Werbeschild für den "Virtuellen Arbeitsmarkt": "Das muss alles noch rangebaut werden"
Berlin - Bereits im August 2003 sei bekannt geworden, dass die Jobbörse Arbeitsagentur.de 114,6 Millionen Euro kosten werde. Seit dem 27. August 2003 sei auch aktenkundig, wer davon wisse. Zu den Informierten habe Alt gezählt. Dies berichtet die "Welt" unter Berufung auf einen hochrangigen Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit (BA).
"Wir wussten von vornherein, dass die (ursprünglich geplanten) 65 Millionen Euro nur die Karosserie sind. Die Räder, das Lenkrad, die Sitze, das muss alles noch rangebaut werden. Das sollte aber alles erst im Feinkonzept entstehen", sagte der leitende BA-Mitarbeiter der Zeitung, die Namen und Funktion des Informanten nach eigener Darstellung kennt. Die Kostenexplosion bei der Internet-Jobbörse bei der BA beschäftigt seit Freitag auch die Justiz. Die Nürnberger Staatsanwaltschaft hat Vorermittlungen wegen des Verdachts der Veruntreuung von Geldern eingeleitet.
"Damit abfinden, dass es teuer wird"
BA-Verwaltungsratsmitglied Stephan Götzl sagte den "Nürnberger Nachrichten": "Ich fühle mich von Alt verarscht." Er habe mehrfach von Alt Informationen über die Kosten zum Virtuellen Arbeitsmarkt erbeten, sei aber wiederholt ohne klare Auskunft abgespeist worden.
Alter Vorstand, neuer Boss: Heinrich Alt und Frank-Jürgen Weise
Weise sagte, er habe schon 2003 als Finanzvorstand "kritische Fragen" zum Kostenrahmen für das Online-Portal gestellt. Zur Zukunft des Projekts erklärte er: "Wir müssen uns wohl damit abfinden, dass es so teuer wird."
Berechnungen der BA hatten ergeben, dass für den Virtuellen Arbeitsmarkt bis 2008 Kosten von rund 165 Millionen Euro anfallen. Ursprünglich waren 65 Millionen Euro veranschlagt worden. Weise hatte am Mittwoch wegen technischer Mängel und finanzieller Risiken den Ausbau der Internet-Stellenbörse vorläufig gestoppt und Projektleiter Jürgen Koch von seinen Aufgaben entbunden.
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