Von Tom Hillenbrand
Smart Roadster: Kein Wagen für Jedermann
Wer Smart fährt, grenzt sich ab von den lauten, schweren Blechkisten, mit denen der retardierte Rest der Menschheit durch die Gegend fährt. Das gilt für den Roadster mehr noch als für das Normalmodell, denn der Sportwagen ist nicht nur hip, er ist auch noch schnell und teuer.
Deshalb hat DaimlerChrysler für den Roadster sogar ein eigenes Acht-Punkte-Manifest ersonnen. Darin stehen philosophische Leitsätze wie "Geschwindigkeit wird am Puls gemessen" oder "Fahrspaß hat nichts mit PS zu tun".
Roadster-Website: Smart will genau wissen, wer eines der schnittigen Fahrzeuge erwerben möchte ...
Zum anderen muss der Smart-Aspirant sein aufrichtiges Interesse dokumentieren, indem er gegenüber DaimlerChrysler eine ungewöhnlich große Zahl an privaten Daten preis- und zur vielseitigen Verwendung freigibt.
Autokauf als moralisches Dilemma
... und ob er überhaupt die Unternehmensphilosphie bejaht ...
All diese Fragen zu beantworten dauert natürlich ein paar Minuten. Aber auch dies entspricht ganz der Roadster-Philosophie. Nicht umsonst heißt es in Punkt Sechs des Manifests: "Der kürzeste Weg ist unmoralisch".
... und ob er ein Geheimniskrämer ist. Denn wenn der Kunde nicht uneingeschränkt seine Daten zu Verfügung stellen will ...
Hart, aber unfair
Helke Heidemann-Peuser vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) hält solch weit gefasste Einverständniserklärungen für äußerst problematisch. Derzeit sei der VZBV dabei, Unternehmen abzumahnen, deren Websites durch Blankoformulierungen die geltenden Datenschutzbestimmungen aushebelten. "Das hier wäre so ein Fall, den wir beanstanden könnten", so Heidemann-Peuser.
... dann ist der Smart-Smiley ganz traurig.
Das ist nur konsequent. Denn schließlich heißt es in Punkt Sieben des Roadster-Manifests: "Wer innovativ ist, kennt keine Kompromisse."
© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH