SLEC-Chef Ecclestone in einem weniger rasanten Gefährt: "Die Hände geschüttelt und beschlossen, dass der Deal steht"
München/London - So viel scheint klar: Die Idee, dass die Autobauer eine eigene Rennsportserie starten, ist wohl erst einmal vom Tisch. Die Autokonzerne wollten stattdessen zumindest einen Teil der Formel 1-Anteile übernehmen, meldete die Agentur Reuters am Abend. Derzeit befinden sich die Anteile im Bankenbesitz.
An den Gesprächen waren der Chef der Formel 1-Holding SLEC, Bernie Ecclestone, die Banken und die in der Grand Prix World Championships (GPWC) zusammengeschlossenen Autobauer beteiligt. Anteilseigner und Fahrzeughersteller hätten sich darauf geeinigt, bis Ende 2003 eine genaue Absichtserklärung zu erarbeiten, die alle weiteren Strukturfragen festlege, erklärte die GPWC. In ihr sind BMW, Fiat, Ford, DaimlerChrysler und Renault zusammengeschlossen. "Wir sind sehr glücklich, dass wir heute den Durchbruch in unseren Gesprächen über die Zukunft der Formel 1 erzielt haben."
"Bernie, die Banken und die Autobauer haben die Hände geschüttelt und beschlossen, dass der Deal steht", hieß es laut Reuters in Verhandlungskreisen.
Seit Monaten verhandelt die Bayerische Landesbank (BayernLB) mit den Autoherstellern über die künftige Gesellschafterstruktur. Nach der Pleite des Kirch-Imperiums hatte das halbstaatliche Institut zusammen mit den Investmentbanken Lehman Brothers und JPMorgan 75 Prozent an der Rennserie übernommen hatte, die die Geldhäuser einst als Pfand für einen Milliardenkredit erhalten hatte.
Die Autobauer und Teams hatten mehr wirtschaftliche Transparenz und höhere Erlöse sowie zum Teil eine Beteiligung an der SLEC gefordert. Für den Fall eines Scheiterns ihrer Ansprüche hatten sie angekündigt, 2008 eine eigene Rennserie zu starten. Dann laufen die derzeitigen Verträge aus. Die aktuelle Formel 1 wäre damit praktisch wertlos geworden - und mit ihr die Anteile der Banken. Ferrari-Chef Luca di Montezemolo hat diese Konstellation einmal als "den Besitz von 100 Prozent an nichts" bezeichnet.
Dies hätte es für die Banken erschwert, ihre Anteile - von denen sie sich mittelfristig trennen wollten - wieder abzustoßen und voraussichtlich massive Abschreibungen mit sich gebracht.
Die GPWC hatte den Anteilseigner im Sommer massiv unter Druck gesetzt und eine Lösung bis spätestens Jahresende gefordert. Mit dem nun erfolgten angeblichen "Durchbruch" dürfte auch der Wert der SLEC-Anteile der Banken wieder steigen. Offen blieb zunächst sowohl, ob sämtliche Anteile der Banken zu den Autokonzernen wechseln. Auch ist fraglich, ob alle in der GPWC engagierten Fahrzeugbauer in die Formel 1 einsteigen.
Die BayernLB erklärte am Abend lediglich, sie begrüße das Verhandlungsergebnis. Damit stelle "für die BayernLB das Kirch-Engagement kein Problem mehr da und wird keine bilanziellen Auswirkungen haben", hieß es in einer Mitteilung. Ein Sprecher wollte sich zu Details nicht äußern.
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