18. Januar 2005, 06:09 Uhr

A380-Präsentation

Showtime für den Supervogel

5000 Gäste sind geladen, darunter Gerhard Schröder und Tony Blair, die Laser-Show ist vorbereitet: Am Vormittag wird Airbus in Toulouse sein neues Großraumflugzeug A380 präsentieren. Seit Tagen versuchen Flugfans, schon einen Blick durch die Werkszäune zu erhaschen - SPIEGEL ONLINE zeigt die letzten aktuellen Bilder vor dem Roll-out.

Toulouse - Das "A380 reveal" genannte Programm bietet Airbus-Chef Noel Forgeard die Gelegenheit für einen letzten großen Auftritt, bevor er Anfang Mai in die Spitze des Airbus-Mutterkonzerns EADS wechselt. Die Fertigung des A380 wird nach Angaben Forgeards im Jahr 2008 rentabel sein. "Drei Jahre brauchen wir noch", sagte der Manager der Pariser Wirtschaftszeitung "La Tribune".

Airbus liege bei den bisherigen Verkäufen "gut über dem Plan", erinnerte Forgeard an das gesetzte Ziel, zwei neue Airlines jährlich als Kunden für den A380 zu gewinnen. Forgeard rechnet fest damit, "dass der A380 im ersten Halbjahr 2005 auch von einer chinesischen Fluggesellschaft gekauft wird".

Das neue Airbus-Flaggschiff mit maximal 853 Plätzen in der Charterklasse soll eine neue Ära in der Zivilluftfahrt einleiten. Zur Präsentation sind 5000 Gäste geladen, darunter allein 500 Journalisten. Der deutsche Bundeskanzler, Frankreichs Staatschef Jacques Chirac und die Regierungschefs von Spanien und Großbritannien repräsentieren die vier Länder, die dem A380 mit Krediten über 3,2 Milliarden Euro Starthilfe gegeben hatten.

310.000 Liter Kerosin

Im März soll der Prototyp zum Jungfernflug starten. Dann wird auch die Montage des ersten Serienflugzeugs beginnen. Die breite Öffentlichkeit kann den A380 erstmals im Juni während der Flugzeugmesse in Le Bourget bei Paris begutachten. 2006 wird Singapore Airlines den ersten A380 in Dienst nehmen; ein Jahr später folgen Air France und Lufthansa .

Noch vor dem Jungfernflug hat Airbus bereits 149 Stück verkauft. Das sei mehr als von jedem anderen Flugzeug vor seinem Erstflug, rechnet der Hersteller vor. Die für 281 Millionen Euro angebotene Grundversion verfügt über zwei durchgehende Passagierdecks mit 555 Plätzen und ein Gepäckdeck. Für Charterflüge kann die Zahl der Sitze erhöht werden. Die Maschine hat eine Spannweite von 80 Metern und ist an der Heckflosse 24 Meter hoch. Ihre Tanks fassen 310.000 Liter Treibstoff.

Flughäfen müssen erweitert werden

Der A380 darf auf allen Flugplätzen landen, die für Boeings 747 zugelassen sind. Dennoch haben seine Abmessungen und insbesondere die hohe Zahl der Passagiere Um- oder Neubauten auf vielen Weltflughäfen von Paris über San Francisco oder Dubai notwendig gemacht.

Airbus will in den nächsten zwei Jahrzehnten weltweit mindestens 750 Modelle absetzen. Bereits jetzt hat der europäische Hersteller mit dem A380 das jahrzehntealte Monopol von Boeings 747 im Jumbo-Markt gebrochen. Gleichzeitig dringt Airbus mit dem A380F in den Markt für Superfrachter vor.

Bauteil-Lieferanten zwischen Wales und Japan

Die Endmontage des A380 findet in Toulouse statt. Das Airbus-Werk in Hamburg liefert Rumpfteile und baut die Innenausstattung ein. Die Hansestadt ist damit zweitgrößter A380-Standort. Das A380-Heckruder kommt aus Stade, die Flügel aus Wales, die Kanzel aus Saint-Nazaire und andere Teile aus Orten von Japan über Finnland bis zu den USA.

Airbus hat rund 50.000 Mitarbeiter vor allem in Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien. Das Unternehmen gehört zu 80 Prozent dem führenden europäischen Flugtechnikkonzern EADS, an dem DaimlerChrysler zu gut 30 Prozent beteiligt ist, und zu 20 Prozent der britischen BAE Systems.


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