Von Michael Kröger
San Francisco - Der 1912 in New York geborene Friedman gehört zu den einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Als Mitglied der "Chicagoer Schule" entwickelte er die Monetarismus-Theorie, die in den siebziger Jahren die Wirtschaftswissenschaft revolutionierte. Demnach sollte die Geldpolitik nicht über den Zinssatz, sondern über die Geldmenge geregelt werden.
Friedman wendete sich früh gegen die Theorien des Briten John Maynard Keynes, der als Begründer der antizyklischen Finanzpolitik gilt. Dessen Theorie sieht - vereinfacht gesagt - vor, dass der Staat in schlechten Zeiten durch vermehrte Investitionen - zur Not auch über Schulden finanziert - die Nachfrage belebt. In Zeiten guter Konjunktur soll der Saldo dann ausgeglichen werden. Viele Finanzminister beriefen sich auf Keynes, um die Neuverschuldung unter ihrer jeweiligen Ägide zu rechtfertigen.
Keynes und Friedman galten denn auch als die wichtigsten Gegenpole in den wirtschaftspolitischen Debatten der siebziger und achtziger Jahre. Friedman wandte sich heftig gegen die Theorie, dass der Staat nur zu wählen brauche, ob er ein wenig Inflation in Kauf nehmen wollte, um die Arbeitslosigkeit zu senken. Am Ende, so schrieb Friedman in 1968 in einem kurzen Aufsatz, würden beide Werte ansteigen. Die Entwicklung seit den siebziger Jahren gab ihm Recht.
Als Alternative plädierte Friedman für eine strenge, am Wachstum der Geldmenge ausgerichtete Geldpolitik und den Rückzug des Staates aus der Wirtschaft. Die Selbstheilungskräfte des Marktes seien am ehesten geeignet, ein gesamtwirtschaftliches Optimum herbeizuführen, lautete sein Credo.
1976 erhielt er den Nobelpreis für Ökonomie. Gleichwohl fehlte es Friedman nicht an Kritikern. Sie warfen dem Ökonomen häufig vor, Sachverhalte wider besseres Wissen gnadenlos zu vereinfachen. Sätze, wie: "Es ist unmoralisch, Geld von den Reichen zu nehmen, um es den Armen zu geben", brachten seine Gegner auf die Barrikaden.
Milton Friedman: Einer der wichtigsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts
Auch seine Tätigkeit als politischer Berater war nicht unumstritten: In den achtziger Jahren unterstützte der Ökonom den Wahlkampf des Republikaner Ronald Reagan, der nach der Wahl zum US-Präsidenten 1980 seine Wirtschaftspolitik im Wesentlichen an der Lehre der "Chicagoer Schule" ausrichtete. Auf seinen Rat hin führte die US-Regierung nach dem Zusammenbruch des Währungssystems von Bretton Woods flexible Wechselkurse ein.
Als Ratgeber stand Friedman auch der britischen Premierministerin Margaret Thatcher zur Seite, und ebenso dem chilenischen Diktator Pinochet.
Die Kritik, die ihn als Paten neoliberaler Wirtschaftspolitik angriff, ließ ihn jedoch stets kalt: Spätestens durch den Zusammenbruch des Sozialismus sah er sich bestätigt.
Mit Material von dpa
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