Stuttgart - Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigte am Abend einen Bericht der "Stuttgarter Zeitung", wonach gegen Kopper ermittelt wird. Das Verfahren sei in Stuttgart eingeleitet und dann an die Frankfurter Staatsanwaltschaft weitergegeben worden, sagte Sprecherin Tomke Beddies. Die Frankfurter Ermittler prüfen demnach die Übernahme. Nähere Angaben wurden nicht gemacht.
DaimlerChrysler-Aufsichtsrat Kopper, Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Aktienverkäufe nach Schrempp-Rücktritt
Eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sagte, zu laufenden Untersuchungen gebe man keine Auskunft. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollten sich weder Deutsche Bank noch DaimlerChrysler äußern. Auch von Kopper und Ackermann war am Abend keine Stellungnahme zu erhalten.
Saftige Gewinne nach Schrempp-Rücktritt
Nach der offiziellen Ankündigung Schrempps Ende Juli 2005, seinen Posten zum Januar 2006 räumen zu wollen, verkaufte die Deutsche Bank noch am gleichen Tag rund 35 Millionen DaimlerChrysler-Aktien für insgesamt 1,4 Milliarden Euro. Damit reduzierte die Bank ihre Beteiligung an dem Autobauer von rund zehn auf knapp sieben Prozent. An der Börse freute man sich über den Wechsel bei DaimlerChrysler, der Aktienkurs schnellte zeitweise um über zehn Prozent nach oben. So konnte die Deutsche Bank mit ihrem Deal einen Vorsteuergewinn von 300 Millionen Euro verbuchen. Durch einen möglichen Hinweis von Kopper hätte die Bank mehr Zeit zur Vorbereitung des Verkaufes gehabt.
Dabei hatte Deutsche-Bank-Finanzchef Clemens Börsig noch am Morgen vor der Schrempp-Ankündigung in einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen erklärt, die Bank wolle sich zwar weiter von ihren DaimlerChrysler-Anteilen trennen, sehe sich aber nicht unter Zeitdruck. "Wir haben keine Not." Am Nachmittag bekräftigte die Bank damals in einer Mitteilung nochmals ihre Absicht, sich grundsätzlich von dem Aktien-Paket verabschieden zu wollen. Die Medien hätten Börsigs Äußerungen falsch wiedergegeben und den Schluss gezogen, dass das Institut seine Beteiligung nun doch weiter halten wolle.
Außer der Deutschen Bank hatten sich auch DaimlerChrysler-Manager am Tag der Schrempp-Ankündigung von Aktienpaketen getrennt und saftige Gewinne eingestrichen. Wenige Wochen später leiteten die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Staatsanwaltschaft offizielle Ermittlungen wegen des Verdachts auf Insiderhandel ein, die inzwischen allerdings eingestellt wurden.
BaFin nimmt die Witterung auf
Schon damals geriet auch die Deutsche Bank in die Schlagzeilen. Einem Bericht der "Welt am Sonntag" zufolge erwog die BaFin, Ermittlungen gegen das größte deutsche Geldinstitut einzuleiten. "Es gibt da eine auffällige Entwicklung" zitierte das Blatt den BaFin-Präsident Jochen Sanio.
Eine Sprecherin der Finanzaufsichtsbehörde erklärte allerdings später, es gebe keine konkreten Untersuchungen gegen die Bank. Die Behörde habe sich alle in Frage kommenden Geschäfte angeschaut, dazu gehörten auch die der Deutschen Bank. Inzwischen hat die Deutsche Bank ihre Beteiligung an DaimlerChrysler noch weiter abgesenkt: Im November des letzten Jahres verkaufte der Konzern erneut ein milliardenschweres Aktienpaket und hält jetzt weniger als fünf Prozent an DaimlerChrysler.
Nach Informationen der "Stuttgarter Zeitung" basieren die aktuellen Ermittlungen auf den BaFin-Untersuchungen. Nach dem Wertpapierhandelsgesetz ist nicht nur der Handel mit sogenannten Insider-Papieren, sondern auch die unbefugte Weitergabe von Insider-Informationen verboten. Kopper war früher selbst Chef und Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank. Er legte jedoch stets Wert darauf, dass der Aufsichtsratsvorsitz bei DaimlerChrysler ein persönliches Mandat sei.
Vor dem Hintergrund des Schrempp-Rücktritts läuft derzeit ein weiteres Verfahren. Mehrere Aktionäre haben DaimlerChrysler verklagt. Auch sie berufen sich auf Ermittlungen der BaFin und der Staatsanwaltschaft, ob DaimlerChrysler den Ende Juli 2005 angekündigten Rückzug von Konzernchef Schrempp ins Privatleben entgegen der Vorschriften nicht unverzüglich bekannt gemacht hat.
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