24. Oktober 2006, 14:53 Uhr

Büromöbelmesse

Vergoldete Chefsessel und Klappbüros

Ob Vorstandsetage mit "Chefduft" aus Leder und Edelholz oder Ein-Quadratmeter-Zelle, auf der Büromöbelmesse Orgatec wird so ziemlich für jedes Büro das passende Mobiliar präsentiert. Es ist futuristisch geformt oder auch mal vergoldet - und oft zusammenfaltbar für den schnellen Standortwechsel.

Köln - Zeitgeistnah liegt der mobile Arbeitsplatz voll im Trend: Er kann mit ein paar Handgriffen zusammengeklappt, weggeschoben und anderswo genauso fix wieder aufgebaut werden. Wegen der zunehmenden Zahl von Großraumbüros wird außerdem der Lärmschutz zum zentralen Thema vieler Designer auf der Büromöbelmesse Orgatec. So gibt es jetzt Bürodrehstühle, die an Ohrensessel oder auch an überdimensionale Kinderwagen erinnern: Die Lehne schützt gegen Lärm.

Bis Samstag zeigen etwa 700 Unternehmen aus 40 Ländern auf der Büromöbelmesse Neuheiten der Branche. Darunter sind sogenannte denkende Stühle, die selbst den Computer oder die Kaffeemaschine einschalten, oder Ruheinseln mit Palmen und Hängematten für die Pause.

Inspiration war für viele Aussteller ein Rotterdamer Versicherer, der zwar 3000 Beschäftigte hat, aber nur 1000 Büroarbeitsplätze. Dafür gebe es allerdings 30 verschiedene Themenrestaurants in der Firmenzentrale, sagte der Designer Joachim Sparenberg. "In einer anderen Umgebung andere Leute treffen und so auf andere Ideen kommen - das ist der Gedanke dahinter." Für solche Arbeitsverhältnisse wurden zahlreiche Klapp- und Faltmöbel entworfen.

Auch über die internationalen Arbeitsverhältnisse lässt sich nebenbei einiges lernen auf der Möbelmesse. Immerhin 17 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland nicht in Themenrestaurants oder am Wohnzimmertisch, sondern noch ganz traditionell, erfährt man da: Im Büro. Den Deutschen steht dabei nach einer Studie neben Niederländern und Skandinaviern der meiste Raum zur Verfügung - Bulgaren und Schotten dagegen haben es eng. Nach einer Branchenumfrage ist etwa jeder dritte deutsche Büromensch gut eingerichtet, ein weiteres Drittel muss mit einem eher schlecht ausgestatteten Arbeitsplatz auskommen, und der Rest hat gar keinen festen Schreibtisch mehr.

Manche Unternehmen - vor allem Internet- und High-Tech-Firmen - gönnen ihren Beschäftigten luxuriöse Ruhezonen. Dort kann sich der Beschäftigte in der Pause ganz seiner jeweiligen Stimmung hingeben: Wünscht er sich an die Nordsee, gibt es eine bläuliche Beleuchtung, Meeresrauschen und Salzgeruch. "Das ist keine Zukunftsmusik, das ist alles heute schon zu kriegen", sagte Sparenberg.

Ob schönere Büros allerdings generell die Leistung steigern, ist umstritten. Es sei jedoch erwiesen, dass Büroangestellte effizienter arbeiteten, wenn sie zum Beispiel nicht durch Lärm abgelenkt würden, sagt Orgatec-Pressesprecher Hans-Joachim Weimann. Die Messe ist nach eigenen Angaben die größte Büromöbelmesse der Welt. Letztes Jahr kamen 55.000 Fachbesucher auf die Messe.

ase/dpa


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