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30.08.2010
 

Alternative Energien

Deutsche Windflügel-Bauer wollen Weltmarkt erobern

Von André Schmidt-Carré

Windenergie: Die wichtigsten Player der Zukunftsbranche
Fotos
DPA

Einst galten sie als Ökospinner, doch inzwischen hat sich die Windenergiebranche zu einem lukrativen Markt entwickelt. Jetzt beginnt der Kampf um Anteile auf dem Weltmarkt - und deutsche Unternehmen wie Enercon, Nordex und Siemens mischen vorne mit.

Gelsenkirchen-Rotthausen, ehemals tiefstes Bergbaugebiet: In der Fabrik Friedberg läuft die Schraubenpresse auf Hochtouren. Die meisten der produzierten Schrauben gehen schon lange nicht mehr an die Bergbauunternehmen, die Zeche Dahlbusch in Rotthausen etwa ist längst geschlossen. Stattdessen beliefert Friedberg Hersteller von Windkrafttürmen.

In den neunziger Jahren stieg Chefin Ingrid Brand-Friedberg ins Geschäft mit der regenerativen Energie ein. Auf den ersten Blick eine riskante Entscheidung: Die meisten Unternehmer belächelten alternative Energien als Spinnerei, auf Windkraftmessen tummelten sich vor allem Ökos, die vom Windrad im eigenen Garten träumten. Doch Brand-Friedberg erkannte das Potential. Heute macht ihr Unternehmen mit 500 Mitarbeitern rund 60 Prozent des Umsatzes mit Verbindungselementen für Windkrafttürme.

Das Geschäft mit der Windenergie hat sich längst zu einem lukrativen Markt entwickelt. 6,4 Milliarden Euro haben deutsche Windkrafthersteller 2009 laut Bundesverband Windenergie umgesetzt. Von der Krise bekam die Branche bislang wenig zu spüren. 2009 stieg die weltweit installierte Windenergieleistung um 30 Prozent, zuvor waren es durchschnittlich 25 Prozent pro Jahr.

Die Gründerjahre, in denen kleine Hinterhoffirmen für Furore sorgen, hat die Branche längst hinter sich gelassen. Die zehn bedeutendsten Windenergiehersteller der Welt machen rund 80 Prozent des Umsatzes unter sich aus: "Der Markt wird bereits von wenigen Großunternehmen dominiert", sagt Holger Rubel, Energieexperte bei der Boston Consulting Group (BCG).

Enercon, Nordex, Siemens und Repower unter den Marktführern

Weit vorn mit dabei sind die deutschen Hersteller. Enercon, Nordex, Siemens Chart zeigen und Repower Chart zeigen zählen zu den vier der größten Windanlagenbauern überhaupt; Repower allerdings ist mittlerweile mehrheitlich in indischer Hand.

Die Konkurrenz kommt zum großen Teil aus dem europäischen Ausland: Dänemark stellt den Weltmarkführer Vestas, Spanien das Branchenschwergewicht Gemesa. "Das sind zwar die Heimatländer", sagt BCG-Experte Rubel. "Alle diese Unternehmen sind aber längst global aufgestellt." Das gilt nicht nur für den Absatz, sondern auch die Produktion. "Denn die meisten Regierungen erwarten, dass ein Unternehmen Arbeitsplätze schafft, wenn es vor Ort von den Subventionen profitieren will", sagt Rubel.

Dank üppiger Förderungen und Innovationsgeist hat sich Europa zur führenden Region für Windkraft entwickelt. Rund die Hälfte der weltweit installierten Leistung von 160 Gigawatt fließt nach Angaben des Global Wind Energy Council in die Stromnetze des altern Kontinents. Ganz vorn im europäischen Vergleich: Deutschland mit einer installierten Leistung von rund 25 Gigawatt.

Enercon - deutscher Marktführer aus Aurich

Marktführer hierzulande ist das Unternehmen Enercon aus dem niedersächsischen Aurich, mit einem Binnenmarktanteil von mehr als 60 Prozent. Auch für Enercon ist Deutschland längst zu klein: "Europa ist mit Abstand unser wichtigster Markt", sagt Ruth Brand-Schock vom Berliner Enercon-Büro. In Europa will Enercon auch in Zukunft weiter wachsen, vor allem in Frankreich, Portugal und Schweden. In Hoffnungsmärkten wie Brasilien hat Enercon bereits eine eigene Fertigung aufgebaut. Dennoch hat der heimische Markt eine dominierende Bedeutung - und Enercon damit im Vergleich eine Sonderrolle.

