31. Mai 2006, 10:00 Uhr

Aufschwung

Arbeitslosenzahl im Rekord-Tempo gefallen

Dass sich der Arbeitsmarkt im Mai entspannt, ist üblich - dieses Mal aber fiel die Belebung viel kräftiger aus als sonst. Die Zahl der Jobsuchenden sank im Vergleich zum April um 255.000 - der stärkste Rückgang seit 1990.

Nürnberg - Normalerweise muss Frank-Jürgen Weise vor allem unangenehme Nachrichten verbreiten. An diesem Vormittag war das anders. "Die Arbeitslosigkeit sank überraschend stark, die Nachfrage nach Arbeitskräften stieg nochmals an, und der Beschäftigungsabbau hat sich weiter verlangsamt", sagte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.

Die offiziellen Zahlen: Im Mai waren 4,535 Millionen Menschen als arbeitslos registriert - 255.000 weniger als im April und 349.000 weniger als vor einem Jahr. Es war der stärkste Rückgang binnen eines Monats seit der Wiedervereinigung. Die Arbeitslosenquote ging damit von 11,5 Prozent im Vormonat auf 10,8 Prozent zurück.

Volkswirte hatten vorab zwar eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt erwartet - aber nicht in dieser Dimension. Denn die Erwerbslosenzahl ist weitaus stärker gefallen als für den Mai üblich. Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre war jeweils eine Abnahme um knapp 160.000 verzeichnet worden.

Die BA führt einen Teil des starken Rückgangs auf entlastende Effekte durch die Hartz-IV-Arbeitsmarktreform zurück, unter anderem die intensivere Betreuung von Arbeitslosen. Auch wenn die jahreszeitlichen Einflüsse herausgerechnet werden, ging die Arbeitslosenzahl unerwartet deutlich zurück. Saisonbereinigt sei die Erwerbslosenzahl von April auf Mai um 93.000 gesunken.

BA befürchtet größere Lehrstellenlücke

Offiziell waren im Westen im Mai 3,046 Millionen Männer und Frauen ohne Beschäftigung - 155.000 weniger als im April und 196.000 weniger als vor einem Jahr. Im Osten waren im Mai 1,49 Millionen Arbeitslose registriert, 100.000 weniger als im April und 153.000 weniger als im Mai 2005. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell im Westen bei 9,2 Prozent, im Osten bei 17,4 Prozent.

Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt ist indes auch im Mai stark angespannt geblieben. Derzeit sei mit Ablauf des Berufsberatungsjahres Ende September eine größere Lehrstellenlücke zu befürchten als im vorigen Jahr, so die BA . Ende September 2005 hatten 28.300 Lehrstellen gefehlt.

Mit der Lage am Ausbildungsmarkt will sich heute auch das Bundeskabinett befassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte jüngst die Sorge geäußert, dass Ende September bis zu 50.000 Lehrstellen fehlen könnten. Bis Ende Mai dieses Jahres seien den Agenturen für Arbeit 362.500 Ausbildungsstellen gemeldet worden, rund zwei Prozent weniger als im Vorjahr, teilte die BA mit.

Der Rückgang beruhe allein auf weniger betrieblichen Ausbildungsplätzen, deren Zahl um 12.600 auf 351.000 gesunken sei. Ende Mai habe es für 134.400 unbesetzte Ausbildungsstellen 354.500 Bewerber gegeben. Die rechnerische Lücke sei mit 220.100 um 35.100 größer gewesen als zum selben Zeitpunkt im vorigen Jahr. Die Lehrstellenlücke verringert sich erfahrungsgemäß bis Ende September deutlich.

Weitere Meldungen zum Arbeitsmarkt:
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In der Debatte um Änderungen bei Hartz IV warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) unterdessen vor weiteren Korrekturen zu Lasten der Erwerbslosen. "Das Grundproblem ist und bleibt, dass nicht ausreichend Arbeitsplätze da sind. Dafür dürfen Arbeitslose nicht auch noch bestraft werden", sagte DGB-Vorstandsmitglied und Sozialexpertin Annelie Buntenbach der "Berliner Zeitung". Sie forderte die Bundesregierung auf, das Kompetenzchaos schnellstens zu beenden.

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Um Langzeitarbeitslose tatsächlich aus einer Hand zu fördern, sollten die Ausbildungs- und Arbeitsvermittlung für alle Arbeitslosen den Arbeitsagenturen übertragen werden. Die Kommunen müssten dazu die notwendigen Rahmenbedingungen unter anderem bei der Kinderbetreuung organisieren. "Die mehr als 500.000 alleinerziehenden Arbeitslosengeld-II-Empfängerinnen brauchen dringend bessere Kinderbetreuungsangebote, damit sie überhaupt eine Chance zur Eingliederung haben", erklärte die Sozialexpertin.

Der CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla hat sich indes für eine stärkere Senkung der Lohnnebenkosten ausgesprochen. Der "Stuttgarter Zeitung" sagte er, die unerwartet hohen Überschüsse der Bundesagentur für Arbeit könnten Spielraum für zusätzliche Beitragssenkungen eröffnen. "Wenn es Freiräume gibt, dann bin ich dafür, bei der Reduzierung der Sozialbeiträge weiter zu gehen als dies im Koalitionsvertrag vorgesehen ist."

Der CDU-Politiker hält es für möglich, dass die Bundesagentur für Arbeit in diesem Jahr einen Überschuss von bis zu acht Milliarden Euro erzielt. Im Herbst werde die Koalition über die Verwendung entscheiden. Im Koalitionsvertrag hatten sich Union und SPD darauf verständigt, den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung um zwei Prozentpunkte zu ermäßigen.

itz/Reuters/dpa/AFP


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