22. Oktober 2003, 12:48 Uhr

Gerügte Werbeanzeigen

"Komm poppen"

Insgesamt 31 Anzeigen hat der Deutsche Werberat im ersten Halbjahr 2003 gerügt. Häufig wurden Verbraucher in die Irre geführt und Frauen zu Lustobjekten herabgewürdigt. Der drastischste Fall: Die Anzeige eines Hamburger Fitnessstudios.

Gerügte Werbeanzeige für das Hamburger Fitness-Studio Feuersports

Gerügte Werbeanzeige für das Hamburger Fitness-Studio Feuersports



Hamburg - 24 Unternehmen reagierten umgehend auf die nicht-öffentlichen Rüge des Werberates und zogen ihre Kampagnen freiwillig vom Markt zurück. Drei weitere Unternehmen änderten ihre Anzeigen und Werbespots. In vier Fällen ignorierten die Firmen die Aufforderung des Werberates zunächst. Daraufhin sprach das Gremium öffentliche Rügen aus. Zwei der vier gerügten Unternehmen zogen ihre Kampagne nach der öffentlichen Rüge zurück, teilte der Werberat in Berlin mit. Insgesamt hatte der Werberat 140 Kampagnen im ersten Halbjahr 2003 unter die Lupe genommen - und manche Motive hatten es wahrlich in sich.

Die Branche mit den meisten Übeltätern: Hersteller von alkoholischen Getränken. Nicht weniger als 17 Anzeigen der Branche kritisierte der Werberat. So fand er den Spruch "Komm Poppen" als Werbung für Alkohol gar nicht lustig. Schließlich bezeichne der Begriff "Poppen" den Geschlechtsverkehr - doch Werbung dürfe nicht den Eindruck erwecken, mit alkoholischen Getränken könne der sexuelle Erfolg gefördert werden.

Rückseite der Feuersports-Anzeige

Rückseite der Feuersports-Anzeige

Gleicher Tenor: Die Anzeige einer Augsburger Brauerei, die trinkende Leistungssportler gezeigt hatte. Ebenso gerügt wurde eine Destillerie, die für ein alkoholisches Produkt mit dem Titel "Das Vaterunser des Gräf's Pflümli" geworben hatte - die Zeile verletze religiöse Gefühle, kritisierte der Werberat.

Freiwillig zog eine Brauerei ein Plakat zurück, auf dem sie neben einem Haufen Steine einen Prosit mit den Worten "Auf den Heiligen Stephanus" gesetzt hatte. Der Heilige Stephan war wegen seines Glaubens gesteinigt worden - die Firma werbe so mit dem Foltertod, lautete der Vorwurf.

Neben Gewalt ist bekanntlich vor allem Sex in der Werbung ein Hingucker - und stellt die Toleranz des Werberats zuweilen auf harte Proben. Nicht bestanden hat diese eine Hamburger Recycling-Firma, die auf großformatigen Plakaten für die Verwertung ihrer Altautos mit einer onanierender Frau und dem Spruch "Selber machen ist geil!" geworben hatte.

Gerügte Anzeige der Augsburger Brauerei Riegele: "Na Zdorovie!"

Gerügte Anzeige der Augsburger Brauerei Riegele: "Na Zdorovie!"

Eine der gravierendsten Verfehlungen: Die Prospekte der Hamburger Fitness-Studios "Feuersports". Dort wurde der Hintern einer breitbeinig knieenden Frau in Spitzenunterwäsche als Werbemotiv eingesetzt. Überschrift: "Falls Sie ihre Fitness suchen...". Der Werberat rügte diese Kampagne als "frauenerniedrigend". Die Anzeige habe keinen Bezug zu den beworbenen Fitness-Studios und degradiere Frauen zu einem sexuell verfügbaren Objekt.

Neben berechtigter Hinweise erhält der Werberat jedoch auch immer häufiger groteske Aufforderungen von Verbrauchern. So wies der Werberat den Vorwurf der Tierquälerei gegen eine Zigaretten-Anzeige zurück, weil der mitabgebildete Hund angeblich mitrauche. In der gleichen Liga spielt der Vorwurf, eine Anzeige eines Herstellers für Kinder-Hautsalbe zeige einen "Babyporno" - auf dem Motiv verteilte die Mutter die Paste auf einem blanken Babypopo.

"Mit frischem Commerzienrat ab in die 1. Bundesliga!": Gerügte Riegele-Anzeige

"Mit frischem Commerzienrat ab in die 1. Bundesliga!": Gerügte Riegele-Anzeige

Auch einen TV-Spot, in dem Verona Feldbusch mit Ess-Stäbchen im Haar eine Marmelade zum "Flühstück" lobte, sah der Werberat nicht als Verunglimpfung von Japanerinnen, wie zuvor von einem aufmerksamen Zuschauer gerügt worden war.


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