Von Nicola Kuhrt
Der Griff in die eigene Geldbörse beweist: Euro-Geldstücke aus dem Ausland finden sich hier selten
Karlsruhe/Freiberg - Ein wenig traurig ist Hans-Dieter Jöckel schon. Einmal im Monat treibt es den Hobby-Numismatiker an einen Münzroll-Automaten in Karlsruhe oder Saarbrücken. Hier besorgt er sich 2000 Euro-Münzen, um deren Herkunft am heimischen Küchentisch genauer unter die Lupe zu nehmen. Doch statt der erhofften ausländischen Euros findet Jöckel fast ausschließlich heimische Münzen. "Wie langweilig", sagt er.
Auch Wissenschaftler wie Dietrich Stoyan, Professor an der Uni Freiberg (Sachsen), finden die bisher erfolgte Durchmischung deutscher und ausländischer Euros eher enttäuschend. "Ich hatte für Ende 2002 kühn einen Anteil ausländischer Münzen von zehn Prozent prognostiziert", sagt Stoyan, "in Wirklichkeit waren es dann gerade mal 3,6 Prozent." Und der Statistik-Professor weiß genau, wer an der mangelnden Integration schuld ist: Die vielen deutschen Sammler - also Münzhändler genauso wie euro-begeisterte Privatleute oder emsige Schulkinder. "Die haben alles verdorben", sagt er.
Zeigt eine Harfe auf der Rückseite: das irische Ein-Euro-Stück
Der Trend geht zum "Zweitportmonee"
Dabei sind es nicht nur die Deutschen, die Spaß am Euro gefunden haben. Auch in anderen Ländern wie Italien und Frankreich sammeln die Menschen begeistert ausländische Münzen. "In Frankreich geht der Trend sogar zum Zweiportmonee", berichtet Stoyan, der im ständigen Austausch mit anderen europäischen Forschungskollegen steht. Er verfolgt seit Januar 2002 mit der Studie "Euro.Diff" die Diffusion des Ein-Euro-Stücks in Deutschland. Rund 50 freiwillige Euro-Zähler wie Hans-Dieter Jöckel übermitteln Stoyan einmal monatlich ihre Euro-Ergebnisse via Internet. Diese dienen Stoyan dazu, sein Rechenmodell, das die Diffusion von Münzen prognostizierbar machen soll, soweit wie möglich der Realität anzugleichen.
Wegen des Eulen-Motivs bei Sammlern besonders beliebt: das griechische Ein-Euro-Stück
Die "totale Durchmischung" bleibt weiter möglich
Trotz anfänglicher Start-Schwierigkeiten bleibt Dietrich Stoyan zuversichtlich, dass eine "totale Durchmischung" der Euro-Münzen erreicht werden kann. Dann sollten in jedem der 15 Euro-Länder beispielsweise 33 Prozent aller Münzen aus Deutschland, 17 Prozent aus Frankreich und ein Prozent aus Luxemburg stammen - entsprechend der jeweils ausgegebenen Menge an Münzen.
Ziert die Rückseite der niederländischen Ein-Euro-Münze: Königin Beatrix
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