Gerügte Werbeanzeige für das Hamburger Fitness-Studio Feuersports
Hamburg - 24 Unternehmen reagierten umgehend auf die nicht-öffentlichen Rüge des Werberates und zogen ihre Kampagnen freiwillig vom Markt zurück. Drei weitere Unternehmen änderten ihre Anzeigen und Werbespots. In vier Fällen ignorierten die Firmen die Aufforderung des Werberates zunächst. Daraufhin sprach das Gremium öffentliche Rügen aus. Zwei der vier gerügten Unternehmen zogen ihre Kampagne nach der öffentlichen Rüge zurück, teilte der Werberat in Berlin mit. Insgesamt hatte der Werberat 140 Kampagnen im ersten Halbjahr 2003 unter die Lupe genommen - und manche Motive hatten es wahrlich in sich.
Die Branche mit den meisten Übeltätern: Hersteller von alkoholischen Getränken. Nicht weniger als 17 Anzeigen der Branche kritisierte der Werberat. So fand er den Spruch "Komm Poppen" als Werbung für Alkohol gar nicht lustig. Schließlich bezeichne der Begriff "Poppen" den Geschlechtsverkehr - doch Werbung dürfe nicht den Eindruck erwecken, mit alkoholischen Getränken könne der sexuelle Erfolg gefördert werden.
Rückseite der Feuersports-Anzeige
Freiwillig zog eine Brauerei ein Plakat zurück, auf dem sie neben einem Haufen Steine einen Prosit mit den Worten "Auf den Heiligen Stephanus" gesetzt hatte. Der Heilige Stephan war wegen seines Glaubens gesteinigt worden - die Firma werbe so mit dem Foltertod, lautete der Vorwurf.
Neben Gewalt ist bekanntlich vor allem Sex in der Werbung ein Hingucker - und stellt die Toleranz des Werberats zuweilen auf harte Proben. Nicht bestanden hat diese eine Hamburger Recycling-Firma, die auf großformatigen Plakaten für die Verwertung ihrer Altautos mit einer onanierender Frau und dem Spruch "Selber machen ist geil!" geworben hatte.
Gerügte Anzeige der Augsburger Brauerei Riegele: "Na Zdorovie!"
Neben berechtigter Hinweise erhält der Werberat jedoch auch immer häufiger groteske Aufforderungen von Verbrauchern. So wies der Werberat den Vorwurf der Tierquälerei gegen eine Zigaretten-Anzeige zurück, weil der mitabgebildete Hund angeblich mitrauche. In der gleichen Liga spielt der Vorwurf, eine Anzeige eines Herstellers für Kinder-Hautsalbe zeige einen "Babyporno" - auf dem Motiv verteilte die Mutter die Paste auf einem blanken Babypopo.
"Mit frischem Commerzienrat ab in die 1. Bundesliga!": Gerügte Riegele-Anzeige
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