30. Oktober 2006, 18:13 Uhr

Berliner Bankenskandal

Verhandlungsunfähiger läuft Marathon

Um dem Prozess wegen Betrugs im Berliner Bankenskandal zu entgehen, hatte sich der frühere Aubis-Manager Christian Neuling Verhandlungsunfähigkeit bescheinigen lassen. Jetzt ziehen die Staatsanwälte das Attest in Zweifel. Zeugen hatten Neuling beim letzten Berlin-Marathon gesehen.

Berlin - Den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge bewältigte der 63-Jährige die 42,192 Kilometer lange Strecke im September in knapp viereinhalb Stunden und landete unter 40.000 Teilnehmern auf Platz 15.975.

Teilnehmerliste des Berlin-Marathons: Startnummer 8854

Teilnehmerliste des Berlin-Marathons: Startnummer 8854

Nun soll will die Justiz Neulings Gesundheitszustand erneut untersuchen lassen, wie Justizsprecher Michael Grunwald heute mitteilte. Neulings Rechtsanwalt Wolfgang Ziegler argumentierte, der Arzt habe seinem Mandanten die Teilnahme an dem Lauf aus therapeutischen Gründen empfohlen.

Neuling stand gut zwei Jahre gemeinsam mit seinem Manager- Kollegen, dem früheren CDU-Politiker Klaus Hermann Wienhold, unter dem Vorwurf des Betruges zu Lasten der Immobilienbank Berlin Hyp vor Gericht. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sollen die beiden Geschäftsleute über ihre Immobilienfirma Aubis gemeinsam mit einem Leipziger Wärmelieferanten einen Millionenschwindel zum Schaden der Bank, einer Tochter der damaligen Bankgesellschaft Berlin, eingefädelt haben. Neuling und Wienhold hatten die Vorwürfe bestritten. Neuling war Ende April, Wienhold im März wegen angegriffener Gesundheit aus dem Betrugs-Prozess ausgeschieden.

Die beiden hatten mit der Firma Aubis tausende Plattenbauwohnungen gekauft und waren damit in große finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Millionenkredite der Berlin Hyp für Aubis und eine Parteispende von Wienhold und Neuling, die dem damaligen Hyp-Chef und Berliner CDU-Fraktionsvorsitzenden Klaus Landowsky übergeben wurde, lösten seinerzeit die Berliner Bankenaffäre aus. 2001 zerbrach darüber die große Koalition von CDU und SPD in Berlin.

mik/dpa


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