsystems dieser Länder" harausgelesen ? Sagen Sie bloß sowas wie ein Verbundnetzsystem [...] mehr...

21.12.2010 von de.nada:

Für Sie ist jede Art der Sabotage am Stromversorgungssystem eine Obsession ? mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles zum Thema Energietechnologie

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Was Solarstrom kostet

Welche Kosten anfallen

REUTERS
Im Jahr 2009 gingen in Deutschland Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 3000 Megawatt ans Netz. Dies entspricht 3.000.000 Kilowatt. Pro Kilowatt liegt der durchschnittliche Stromertrag - konservativ gerechnet - bei 900 Kilowattstunden im Jahr. Die Vergütung laut Erneuerbare-Energien-Gesetz ist für 20 Jahre garantiert. Sie beträgt - je nach Anlagengröße - 32 bis 43 Cent pro Kilowattstunde. Im Durchschnitt sind es rund 36 Cent.

Solarstrom 27 Cent teurer

10,4 Milliarden Euro Vergütungskosten

Explodierender Zubau


Eckpunkte der Solarförderung

Die Koalition hat sich auf ein Paket geeinigt, mit dem die Förderung von Solarstrom gekürzt werden soll - die Eckpunkte im Überblick (Stand: 24 April 2010)

Dachanlagen

Eigenverbrauch

Ackerflächen

Freiflächen

Deckelung ab 2011

Deckelung ab 2012


Was sind Solarschulden?

Der Preis

AP
Wer eine Solaranlage betreibt, darf seinen Strom unabhängig vom tatsächlichen Bedarf jederzeit ins Netz einspeisen. Die Vergütung wird durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt. Seit 1. Januar 2010 erhält man für Dachanlagen 29,37 bis 39,14 Cent pro Kilowattstunde, je nachdem, wie groß die Anlage ist.

Seit 1. Juli 2010 erhält man für Dachanlagen 25,55 bis 34,05 Cent pro Kilowattstunde, je nachdem, wie groß die Anlage ist. Ab 1. Oktober werden die Vergütungen auf 24,79 bis 33,03 Cent reduziert.

Zum Vergleich: Der Preis für konventionellen Strom schwankt an der Energiebörse zwischen fünf und acht Cent. Die Differenz, also die Mehrkosten, tragen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.

Die Laufzeit

Die Kosten

Der Schuldenberg





TOP



TOP