Das Unternehmen mit weltweit 13.000 Mitarbeitern ist noch immer in Besitz seines Gründers und heutigen Chefs Aloys Wobben. Sein Unternehmen hat ihn innerhalb von etwas mehr als zwei Jahrzehnten zum Milliardär gemacht. Während andere Unternehmen in der Vergangenheit zukauften oder fusionierten, hat Enercon sich bislang allein behauptet. "Enercon hat sich einen Namen mit besonders hochwertigen Produkten gemacht und genießt schon eine Ausnahmestellung", lobt Sarasin-Experte Fawer die Strategie.

Repowering: Alt gegen Neu auf den Windparks

Allerdings werden in Europa die geeigneten Plätze für neue Anlagen langsam rar: "Das gilt vor allem in Deutschland, Dänemark und Spanien", sagt Alina Bakhareva, Research Manager Renewable Energy Europe bei der Unternehmensberatung Frost and Sullivan. Zumal in der Bevölkerung der Widerstand gegen die Schatten werfenden Riesenräder wächst.

Wachstumsimpulse könnte das sogenannte Repowering geben, bei dem die Anlagenbauer bestehende Windparks demontieren und mit neuen, größeren Anlagen bestücken, die deutlich mehr Leistung bringen. "Bislang macht das Repowering nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus", sagt BCG-Experte Rubel. "Das kann sich aber in Zukunft ändern." Bei Enercon bringt das Geschäft Alt gegen Neu immerhin acht Prozent vom Umsatz, Tendenz steigend.

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insgesamt 14 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
08.11.2010 von dermannmitdemkoffer: Windkraftanlagen sind Unsinn

Darum geht es nicht. Natürlich ist es zu begrüßen, wenn man nachhaltig wirtschaftet. Wenn die Windenergie sich allerdings nur rechnet, weil der Staat Gelder zuschießt, diese dann sogar noch den Schrott vermarktungsfähig [...] mehr...

03.11.2010 von litholas: Was für ein Vorbild...

Und wie wir alle wissen ist Vietnam schon immer ein Vorbild für Deutschland gewesen. Wenn man die Erde mal so richtig begrünen würde dann könnte man nicht nur genug Biomasse für die Energieversorgung 3mal so vieler Menschen [...] mehr...

03.11.2010 von Tubus: Deutscher Wahnsinn

Dann doch lieber ein paar kleine AKW's. Oder glaubt wirklich jemand, dass außer in Deutschland solchen Unsinn mitmacht? Japan soll in Vietnam 8 neue AKW#s bauen. mehr...

03.11.2010 von litholas: Ach tatsächlich!?

Ach was - nachhaltig erzeugter Strom ist (bei auf die Erzeugungskosten beschränkter Sichtweise) teurer als auf Kosten der Biosphäre erzeugter Strom!? Das sind ja enorme Neuigkeiten. Ich bin mir sicher es gab noch vor 100 Jahren [...] mehr...

03.11.2010 von dermannmitdemkoffer: Überdenken

Ich war vor kurzem bei einem renomierten Windkraftanlagenhersteller. Da wurde uns die komplette Produktion erklärt. Interessant war, daß der Leiter freimütig (unter 4 Augen;-), bekannte, daß es ohne die Gesetzeslage vollkommen [...] mehr...

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Im vergangenen Jahr gingen in Deutschland etwa 950 neue Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von fast zwei Gigawatt ans Netz. Das entspricht der Kapazität von zwei Atomkraftwerken. Weltweit ist Deutschland gleichauf mit China und hinter den USA die Nummer Zwei bei der Nutzung der Windenergie; dahinter folgen Spanien und Indien. Trotz Finanzkrise war 2009 ein hervorragendes Jahr für die globale Windbranche, denn die installierte Gesamtleistung stieg um fast ein Drittel auf 158 Gigawatt. Den größten Zubau verzeichneten China (plus 13 Gigawatt) und die USA (plus 10 Gigawatt).

Detaillierte Angaben zur weltweiten Nutzung von Windenergie (pdf)



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